Gestern erste Erdbeer-Ernte in Erlach
Tunnel und viel Sonne in diesem Frühjahr ermöglichen Frühstart in die Saison / Wühlmaus-Gefahr
Dank Tunnel und viel Sonne in diesem Frühjahr wurden gestern in Erlach die ersten Erdbeeren geerntet. Ob unter Dach oder im Freiland, insgesamt sind die roten Früchte heuer etwa zehn Tag früher dran, als in einem Normaljahr.
Bis gestern gab’s bei Sylvia und Egon Busam Tunnelverbot für Kinder – sowohl für die fünf eigenen wie jenen aus der Nachbarschaft. »Sonst hätten wir heute nichts zu ernten«, sagt Egon Busam. Umso eifriger sind Katharina (12), Philipp (10), Michael (7), Lukas (4) und Johannes (2) bei der Sache Die ersten Erdbeeren sind eben immer etwas Besonderes.
Auch wenn die Kinder hauptsächlich die kleinen Früchte für den Eigenbedarf pflücken (die meisten wandern direkt in den Mund), mahnt der Vater zwischendurch immer wieder: »Das sind Weichfrüchte. Nicht drücken.«
Busams haben nun im zweiten Jahr einen Teil ihrer Erdbeeren unter Dach angebaut – genauer gesagt unter fünf Tunnel auf 30 Ar. »Clery« heißt die Sorte. »Sie ist mit eine der frühsten, nicht ganz so groß, dafür aber sehr aromatisch«, erklärt Busam, weshalb er sich für sie entschieden hat. Und während er auf seinem Erntewagen die Reihen rauf und runter rollt, erzählt er von Vor- und Nachteilen des Tunnelanbaus: Neben der frühen Ernte und dem damit verbundenen besseren Preis freut er sich, dass in diesem Jahr nur eine Behandlung mit Pflanzenschutzmittel notwendig gewesen sei.
Dafür gäb’s aber auch Risiken durch Wind und Wetter. »Als Kyrill über das Land gebraust ist, hab ich Blut und Wasser geschwitzt«, gesteht der Landwirt und Hobbymusiker, der zu dem Zeitpunkt mit dem Erlacher Musikverein in Berlin war. Von oben blieben Busams Tunnel und Pflanzen verschont, eine Gefahr lauerte allerdings im Boden: »Wühlmäuse haben uns rund 400 Pflanzen abgefressen«, rechnet der Landwirt vor und veweist auf kahle Stellen zwischen hängvollen Stauden.
Lieferung an den OGM
Drei Steigen hat Bauer Busam bereits gepflückt
Mit einem Blick über die Reihen rechnet er, dass er an diesem ersten Erntetag sechs Steigen an den Obstgroßmarkt (OGM) in Oberkirch liefern kann.
Er ist damit einer der ersten in der Region, wie Wendelin Obrecht, OGM-Vorstandsvorsitzender, auf Anfrage der Mittelbadischen Presse bestätigt: »Ab jetzt kommen die ersten Erdbeeren aus dem Tunnel. Das ist die früheste Variante«, sagt er. Auch wenn es derzeit noch keine großen Mengen gäbe, steigere sich dies recht schnell. Bis Anfang Mai rechnet Obrecht auch mit den ersten Erdbeeren aus dem »einfach verfrühten Bereich«, sprich: der Folie auf dem Feld.
»Und ab dem 10. Mai sollte es schon recht ordentliche Mengen geben, so dass es auch für den Ottonormalverbraucher deutsche Erdbeeren im Supermarkt zu kaufen gibt«, schätzt der Vorstandsvorsitzende. Die ersten Früchte, die jetzt wie bei Busam aus dem Tunnel kommen, würden nämlich hauptsächlich an die Großmärkte in Hamburg, Berlin und München verkauft und landen vorwiegend in der Gastronomie und in Delikatessen-Läden.
Insgesamt sind die Erdbeeren – ob aus dem Tunnel oder vom Freiland – heuer früher dran. »Locker um zehn Tage im Vergleich zu einem Normaljahr«, schätzt Obrecht nach heutiger Lage. Zu verdanken sie dies dem »sehr, sehr warmen Frühjahr«.