Mehr nur als Volksmusik-Ufftata
ARZ stellt in einer Serie zum 200-Jährigen der Stadtkapelle alle Register vor / Heute Euphonium und Tuba
Die Stadtkapelle Oberkirch ist einer der ältesten Vereine in der Stadt. Sie kann auf zahlreiche, interessante Instrumentengruppen blicken. Heute stellen wir in unserer ARZ-Registerserie das Euphonium und die Tuba vor. Beide Instrumente durchlebten lange Zeit ein Schattendasein.
Sperrig, schwer und riesig wirken die größten Blechblasinstrumente: das Euphonium und die Tuba. Mit ihren tiefen, vibrierenden Tönen treten die Instrumente selten aus dem Hintergrund hervor Auch bei Amateur-Orchestern finden sich unverständlicherweise nur wenige Pioniere an den wahrhaft göttlichen Instrumenten. Musiker, die sich dieser Instrumentengattung berufen fühlen, bilden daher bei Gruppenbildungen eine eingeschworene Gemeinschaft und zeichnen sich neben der Musikalität durch ihre ausgeprägte Geselligkeit und ihren Humor aus. Hierbei nehmen sich die Musiker selbst aber auch nicht unbedingt allzu ernst, getreu ihrem Motto: »Immer kräftig reinblasen, der Rest gibt sich schon. Die Hauptsache für uns ist der Klang und der Spaß an der Musik, der die Zuschauer erreichen muss.«
Sieben »Leidensgenossen« der Stadtkapelle Oberkirch haben sich zusammengeschlossen und sind angetreten, um diesem Schattendasein im hinteren rechten Flügel des Orchesters (vom Dirigenten vergessen und von so manchem Komponisten sträflich vernachlässigt) ein Ende zu bereiten. Neben dem gemeinsamen Musizieren drängen sie sich gelegentlich auch in Formation eines Tuba-Euphonium-Ensembles ins Rampenlicht und wollen – allen Vorurteilen zum Trotz – beweisen, dass Tuba bei Weitem mehr ist, als Volksmusik-Ufftata oder bombastisches Wagner-Fundament. Hierbei zeigen sie, dass Tuba und Euphonium eine absolute Berechtigung auch als Soloinstrumente haben. Und es klingt einfach wundervoll!
Zur Geschichte: Das Wort »Tuba« hat seine Wurzeln im lateinischen »tubus« (=Rohr) und bezeichnete im alten Rom ein Blasinstrument in Form einer lang gestreckten Metallröhre (aus Eisen oder Bronze) mit kleiner Stürze und knöchernem Mundstück.
Aus diesem altrömischen Blasinstrument entwickelten sich über zahlreiche Zwischenstufen ab dem 11. Jahrhundert Frühformen der Trompete, ab dem 14. Jahrhundert das Waldhorn, ab dem 15. Jahrhundert die Zugposaune bis hin zum heutigen Euphonium und der heutigen Tuba.
Jedoch ohne die Erfindung der notwendigen Ventiltechnik wären diese Instrumente nie so zum Vorschein gekommen.
Typische Werke für Euphonium wurden von den Komponisten Gustav Mahler, Richard Strauß, Gustav Holst geschrieben. Die Komponisten Leonard Bernstein, Morton Feldman, Kurt Gäble nahmen sich der Tuba an.
Übrigens: Weder das Euphonium noch die Tuba sind, wie leider oft und irrtümlich behauptet wird, reine Begleitinstrumente, sondern eignen sich auch hervorragend als Melodie- und Soloinstrumente.
Um diesem Irrtum entgegenzuwirken, rief 1979 der amerikanische Musiker Joel Day den International Tuba Day aus, der seit dem Jahr 1982 jährlich am ersten Freitag im Mai stattfindet. Laut Joel Day findet der Tubist nicht das Maß an Respekt und Anerkennung, das ihm zustehen würde. Die Tuba würde oftmals als unwichtig abgetan und als »imposantes« Anhängsel angesehen.
Verdienen sich bei der Stadtkapelle Oberkirch Anerkennung und Respekt: von links Rainer Huber, Martin Hund, Markus Huber, Harald Kirschner, Michael Seidler, Karlheinz Pabst und Josef Huber.
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