Mit 27 schon Doktorin

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Die Oberkircherin Katrin Siefermann forscht ab Oktober in Kalifornien

Mit gerade einmal 27 Jahren schloss Katrin Siefermann aus Oberkirch in diesem Sommer ihre Doktorarbeit im Bereich der Physikalischen Chemie erfolgreich ab. Nun zieht es sie in die USA. Dort will sie ihre beruflichen Träume verwirklichen.

 

»Für die Zukunft wünschen wir Dir, liebe Katrin,…bei Deinem Chemiestudium und der anschließenden Promotion sowie Forschungstätigkeit viel Erfolg…« Diese vorausschauenden Zeilen stammen nicht aus einem Poesiealbum, sondern aus der Abi-Zeitschrift des Jahrgangs von 2002 des Hans- Furler-Gymnasiums Oberkirch. Dort hatte Katrin Siefermann vor acht Jahren ihre Reifeprüfung mit einem Schnitt von 1,4 abgelegt.
Was danach kommen wird, konnten sich ihre Klassenkameraden bereits damals denken: Die junge Frau war schon als Kind von allem begeistert, was nur im Entferntesten mit Naturwissenschaften zu tun hatte. »Ein Bekannter von mir ist Physiker und er musste mir damals erklären, wie eine Atombombe funktioniert und warum wir keine Lichtgeschwindigkeit erreichen können«, erzählt Katrin Siefermann schmunzelnd. Auch Astronomie habe sie immer schon interessiert – fast hätte sie dieses spannende Fach sogar studiert. Letztlich hat sie sich aber doch für ihre Liebe zur Chemie entschieden. »Wir hatten tolle Lehrer in der Schule, da fiel mir die Entscheidung nicht schwer.«
Mit dem naturwissenschaftlichen Zweig und ihren beiden Leistungskursen Mathe und Chemie hatte sie schon früh den Grundstein für eine erfolgreiche berufliche Zukunft gelegt hat. »Der Weg war im Nachhinein gesehen goldrichtig, wir wurden super aufs Studium vorbereitet.«
2002 begann sie ihr Chemie-Studium an der Universität in Karlsruhe (TH). Als Schwerpunkt belegte sie nach dem Grundstudium die Physikalische Chemie, da ihr die Theorie mehr lag

»Im Labor arbeiten, wie ein typischer Chemiker, war nicht so mein Ding, daher habe ich mich lieber auf der physikalischen Ebene spezialisiert«, lacht die kürzlich 28 Jahre gewordene Oberkircherin.
Nach vier Jahren Studium im Badischen zog es Katrin Siefermann an die Universität nach Göttingen, wo sie im Mai 2007 ihre externe Diplomarbeit abschloss. »Ich kannte die Forschungsgruppe schon von einem Praktikum und war sofort begeistert. Die haben dort ein innovatives Experiment aufgebaut und da wollte ich unbedingt dabei sein«, begründet sie. »In Karlsruhe gab es leider nichts vergleichbar Attraktives.«
Forschung statt Industrie
Doch wer dachte, die junge Forscherin würde sich erstmal auf die faule Haut legen, sah sich getäuscht: Nach einem fünfmonatigen Forschungsaufenthalt an der University of Wisconsin-Madison, USA, startete sie mit 25 Jahren ihre Doktorarbeit – wiederum in Göttingen. Nach der Promotion im Juli 2010, welche wegen der herausragenden Leistungen mit dem Prädikat »summa cum laude« ausgezeichnet wurde, gab es für Katrin Siefermann zwei Möglichkeiten: einen Job in der Industrie oder eine Hochschulkarriere.
»Ich hatte aus beiden Bereichen sehr attraktive Angebote. Trotzdem fiel mir die Entscheidung für die Forschung und damit für die Post-Doc-Stelle (nach der Doktorarbeit, d. Red.) an der renommierten University of California in Berkeley, USA, nicht schwer. Das wollte ich schon immer machen.«
Ab 1. Oktober beginnt für sie ein neues Abenteuer, ein nächster Schritt, ihrem beruflichen Traum ein Stückchen näher zu kommen – ihre Klassenkameraden ahnten es ja schon länger.

ZUR PERSON
Richtige Badenerin mit Stipendium in den USA
Die 28-jährige Katrin Siefermann ist in Oberkirch geboren und aufgewachsen. In ihrer Freizeit geht sie gerne Ski fahren und Salsa tanzen. Während ihres Studiums erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, unter anderem eines der »Studienstiftung des Deutschen Volkes« sowie den »Procter & Gamble Nachwuchsförderpreis« für ihre Diplomarbeit.
»Für mein zukünftiges Forschungsprojekt in den USA habe ich ein Stipendium der Humboldt-Stiftung verliehen bekommen. Das ist eine große Ehre und eine Top-Chance, die ich unbedingt nutzen möchte«, sagt sie.
Wie es danach weitergeht? »Eine Professur in Freiburg wäre schon irgendwann einmal ein Traum. Dann wäre ich auch wieder zurück in der Heimat, denn vom Herzen her bin ich eine richtige Badenerin.« Je mehr sie von der Welt gesehen habe, desto mehr schätze sie, was sie zu Hause alles habe. »Ich dachte immer, die schöne Landschaft wäre selbstverständlich, aber es ist nicht überall so toll wie hier im Renchtal.« Bei einem Heimatbesuch freut sie sich auch auf ihre Familie und Freunde.

STICHWORT
Projekt relevant
für Krebstherapie
Im Laufe ihrer Forscherkarriere dreht sich bei Katrin Siefermann alles um ultraschnelle Prozesse in Molekülen und von Elektronen – das sind kleinste Teilchen rund um einem Atomkern.
Mit großen, speziellen Lasersystemen, die Lichtimpulse verschiedener Wellenlängen aussenden, ist es möglich, diese Prozesse in Echtzeit, das heißt »live« zu beobachten. In Göttingen forschte Siefermann an »gelösten Elektronen« in Wasser, das sind Elektronen, die von Wassermolekülen umgeben sind.
In diesen Experimenten gelang es erstmals deren Bindungsenergie zu messen – die Energie, die benötigt wird, um das Elektron aus der Wasser­umgebung herauszuholen. Darüber hinaus wurden erstmals Elektronen an einer flüssigen Wasseroberfläche beobachtet und charakterisiert.
»Gelöste Elektronen« spielen in vielen Bereichen eine wichtige Rolle. So entstehen sie beispielsweise bei der Strahlentherapie von Krebs. Die neuen Ergebnisse zu den »gelösten Elektronen« liefern einen entscheidenden Beitrag zum Verständnis der dabei ablaufenden Reaktionen.
»Unsere Erkenntnisse haben möglicherweise Auswirkungen auf die Dosierung der Strahlentherapie von Krebs, da man mit dem nun bekannten Mechanismus auch gezielt kranke Zellen durch Spaltung von Erbgut-Molekülen (DNA) bekämpfen könnte«, blickt Katrin Siefermann hoffnungsvoll in die Zukunft.
In ähnlicher Weise lassen sich mit den neuen Ergebnissen auch interessante Einblicke in Reaktionen in der Atmosphäre gewinnen. Dort stehen »gelöste Elektronen« in winzigen Eispartikel im Verdacht, Treibhausgase (FCKW-Moleküle) zu spalten, wobei die entstehenden Produkte die Ozonschicht zerstören können. »Mit den neuen Ergebnissen lässt sich zwar das Loch nicht stopfen, aber der ganze Prozess besser verstehen«, erklärt die junge Wissenschaftlerin.

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