Hagel schlug Krater in die Äpfel

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Oberkircher Apfelerzeuger beklagen ein Drittel Verlust an Frischmarktware / Viele Früchte beschädigt

Die Oberkircher Apfel­ernte fällt in diesem Jahr bescheiden aus. Rund ein Drittel der Früchte wurden durch Hagelkörner beschädigt. Sie landen überwiegend als Industrieware in der Saftpresse.

 

http://www.baden-online.de/news/images/news_lokales/artikel_arz/20748_1.jpgDie magere Ausbeute bei der Weinlese drückt derzeit auf das Gemüt vieler Winzer. Doch nicht nur bei den Trauben, auch bei den Äpfeln haben die Oberkircher in diesem Jahr große Einbußen zu verzeichnen Ursache ist jedoch nicht die Witterung im Sommer, sondern zwei Hagelschauer, die über die Obstanlagen niedergingen: am 11. Mai und Ende Juli. »Nach den Mengen zu urteilen, die derzeit beim OGM abgegeben werden, ist rund ein Drittel der Ernte beschädigt«, informiert Wendelin Obrecht, Vorstandvorsitzender beim Obstgroßmarkt Mittelbaden. Dies ist jedoch nur ein Mittelwert. Es gibt einzelne Erzeuger, die noch größere Einbußen erlitten haben. Je nach Lage ihrer Bäume und Sortenspektrum.
Dabei haben die Hagelschauer kaum eine Apfelanlage der insgesamt 700 Hektar großen Anbaufläche rund um Oberkirch ausgelassen. Der erste Schauer ging zwischen Appenweier, Renchen und Nußbach mit Ausläufern ins Achertal nieder, der zweite nach der Hitzeperiode im Juli über Zusenhofen, Erlach und Stadelhofen.
Ist eine Frucht, selbst wenn sie noch so klein ist, an ihrer Haut beschädigt, so bildet sie eine Vernarbung, an der das Gewebe unflexibel wird. Im Laufe des Wachstums bilden sich um die Narbenstelle herum Wulste, Krater und andere Verformungen. Die betroffenen Äpfel sind zwar geschmacklich einwandfrei, jedoch nicht mehr als Frischmarktware handelbar. »Sie sind optisch eine Katastrophe«, so Obrecht.
Die schadhaften Äpfel gehen überwiegend als Indus­trieobst in die Saftpresse. Es ist ein kleiner Trost für die betroffenen Erzeuger, dass die Preise für Mostobst in diesem Jahr außergewöhnlich hoch sind

Die Nachfrage kann kaum gedeckt werden, da Polen als stärkster europäischer Mostobsterzeuger weniger Ware im Angebot hat als üblich. Da Mostobst global vermarktet wird, ist selbst die Erzeugung in China für die Preise in Deutschland ausschlaggebend.
Gute Qualität
Die Preise, so erfreulich sie sind, können die Verluste jedoch nicht decken. »Für Frischmarktware wird noch immer das Doppelte bis Dreifache bezahlt«, erklärt Wendelin Obrecht. Als wollten sie die Unvollkommenheit der beschädigten Früchte ausgleichen, sind die guten in diesem Jahr jedoch besonders schön. Die warmen Tage und kühlen Nächte führen zu appetitlicher Röte und zur Entwicklung wertvoller Inhaltsstoffe. »Die Qualität außerhalb der Hagelware ist in diesem Jahr ausgesprochen gut«, freut sich der OGM-Vorstandsvorsitzender Obrecht.
Auch bei der verhagelten Zwetschgenernte, bei der ein Verlust von 20 bis 30 Prozent der Früchte hingenommen werden musste, gab es ein Trostpflaster. »Das Tafelpreisniveau war überdurchschnittlich hoch«, so Obrecht. Das habe geholfen, die Mengenverluste wieder etwas auszubügeln.
So war dieses Jahr für die Obsterzeuger aus dem Renchtal zwar ereignisreich, die große Katastrophe, die man nach dem ersten Hagelschauer bereits befürchtet hatte, blieb jedoch aus. Da die Erzeuger unter dem Dach des OGM immer häufiger mit eisigen Schauern rechnen, möchten sie vermehrt auf Hagelschutznetze setzen. Zwischen 20 und 30 Hektar Obstanbaufläche wurden in diesem Jahr bereits mit den Netzen vor Hagelkorneinschlag geschützt (wir berichteten).

STICHWORT
Hagelschäden bei Beerenobst
Das Baumobst wurde durch den Hagel am 11. Mai stärker betroffen als das Beerenobst. Die Erdbeer-, Johannisbeer- und Himbeerreife wurde nach den Wetterkapriolen durch perfekte Witterung begünstigt. Es blieb trocken, so dass an den beschädigten Stellen keine Fäulnis entstand, und gleichzeitig war es nicht zu heiß, so dass die Pflanzen kräftig genug waren, die Verletzungen auszuheilen. »Der Schaden war am Ende doch nicht so gravierend, wie wir anfangs befürchtet hatten«, sagt Wendelin Obrecht, Vorstandsvorsitzender beim Obstgroßmarkt Mittelbaden. Der OGM hatte mit einem 50-prozentigen Ernteausfall gerechnet. Doch am Ende wurde nur noch ein Verlust von zehn bis 20 Prozent beziffert. »Wir sind noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen«, ist Obrecht erleichtert. Doch auch hier gab es einzelne Erzeuger, die trotz der guten Reife höhere Einbußen erleiden mussten.

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In der Zusenhofener Apfelanlage von Wendelin Obrecht werden Braeburn geerntet. Hier haben zwei Hagelschauer rund die Hälfte der Früchte verletzt. Schlagen die Hagelkörner in die junge Frucht ein, so wächst die Verletzung zu Kratern aus (Bild links).

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Veröffentlicht in Oberkirch

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