Gemeinsame Gästecard geplant
Längere Öffnungszeiten, weniger Einfluss für die Gemeinderäte: Das verändert die Renchtal GmbH
Zum 1. Januar 2011 gründen die Gemeinden Oberkirch, Oppenau und Lautenbach eine gemeinsame Tourismusorganisation. Die ARZ beantwortet Fragen zur »Renchtal Tourismus GmbH« (Arbeitstitel) rund um die Auswirkungen für Personal, Gesellschafter, Organisatorisches, Gemeinderat und Gäste
Was passiert mit dem bisherigen Personal der Tourist-Informationen?
Die bisherigen Mitarbeiterinnen der Tourist-Info Oberkirch bleiben bei der Stadt angestellt. Laut Hauptamtsleiter Hermann Brüstle werden sie an die GmbH abgeordnet, welche der Stadt die Personalkosten erstattet. Die Angestellten bleiben so im öffentlichen Dienst, arbeiten aber in den Servicestellen der GmbH. Anna-Lena Bruder (Oppenau)
wechselt, wie bei ihrer Einstellung 2010 vereinbart, zur GmbH.
Gibt es Springer, die in mehreren der drei Servicestellen eingesetzt werden?
Das ist laut Hermann Brüstle »durchaus möglich«. Letzenendes entscheidet darüber der neue Geschäftsführer.
Wer unterstützt den Geschäftsführer im operativen Geschäft?
Neben dem Personal in den Servicestellen Oberkirch, Oppenau und Lautenbach (insgesamt 3,4 Kräfte) ist ein Stellvertreter des Geschäftsführers eingeplant. Über die Besetzung der Stelle entscheiden die Bürgermeister. Es ist zu vermuten, dass ein externer Geschäftsführer einen Touristiker zur Seite gestellt bekäme, der sich im Renchtal bestens auskennt.
Was macht die bisherige Leiterin der Oberkircher Tourist-Info, Nicole Singler, nach der Gründung der GmbH?
Oppenaus Verkehrsamtsleiter Siegfried Wild ist in Ruhestand gegangen, Lautenbach kooperierte ohnehin schon mit Oberkirch. Nicole Singler ist daher die einzig verbliebene Tourismus-Leiterin in den drei Gemeinden. Sie selbst möchte sich derzeit nicht öffentlich zu ihrer Zukunft äußern.
Ohne den Geschäftsführer soll die Arbeit so weiterlaufen wie bisher. Er nimmt aber wohl nicht vor dem 1. April die Arbeit auf. Warum startet die GmbH nicht erst zu diesem Zeitpunkt?
Lautenbachs Bürgermeister Karl Bühler: »Es sollte jemand da sein, der den Geschäftsführer anstellt.« Deshalb wird die GmbH zuerst gegründet, anschließend die Geschäftsführerrolle besetzt.
Wer übernimmt die Organisation der großen Feste wie Weinfest oder Oppenauer Stadtfest?
Diese Aufgaben fallen laut Oppenaus Stadtoberhaupt Thomas Grieser zurück an die Gemeinden. »Das war so gewollt.« In Oberkirch organisiert so das Kulturamt künftig das Weinfest. Die GmbH könne sich so zu 100 Prozent auf den Tourismus konzentrieren, ergänzt Oberkirchs OB Matthias Braun. Sie vermarktet die Events aber touristisch.
Warum kommt das Gros der Werbematerialien erst im Herbst auf den Markt?
Übernachtungsprospekte gibt es zunächst nur in kleiner Stückzahl. Grund: Der neue Geschäftsführer soll laut Grieser die Werbematerialien überarbeiten. Zudem soll in ihnen auch der neue Name und das neue Logo der GmbH gebraucht werden. Beides muss ein Grafikbüro erst noch entwerfen.
Was ändert sich praktisch für die Gäste?
Bei den Gästebegrüßungen soll künftig eine gemeinsame Powerpointpräsentation für alle Gäste abgespielt werden. Im Newsletter werden nicht mehr die Veranstaltungen einer, sondern aller Gemeinden berücksichtigt. Zudem ist eine gemeinsame Gästecard geplant, deren Inhaber zum Beispiel freien Eintritt in der Mediathek und in den Schwimmbädern erhalten – egal in welcher Gemeinde sie übernachten. Grieser: »Das ist der Mehrwert, den wir gegenüber den Wirten propagiert haben.« Dafür müssen die Gäste nun in allen drei Gemeinden Kurtaxe zahlen.
