Zwölf Böller vertreiben böse Geister

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Böllerfreunde Achertal pflegen altes Brauchtum an Silvester / Lärm hilft gegen Unholde und Werwölfe.

 

Die bösen Geister, Unholde und Werwölfe im hinteren Achertal hatten gut lachen, als an Silvester um 12 Uhr keine mächtigen Böllerschüsse zu ihrer Vertreibung aus den tief verschneiten Tälern und Wäldern rund um Seebach ertönten Doch das Silvesterschießen der Böllerfreunde Achertal versank nicht im Schnee. Die Kanoniere um Roland Haas und Michael Bohnert warteten einfach ab, bis die Kirchturmuhr geschlagen hatte und die letzten Zuschauer den Hang über den Bohnerthöfen hoch gestiegen waren.
Dann ertönte mit einem mächtigen Bums der erste Böller, um nach altem Brauch während der »zwölf Rauhnächte« die bösen Geister mit Lärm zu verjagen, die Monate des alten Jahres zu verabschieden und die des neuen zu begrüßen. Dazu feuerten die Böllerfreunde zwölf Schuss aus einer Batterie von zwei großen Kanonen auf Rädern und zehn Schiffskanonen auf Lafetten – Nachbauten englischer Originale aus dem 16./17. Jahrhundert.
Schnee und Eis bereiteten Zündern und Pulver keine Probleme. Die Böller zündeten nach dem Kommando von Roland Haas exakt und bei Pulverdampf und Rauch hatten die bösen Geister ausgelacht, so dass sie sich hoffentlich kleinlaut von dannen schlichen. Der 31. Dezember liegt in der Mitte der zwölf Rauhnächte zwischen Weihnachten und Dreikönig, in denen die Vorfahren mit Rasseln, Peitschen und Böllern den bösen Geistern einen Schuss vor den Bug setzten, damit die sich von Mensch und Tier fernhalten.
Sicherheit wichtig
Bürgermeister Reinhard Schmälzle hatte auch viel Spaß an dem alten Brauchtum. Er überreichte Roland Haas eine kleine Silvestergabe. Das Böllern war auch ein Ehrensalut für Samuel Haas, der junge Böllerfreund feierte an Silvester seinen sechsten Geburtstag. Vom Ohrenschutz über die Absperrung bis zur amtlichen Freigabe wurde großen Wert auf die Sicherheit gelegt. Die Böllerfreunde absolvierten Lehrgänge laut Sprengstoffgesetz, die Kanonen sind vom Staatlichen Beschussamt Ulm frei gegeben.
In der Volkskunde gibt es die Deutung, dass in dem Begriff Rauhnacht das Wort »Rauch« steckt. In den langen, kalten Nächten um Weihnachten und Neujahr hatten die Menschen in den abgelegenen Tälern große Angst vor Hexen, Dämonen, Geistern und Krankheiten. Um die zum Teufel zu jagen, räucherten die Bauern ihre Höfe und Ställe mit »Wihennen« kräftig aus, die sie zur Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt (15. August) schnitten. Andere meinen, dass das mittelhochdeutsche Wort rûch (haarig) in Rauhnächte steckt, das im Kürschnerhandwerk als Rauchwaren für Tierfelle bekannt ist. Die Rauhnächte stehen demnach im Kontext von bösen, haarigen Wesen und mythischen Verwandlungen von Tieren und Menschen.
Die Germanen glaubten gar, dass in diesen Nächten Gott Wotan mit den Toten zur wilden Jagd aufbricht, das Geisterreich offen steht und die Seelen der Verstorbenen freien Ausgang haben. Dagegen half Lärm.

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Mit Mordsradau verabschiedeten die Böllerfreunde Achertal am Silvestertag in Seebach das alte Jahr, begrüßten das neue und vertrieben die bösen Geister.  

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Veröffentlicht in Seebach

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