Gegen die Politikverdrossenheit
Im neuen Jugendgemeinderat sollen künftig Jugendthemen besser formuliert und umgesetzt werden
Einen Appell richtete Oberbürgermeister Matthias Braun am Donnerstagabend an den neuen Jugendgemeinderat bei dessen erster Sitzung. Die Mandatsträger sollen ihre Verpflichtungen gegenüber der Allgemeinheit ernst nehmen.
Die Busse sollten auch nachmittags regelmäßiger fahren, der Schulhof der Altstadtschule verschönert werden und generell sollte in Oberkirch und den Randgemeinden mehr für Jugendliche angeboten werden Die ersten Vorschläge des neu verpflichteten Jugendgemeinderats ließen Oberbürgermeister Matthias Braun auf eine konstruktive Zusammenarbeit hoffen. Anfragen an den Gemeinderat habe es in der Vergangenheit so gut wie nicht gegeben, die Schnittpunkte mit der kommunalen Politik seien gering gewesen so Braun gegenüber der ARZ. Ein eigens für den Jugendgemeinderat bereitgestelltes Budget über 1500 Euro soll zwar bei der praktischen Umsetzung von Ideen helfen, doch müssten die Jugendlichen dafür auch mit ihren Vorschlägen auf den Gemeinderat zukommen. Schließlich sei das keineswegs selbstverständliche Jugendgremium nicht als Einbahnstraße gedacht, das lediglich Vorschläge aus dem Gemeinderat abarbeite. Bereits in der nächsten Sitzung sollen die Jugendlichen deshalb in einem Positionspapier ihre Agenda bestimmen.
»Sie können durchaus etwas bewegen. Sie werden ernst genommen, weil Sie ein Mandat haben«, appellierte Braun an die Jugendlichen. Politik sei nicht abstrakt, aber die Freude daran stelle sich erst mit dem Erfolg ein, so Braun weiter. Und er stellte beim Blick in die Runde sogleich fest: »Da fehlen doch einige?! Sind die entschuldigt?« Drei der insgesamt 13 gewählten Jugendvertreter waren dem Ratssaal ferngeblieben.
Engagierte Jugend
Die fünfte Generation des 2001 ins Leben gerufenen Jugendgemeinderats setzt sich ohnehin aus zwei Mitgliedern weniger als üblich zusammen
Christian Kron, Jugendreferent der Stadt Oberkirch, macht dafür jedoch nicht Politikverdrossenheit verantwortlich. Vielmehr hatten zwei Jugendliche ihr Mandat nach der Wahl nicht angenommen. Von den 1033 wahlberechtigten Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren waren im Juli 44,43 Prozent zu den Wahlurnen in den Schulen und Rathäusern gegangen. Das entspricht einer Steigerung von vier Prozent gegenüber der Wahl 2008. Zur Wahl hatten sich 29 Jugendliche aufstellen lassen.
Die nach zwei Jahren nun aus dem Gremium verabschiedeten Jugendlichen erhielten als Dank für ihre Tätigkeit eine Urkunde sowie einen Gutschein über 20 Euro. »Das macht sich gut in Ihren Bewerbungsunterlagen«, gab Oberbürgermeister Braun den Jugendlichen als Ratschlag mit auf ihren weiteren Lebensweg, bevor diese sobald sie die Erlaubnis dafür erhielten den Saal fluchtartig verließen.
Die jetzigen Jugendgemeinderäte sollen ihr neues Amt auch zur persönlichen und politischen Entwicklung nutzen können. Ein Besuch des Stuttgarter Landtags oder eine Reise in die Partnerstädte sollen Erfahrungen auf dem politischen Parkett bringen. Zu den Sprechern des Jugendgemeinderats wurden Elena Batzler und Marc Schirmer in einer geheimen Abstimmung gewählt. Die 17-jährige Elena Batzler trat am Donnerstagabend ihre zweite Amtszeit beim Jugendgemeinderat an.
STICHWORT
Jugendprojekte
Themen vorgeben will Christian Kron (Foto)den Jugendlichen nicht. Wenngleich im Gespräch mit dem Jugendreferenten immer wieder das Wort »Skaterplatz« fällt. Die Anlage am Stadtrand war das bislang größte und einzige von einem Jugendgemeinderat auf die Beine gestellte Projekt. Eine Erweiterung des Platzes wäre für Kron ebenso eine Option für die zukünftige Arbeit des Jugendgremiums, wie die Schaffung von »kommerzfreien Räumen«. Außer Spielplätzen gebe es in Oberkirch keine Orte, an denen sich Jugendliche treffen könnten, so Kron. Ebenfalls auf der Liste des Jugendgemeinderats standen bisher die Organisation von Konzerten, Wettbewerben und Programmen zur Suchtprävention.
Zur ersten Sitzung traf sich Oberkirchs Jugendgemeinderat. Mittlere und hintere Reihe von links: Marc Schirmer, Ornjira Busarkham, Sabine Vogt, Johanna Welle, Elena Batzler, Stadtrat Michael Braun, Sharlene Frammelsberger, Lisa Geldreich, Kevin Maisch