Essbare Gefahr aus dem Wald

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Pilze sammeln ist ein beliebtes, aber nicht ungefährliches Hobby / Berater wollen Irrtümer verhindern

 

Wollige Milchlinge, die weiße Flüssigkeit absondern, Hexenröhrlinge, deren Schnittfläche blau anläuft, oder tintenfischähnliche Exemplare, die aus Hexeneiern wachsen – wer als Laie mit kaum vorhandenen Kenntnissen die beiden Pilzberater Elke Förderer und Claus Leckel bei der Pilzsuche begleitet, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Jagdrevier der Mitglieder der Pilzfreunde Bühl ist diesmal der Wald bei Ober-
achern, »doch es eignet sich jeder lichte Laubwald. Hauptsache, der Boden ist warm und feucht«, erzählt Leckel (61). Dann sprießen die behüteten Leckerbissen sprichwörtlich wie die Pilze aus dem Boden.
Profis haben’s im Blick
»Es ist nicht nötig, mit der Machete durchs Unterholz zu pirschen«, sagt die 47-jährige Förderer. Wer sich auskennt, entdeckt bereits wenige Meter vom Waldweg entfernt die besten Exemplare. Während die beiden links und rechts vom Pfad ausschwirren, sieht der Anfänger nur den Wald voller Bäume, aber ohne Pilze.
»Schau!«, sagt Förderer und drückt auf einen rundlichen Pilz, der aus dem Herbstlaub lugt. Aus dem Hut staubt eine feine Wolke heraus. »Das ist ein Stäubling. Wenn Regentropfen auf ihn fallen, verteilt er auf diese Weise seine Sporen.«
Anhand solcher Beispiele wollen die beiden Experten ihre Begleiter fit machen, die zwölf häufigsten essbaren Herbstpilze wie Hexenröhrling, Totentrompete, Safranschirmling oder Ziegenlippe, sowie die sechs gefährlichsten Giftpilze darunter den Schwefelkopf, Panterpilz und Bovist und zwei ungenießbare, aber leicht verwechselbare Arten zu erkennen. Den meisten sind nur Champignons, Pfifferlinge und Steinpilze geläufig

Unter einer Bank
»Aber das war’s auch schon«, wissen die Fachleute, die aus der Gegend um Baden-Baden stammen. Darum bleiben oft die größten Fundstücke unbehelligt im Wald oder auch mal »unter einer Ausflugsbank stehen«, wie Förderer erzählt. »Da wuchs ein riesiger Steinpilz. Doch da niemand zugriff, haben alle wahrscheinlich gedacht, der wäre giftig.«
Die beiden raten: »Bevor man einen Pilz ganz tief am Stiel abschneidest, sollte man ihn möglichst genau anschauen und unter den Hut gucken: Hat er Lamellen oder nicht, eine weiße, rosa oder bräunliche Farbe? Riecht er angenehm oder penetrant?« Denn nichts sei schlimmer, als das voreilige Abschneiden beziehungsweise Ausreißen von Pilzen, die plötzlich doch nicht das sind, für das man sie gehalten hat, und die dann achtlos weggeworfen werden.
Die Profis legen den Sammlern nahe, nicht an den Pilzen »herumzurandalieren«, sie nicht einfach wegzutreten. Das Gewächs ist ein empfindlicher Organismus, und die Fruchtkörper – eben die oberflächlichen »Pilze« – sind nur ein Teil des Ganzen, der übrige Teil, Mykorrhiza genannt, befindet sich im Boden, deshalb sollten Pilze auch abgeschnitten und nicht gerupft werden.
Erfahrene Sammler können durch eine Geruchs- und Geschmacksprobe herausfinden, ob es sich um Gallenröhrling, Steinpilz oder Täubling handelt und ob er genießbar ist. »Einfach ein kleines Stück vom Pilzstiel oder den Lamellen abschneiden und einige Sekunden kauen. Aber unbedingt wieder ausspucken. Runterschlucken darf man das gekaute Stück nicht. Viele ungenießbare Pilze schmecken scharf oder bitter«, so Förderer.
Fachbuch genügt nicht
Reicht es nicht, ein aktuelles Fachbuch dabeizuhaben? Der 61-Jährige warnt: »Dort sind zwar wichtige Merkmale wie Lamellenform, Hut und Stiel beschrieben. Doch bestimmen Sie Pilze nie nur anhand von Bildern. Die Farben sehen auf Fotos oft anders aus als im Original. Ziehen Sie im Zweifelsfall immer Experten zu Rate.«
Als letztes gibt er mit auf den Weg: »Wenn Sie sich nicht zu 100 Prozent sicher sind, lassen Sie den Pilz lieber stehen!«
Wer das Einmaleins des Pilzsuchens erlernen will, kann am Sonntag, 26. September, an der Exkursion von Leckel und Förderer teilnehmen (Messer und offenen Korb mitbringen). Treffpunkt: Lindenplatz, Sasbach, 10.30 Uhr. Anmeldung: Reinhold Czasny vom Schwarzwaldverein Sasbach: • 0 72 27 / 99 25 00 oder E-Mail: Reinhold.Czasny@t-online.de .

STICHWORT
Diese Notfallnummer kann Leben retten
Es gibt unter 5300 Arten europäischer Großpilze 160 giftige und viele ungenießbare oder unerprobte Arten. Und oft genug ist es so: Die Schönsten sind die Gefährlichen.
Sollte trotz aller Vorsicht der Ernstfall eintreten, rät die Johanniter Unfall Hilfe: »In keinem Fall sollten die Betroffenen durch Salzwasser oder Milch versuchen, Erbrechen herbeizuführen. Der berühmte Finger im Hals ist nur kurz nach dem Pilzverzehr sinnvoll. Dennoch sind Notruf, Ruhe und Besonnenheit die besten Mittel im Falle einer Pilzvergiftung. Wer nach einem Pilzessen bewusstlos wird, gehört in die stabile Seitenlage.«
Bei einer möglichen Vergiftung sollte immer der Rat der Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg (• 07 61 / 1 92 40) eingeholt werden. Jedoch bitte auf keinen Fall selbst mit dem Auto hinfahren, der Zustand kann sich jederzeit verschlechtern.

 

 

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Veröffentlicht in Erlach

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