Nachtschicht am Seibelseckle
»Schneemacher« präparieren jede Nacht die Piste und verhindern das Einfrieren der Schneekanonen
Kälteempfindlich darf man bei diesem Job garantiert nicht sein: Im Skigebiet Seibelseckle stellt jede Nacht mindestens ein »Schneemacher« die zerfahrene Piste mit einer Raupe wieder her. Auch die Schneekanonen müssen je nach Windrichtung mehrmals pro Nacht verrückt werden.
Kurz eine heiße Gulaschsuppe in der Après-Ski-Hütte, danach geht es wieder in die Kälte. Leo Fischer setzt sich die Wollmütze auf, zieht die signalgelben gefütterten Handschuhe an und stampft wieder in den Tiefschnee. Es ist 22 Uhr, das Thermometer zeigt minus zehn Grad Nachdem die letzten Flutlichtfahrer die Piste verlassen haben, beginnt für Leo Fischer die Arbeit. Der 52-Jährige arbeitet als »Schneemacher« im Skigebiet Seibelseckle. Während andere schlafen, macht er die Piste flott.
»Irgendwann merkt man die Kälte gar nicht mehr«, sagt Fischer, während er einen Haufen Schnee in die Hand nimmt und in die Luft wirft. »Damit prüfe ich die Windrichtung«, sagt der Fachmann, der schon seit vier Jahren die Probebeschneiung überwacht. Kürzlich ist die Anlage endgültig in Betrieb gegangen. Die feinen Pulverkörner wehen nach Osten. »Ein gutes Zeichen«, bemerkt Fischer und dreht die Schneekanone ein Stück nach links. Der Wind weht in Richtung Piste.
Von unterhalb kommt eine 370 PS starke Pistenraupe angerattert, um die Schneekanone zu versetzen – an einer Stelle hat sich ein leichter Hügel Kunstschnee gebildet. Markus Huber, der hinterm Steuer des kettengetriebenen Fahrzeugs sitzt, bedient einen Joystick, um die Schneekanone mit dem Pflug anzuheben. Laut ratternd fährt die Raupe den Berg rauf, während Fischer zur nächsten Kanone geht.
Insgesamt vier dieser Geräte stehen am Seibelseckle. Sie produzieren rund 1000 Kubikmeter künstlichen Schnee pro Nacht, vorausgesetzt, es ist nicht wärmer als vier Grad minus. »Dann wäre die Mischung zu wässrig«, sagt Fischer, schließt Wasserschläuche und Datenkabel an und drückt auf den Start-Knopf. Eine geschafft, drei weitere zu bewerkstelligen. Wie in der Achterbahn
Im Pistenbully hat Markus Huber derweil die Jacke ausgezogen. Routiniert fährt er den Frontschild genau so tief nach unten, dass er den zerfurchten Boden glättet – aber hoch genug, um nicht alles wegzuschieben.
»Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, wo viel Schnee liegt und wo wir noch nachbessern müssen.« Ein Schwenk, dann tuckert die Raupe hangabwärts. Die als mittelschwer gekennzeichnete Piste wirkt im Fahrzeug so steil, als säße man in der Achterbahn. »Keine Sorge, so leicht kippt das Ding nicht um«, lacht Huber und dreht eine weitere Runde.
Drei Stunden später: Das Pistenfahrzeug steht in der Garage, der Fahrer schläft schon im heimischen Bett. Nur Leo Fischer, der Schneemacher, kann noch nicht nach Hause gehen. »Wenn der Wind dreht, muss ich auch die Kanonen versetzen«, sagt der Seebacher. Sonst werde nicht nur in die falsche Richtung gesprüht. »Im schlimmsten Fall könnten die Geräte auch verreisen.« Bei einem Stückpreis von 40 000 Euro sicherlich keine angenehme Vorstellung.
»Ich fahre zwar leidenschaftlich gerne Ski, aber nicht nachts«, sagt Fischer. Wach bleiben muss aber auch ein Schneemacher nicht die ganze Zeit. In der Bergwachtstation am Fuße des Hangs steht ein Bett, in dem Leo Fischer ein paar Minuten ruhen kann – aber höchstens drei Stunden. Dann wird er wieder aufstehen, die Temperatur überprüfen und Schnee in die Luft werfen. So lange, bis die Piste am nächsten Morgen um neun den Betrieb aufnimmt.
Die Scheinwerfer der Pistenraupe erhellen die Nacht, während eine der vier Schneekanonen an eine andere Stelle des Hangs versetzt wird.
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