Frieden nicht selbstverständlich
Beim Volkstrauertag in Achern und Oberachern mahnen Sprecher zur Verantwortung eines jeden
»Wie viele Kinder malen statt Vögel, Flugzeuge und fallende Bomben?« Fragen zu Gewalt, Not und Krieg formulierten Siebtklässler der Antoniusschule in ihrem Beitrag »Kinder im Krieg«, als am gestrigen Volkstrauertag eine Gedenkfeier auf dem Oberacherner Friedhof stattfand.
Mit OB Klaus Muttach gedachte gestern der VdK Oberachern-Mösbach und der Kameradschaftsbund in Oberachern der Toten Musikverein (Tobias Bauer) und Gesangverein (Robert Helm) gestalteten die Feier mit, die Feuerwehr hielt die Ehrenwache, Pfarrer Matthias Fallert sprach ein Gebet, der Kameradschaftsbund schoss ein Ehrensalut.
Der Volkstrauertag sollte ein Gedenktag sein, an dem der Toten der Kriege und der Opfer von Gewalt, Terror und politischer Verfolgung gedacht werde – auch für die Bürger, die weltweit ihr Leben für die Freiheit Unterdrückter einsetzen, so der VdK-Vorsitzende Dieter Seuberlich. Er appellierte besonders an die Jugend, die kriegerische Gewalt nicht erlebte habe.
280 Namen eingraviert
Täglich gebe es aber weltweit Gewalt an Schulen, Missbrauch, respektlosen Umgang mit vermeintlich Schwächeren, mit Andersdenkenden oder Menschen anderer Kulturkreise. Diese Mahnung zu Achtsamkeit setzte der Vorsitzende in Bezug zu den Schicksalen der 280 Personen und Namen auf dem Ehrenmal, das 1955 eingeweiht worden war.
»Der Volkstrauertag schärft den Sinn dafür, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit und es unerlässlich ist, Frieden und Freiheit stets aufs Neue einzufordern und dafür einzustehen«, sagte Bürgermeister Dietmar Stiefel bei der Gedenkfeier auf dem Acherner Friedhof, wo er mit Vertretern von DRK, VdK, des Verbandes der Heimkehrer, des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Reservistenkameradschaft Acher-Renchtal einen Kranz niederlegte. Stadtkapelle, Schüler der GHWS und des Gymnasiums gestalteten die Feier mit, Pfarrer Joachim Giesler sprach ein Gebet
Nicht nachfühlbar
Durch die Erinnerung an die Opfer von Kriegen und Gewalt zeigten Menschen ihren Respekt gegenüber früheren Generationen und sie werden damit ihrer Verantwortung gegenüber künftigen Generationen gerecht, so Stiefel. Menschen, die den Krieg nicht miterlebten, könnten kaum erahnen, wie viel Kraft und Mut, Glaube und Hoffnung nötig waren, um mit den tragischen Konsequenzen umzugehen. »Wir hoffen für uns und nachfolgende Generationen, dass sie diese grausamen Erfahrungen nie machen müssen«.
Die Deutschen leben laut Stiefel seit mehr als 60 Jahren in Frieden und tun sich schwer, sich in das Leidensgefühl von damals zu versetzen. »Im Wissen um den heutigen Zeitgeist ist uns auch das Bewusstsein in gewissem Umfang abhanden gekommen, dass diese Zeit des Friedens ihren Preis in der Vergangenheit hatte.«
Der Volkstrauertag soll ein Gedenktag auch für die weltweiten Opfer von Gewalt, Terror und Verfolgung sein. Auf dem Oberacherner Friedhof (vorne von links): VdK-Vorsitzender Dieter Seuberlich, OB Klaus Muttach und Walter Braun vom Kameradschaftsbund.
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