Gilt die Gästecard auch für Gäste aus Bad Peterstal-Griesbach?
OB Matthias Braun beantwortet diese Frage mit einem »Nein«. Gäste aus Bad Peterstal-Griesbach sind in den Einrichtungen willkommen, erhalten aber seitens der GmbH keinen verbilligten Eintritt. Eine Ausnahme könnte es geben: Da der Dollenberg Gesellschafter der GmbH ist, müsse man darüber reden, ob die Ermäßigungen auch für seine Gäste gelten.
Wann haben die Servicestellen geöffnet?
Ihre Öffnungszeiten orientieren sich an denen des Oppenauer Verkehrsamts. Für Oberkirch bedeutet das, dass die Stellen länger geöffnet haben – in der Hauptsaison von Mai bis Oktober von montags bis freitags, 9 bis 12 und 13.30 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 12 Uhr. In der Nebensaison (November bis April) ist samstags nur an Ausnahmetagen geöffnet, unter der Woche schließen die Servicestellen dann schon um 17 Uhr.
Haben die Oberkircher Wirte schon über einen Einstieg in die GmbH als Gesellschafter entschieden?
Nein. Die Wirte haben sich laut Vorsitzenden Axel Noack noch nicht getroffen – Terminschwierigkeiten wegen der Weihnachtsvorbereitungen. Noack geht davon aus, dass das Treffen noch 2010 stattfindet und eine Entscheidung fällt.
Können neben der Winzergenossenschaft Oberkirch, dem Dollenberg und einem Mineralbrunnen weitere Unternehmen einsteigen in die GmbH?
»Das ist möglich«, antwortet OB Matthias Braun. Er denkt dabei auch an einen Wirtschaftsbeirat, ähnlich dem der Wirtschaftsregion Ortenau (WRO).
Könnte eine Gemeinde aus der GmbH aussteigen?
Diese Frage regelt Paragraf vier des Gesellschaftsvertrages: »Jeder Gesellschafter kann zum Schluss eines jeden Geschäftsjahres mit einer Frist von zwölf Monaten zum Jahresende kündigen.«
Sparen die Gemeinden durch die GmbH Geld?
Nein, aber sie erhalten dafür mehr Leistung. Braun: »Doppelstrukturen und -arbeit werden abgebaut.« Geld zu sparen, war aber nie Sinn und Zweck der Kooperation. Man wolle die GmbH nicht »totschrumpfen«, so Grieser.
Welchen Einfluss haben die Gemeinderäte künftig?
Die Gemeinderäte geben laut Grieser viel Verantwortung für den Bereich Tourismus ab, »sie werden nicht mehr gefragt«. Allerdings sind im Aufsichtsrat weiterhin Kommunalpolitiker »mit Bezug zum Tourismus« vertreten. Dadurch sei eine Rückkopplung gegeben, zumal die Gemeinderäte Vertrauen in den Aufsichtsrat und den Geschäftsführer hätten.
In einem Punkt haben die Gremien aber immer noch ein Mitspracherecht: Sie segnen den Zuschuss ab, den die Gemeinden der GmbH zahlen. Karl Bühler befürchtet hier aber keine Probleme: »Die Gemeinderäte werden sich nicht aus der Verantwortung stehlen.«
HINTERGRUND
Pläne für Begrüßungsstation
Gibt es ein Begrüßungsportal in Oberkirch, bei dem das Renchtal Touristen auf sein Angebot hinweist? Das wird sich laut OB Matthias Braun im Rahmen der Haushaltsberatungen zeigen. Ein Auftritt an der B 28 sei wichtig, Pläne für einen Shop ähnlich dem am Kniebis seien »in der Pipeline«. Ein idealer Standort wäre der Kreisverkehr. Aufgabe des Geschäftsführers sei es, an Fördermittel für den Bau der Begrüßungsstation zu kommen.
Jetzt klicken und 10 Tage kostenlos Zeitung lesen
