Ein neues Bett für die Rench

Veröffentlicht auf von Badische Zeitung

Deich wird bei Erlach auf 700 Metern zurückgebaut / Naturnahes Gebiet soll entstehen.

 

http://ais.badische-zeitung.de/piece/02/1d/59/a7/35477927.jpgWas einst unter der Ägide des Rheinbändigers Johann Gottfried Tulla als beispielhaft galt, wird nun hier und dort wieder rückgängig gemacht. Noch ist die Rench bei Erlach nach den Plänen des badischen Ingenieurs in ein monotones Korsett aus Dämmen gezwängt – doch schon im kommenden Jahr soll sie auf einer Länge von 700 Metern wieder Platz zum Fließen haben. Eine naturnahe Aue soll sich wieder entwickeln. Am Dienstag war erster Spatenstich.

Gleich mehrere Fliegen könne man, so hofft das federführende Regierungspräsidium Freiburg, mit dem Deichrückbau schlagen. "Mit der Maßnahme tragen wir dem Hochwasserschutz Rechnung", erläuterte Bernhard Burkart, Referatsleiter für Gewässer und Hochwasserschutz beim Regierungspräsidium, an Ort und Stelle. Immerhin würden gut 65 000 Kubikmeter "Retentionsvolumen" zurückgewonnen. Auf den schon bald wieder deutlich ausgedehnten Überflutungsflächen gibt es somit genügend Spielraum, um anstürmendem Wasser den Raum zum Fluten zu geben.

Somit werden dem Fluss Teile der ihm im 19. Jahrhundert genommenen Retentionsflächen wieder gegeben. Burkhart lobte die Stadt Renchen, die bei der Planung um Umsetzung des Deichrückbaus als verlässlicher Partner agiert habe.

 

"Bis in den November sind wir mit dem ersten Bauabschnitt fertig", erklärt Burkhart. In dieser Zeit wird auf der rechtsseitigen Deichseite gearbeitet. Der komplette Deich wird abgetragen . Die ausgehobene Erde wird im zweiten Bauabschnitt im Frühjahr 2011 auf der gegenüberliegenden Deichseite wieder aufgetragen, was den künstlichen Bau erhöht und verstärkt, wie Burkhart betont. "Mit dieser Maßnahme wird die Breite der Rench an dieser Stelle auch wieder auf etwa 80 bis 100 Meter anwachsen", malt der Experte ein Bild der Zukunft.

Rückbau des Renchdeichs kostet 700 000 Euro


Nicht nur der Hochwasserschutz soll mit der 700 000 Euro – allein 100 000 Euro kosteten Grundstückskäufe – teuren Maßnahme verbessert werden. Das von EU und Land jeweils zur Hälfte finanzierte Projekt soll auch der Umwelt zugute kommen. Bernhard Burkhart erwartet eine ausgedehnte Auenlandschaft, in der sich üppiger Bewuchs einstellt, teilweise natürlich angesiedelt, teilweise gepflanzt. Die natürliche Flusslandschaft könne sich an dieser Stelle wieder entwickeln, wo bis vor einiger Zeit noch Apfelbäume wuchsen. Damit setze man Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie um. Ein Glück seien die Verhandlungen mit den Grundstückseignern gewesen, die sich relativ reibungslos gestaltet hätten. "Lediglich ein Anwohner hat gegen die Maßnahme vor dem Verwaltungsgericht geklagt, er hat jedoch verloren", so Bernhard Vetter, Leiter des Amts für Wasserwirtschaft beim Landratsamt. Auch er lobte die Maßnahme als natürlichen Hochwasserschutz. Im Zuge der Arbeiten an der Rench müsse man auch noch die Durchlässigkeit des Gewässers sicherstellen. "Sieben Hindernisse im Flusslauf gibt es, die noch abgebaut werden müssen", erklärte Burkhardt. Gemeint sind damit Wehre, die von den Fischen nur schwer überwunden werden können. Dann, so hoffen es alle Beteiligten, komme auch wieder der Lachs zurück in die Rench. Derzeit biete sie dem Lachs und der Leitfischart Äsche nur sehr eingeschränkt Lebensraum, was auch für die Negleitarten Nase und Bachforelle gelte.

Eine Entwicklung, die auch die Interessensgemeinschaft Rench, ein Zusammenschluss von Anglervereinen am Fluss, begrüßt wird. "Es geht ja nicht nur um die Fische, die mit den neu geschaffenen Retentionsflächen mehr Möglichkeiten zum Laichen bekommen und neue Rückzugsräume nutzen können. Auch Wasservögel und andere Tiere dürften zurückkommen", hofft Martin Braun vom Renchener Fischerverein.

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