»Ich hänge mit Herzblut an Fortuna Düsseldorf«
Fanserie: Klaus-Jürgen Faltien hätte beinahe für seinen Lieblingsklub gespielt / Große Spiele und bittere 3:4-Niederlage gegen den FC Barcelona miterlebt
In Baden lebt er seit 25 Jahren. Dennoch schlägt das Fußballherz von Klaus-Jürgen Faltien noch immer für eine Mannschaft aus seiner niederrheinischen Heimat. In unserer Fanserie erzählt der 49-Jährige, warum er beinahe in der Jugend seines Lieblingsvereins Fortuna Düsseldorf gespielt hätte
Herr Faltien, hier in der Region einen Fan von Fortuna Düsseldorf aufzuspüren, ist nicht einfach. Wie haben Sie Ihre Leidenschaft für den Traditionsverein entdeckt?
Klaus-Jürgen Faltien: Da ich in Düsseldorf aufgewachsen bin, war der Weg vorprogrammiert. An mein erstes Spiel kann ich mich noch gut erinnern: Mein Vater nahm mich 1972, ich war elf Jahre, mit in die alte Hütte »Flinger Broich« (heute Paul-Jahnes-Stadion), der damaligen Spielstätte der Fortuna. Die Mannschaft gewann 1:0 gegen Hertha BSC Berlin und Klaus Budde hat das entscheidende Tor geschossen. Ab diesem Zeitpunkt hat es mich gepackt.
Wie ging es dann mit Ihrer »Fankarriere« weiter?
Faltien: Zur WM 1974 wurde das Rheinstadion gebaut. Mit Kumpels waren wir bei fast jedem Heimspiel, einfach schnell mal mit dem Fahrrad oder dem Bus zum Stadion. Auch zu Auswärtsspielen ins Ruhrgebiet sind wir oft gefahren. Eine Karte hat damals nur 3 DM gekostet. Die 70er waren die erfolgreichsten Jahre der Fortuna, wir haben einige dramatische Momente erlebt.
Machen Sie doch mal ein paar Beispiele!
Faltien: Das größte Spiel war 1975 gegen die Bayern. Die Münchener sind mit den ganzen namhaften Spielern angetreten und haben zur Halbzeit Pause schon 4:2 geführt. Trotzdem hat die Fortuna das Spiel umgebogen und noch 6:5 gewonnen. Ich habe selten eine solche Dramatik erlebt. Auch die zwei Pokalerfolge gegen Berlin und Köln werde ich nie vergessen. Mit einem 4:0 auf Schalke haben wir 1981 deren Abstieg besiegelt. An das 7:1 gegen Bayern – gleichzeitig ihre höchste Auswärtsniederlage aller Zeiten – kann ich mich leider nicht mehr erinnern, da ich zu dieser Zeit im Krankenhaus lag.
Gab es denn auch richtig schlimme Momente rund um die Fortuna?
Faltien: Sehr schade war der Ausgang im Finale des Europapokals der Pokalsieger 1979 in Basel, den ich live am TV miterlebte. Wir haben leider mit 3:4 nach Verlängerung gegen den FC Barcelona verloren. Ich musste erstmal mit dem Hund raus, um alleine zu sein! Ein weiterer bitterer Moment auf sportlicher Ebene war das 0:7 gegen den VfB Stuttgart 1986. Ein gewisser Jürgen Klinsmann hat damals fünf Tore geschossen. Außerhalb des Platzes kam es in Krefeld mal zu einer Schlägerei mit Gladbachfans und als Jugendlicher wurde mir meine Fahne von ein paar Halbwüchsigen geklaut. Seither bin ich nur noch auf die Sitzplatz-Tribüne gegangen, dort hatte ich wenigstens meine Ruhe.
Haben Sie auch aktiv Fußball gespielt?
Faltien: Mit 12 Jahren habe ich in der Düsseldorfer Nachbarstadt Hilden, wo wir zu dieser Zeit gewohnt haben, in der D-Jugend angefangen. In der C-Jugend haben wir gegen Mannschaften wie Gladbach und Düsseldorf gespielt. Mein größtes Erlebnis: Ich habe das Tor zum 2:0 gegen Düsseldorf geschossen (Endstand 2:1)! Die Fortuna ist auf meinen Kumpel und mich aufmerksam geworden und wir durften zum Probetraining kommen. Leider hatten meine Eltern nicht die Zeit und die finanziellen Mittel, mich immer zum Training zu fahren. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hätte es zu lange gedauert. Somit war das Kapitel schnell wieder erledigt. Realistisch gesehen hätte ich den Durchbruch wohl auch nicht geschafft.
Wer waren für Sie die größten Persönlichkeiten bei Fortuna Düsseldorf?
Faltien: Mein Lieblingstrainer war Dietrich Weise, der von 1976 bis 1978 bei der Fortuna war. Einmal habe ich beim Training die Bälle eingesammelt. Da kam Herr Weise und fragte, ob ich kicken könne und warf mir einen Ball zu, den ich ihm zurückspielen durfte. Reiner Geye war als Stürmer einfach ein herausragender Fußballer. Die größten Edelfans sind die Mitglieder der Punkband »Die Toten Hosen«. An ihnen schätze ich die Leidenschaft für ihren Club, die sie immer wieder mit Benefizkonzerten unter Beweis stellten – auch wenn ich ihre Musik nicht mag (lacht). Und Toni Turek war der bisher einzige deutsche Nationalspieler der Fortuna, der ein WM-Finale gewonnen hat.
Sind Sie auch in Oberkirch noch auf dem Laufenden über Fortuna?
Faltien: Nach dem Niedergang Ende der 80er, dem zwischenzeitlichen Absturz in die vierte Liga und meinem Umzug hat das Interesse verständlicherweise nachgelassen. Jetzt hoffe ich, dass sie sich in der zweiten Liga etablieren und es vielleicht irgendwann wieder in die Bundesliga schaffen. So ein Traditionsverein gehört einfach in die erste Liga. Ich bin und bleibe Düsseldorfer und hänge mit Herzblut an Fortuna. Da ich in Düsseldorf noch immer Wurzeln habe, versuche ich so oft es geht hinzufahren – inklusive eines Fußballspiels.
STICHWORT
Klaus-Jürgen Faltien
Klaus-Jürgen Faltien ist in Düsseldorf geboren und aufgewachsen. Mit 24 Jahren verschlug es ihn aus privaten Gründen nach Baden. Der 49-Jährige lebt in Oberkirch und arbeitet als selbstständiger Versicherungsfachmann. Der verheiratete, zweifache Familienvater war lange Jahre ehrenamtlich beim SV Oberkirch tätig, unter anderem als Jugendleiter und
im administrativen Bereich des Spielausschusses. Er spielt selbst noch aktiv Fußball (Alte Herren des SVO), segelt und reist leidenschaftlich gerne um die Welt.
Auch nach 25 Jahren in Baden ist Klaus-Jürgen Faltien aus Oberkirch noch immer Düsseldorfer durch und durch.
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