Ein Leben lang auf der Suche sein

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Primiziant Jürgen Schindler träumt von einer Welt, in der wieder mehr das Herz regiert

Am kommenden Sonntag, 16. Mai, wird Jürgen Schindler im Freiburger Münster zum Priester geweiht. Mit dabei sind auch über 100 Freunde und Bekannte aus Erlach und der Umgebung.

 

»Die Sache mit Gott und dem Glauben hat mich gepackt und trotz vieler Widerstände nicht mehr los gelassen«, sagt Jürgen Schindler, der am Sonntag zum Priester geweiht wird. Oft schon wurde er gefragt, wann er seine eigentliche Berufung gefunden habe Eine einfache Antwort gibt es für den 27-Jährigen darauf nicht: »Ich hab’ nicht ein ‘Berufungserlebnis’ gehabt. Auch kann ich keinen Zeitpunkt festmachen, wann ich mir ganz sicher war«, so Schindler und gesteht: »Tiefste Krisen und pralles Leben haben sich abgewechselt. Und wenn meine Biographie (siehe »Zur Person«) von außen auch recht ‘glatt’ scheint. Da war oft eine Kehrtwendung nötig.« Und Schindler weiß auch für die Zukunft: »Den Weg zu Gott gehen, bedeutet, ein Leben lang auf der Suche zu sein.«
Selbst fremd sein
»Suchen und finden Sie Ihren Weg, wir begleiten Sie dabei«, war schon das Motto von Schindlers Ausbildungsleitung in Freiburg. Was ihn persönlich geprägt hat? »Die Zeit in Stuttgart und Granada war sehr entscheidend.« In Stuttgart machte er die Erfahrung mit Menschen, die keine Heimat mehr haben, in der Gesellschaft fremd waren. In Granada lernte er, selbst fremd zu sein. Insgesamt erlebte der angehende Priester in seiner Ausbildung, »dass ich immer der Mensch bleiben durfte, der ich bin«.
Mit seiner Berufswahl hätten seine Eltern »direkt« nichts zu tun: »Nie haben sie mich in eine Richtung gedrängt, aber alleine die Tatsachee, in einer funktionierenden Familie mit zwei Geschwistern (Ulrike und Michael) aufgewachsen zu sein, wirkt sich aus.« Und so hätten ihn stets »Vorbild und Begeleitung geprägt, nicht Drohung Zwang«

 

Jürgen Schindler ist tief in Erlach verwurzelt: Hier besuchte er Kindergarten und Schule, hier war er Ministrant, im Freizeitsportclub aktiv und hier spielt er noch immer im Musikverein Schlagzeug. »Wenn es auch gut war, schon recht früh aus dem Dorf herausgekommen zu sein, so ist heute noch der ‘Bub vom Land’ unübersehbar – oder besser unüberhörbar«, meint der Erlacher, für den »jede Fahrt nach Erlach wirklich ein Heimkommen ist«. Diese Heimat mache vor allem auch die Familie aus.
Engagierte Gemeinschaft
Neben der Familie und den engsten Verwandten sind bei seinem großen Tag in Freiburg aber auch viele Freunde und Bekannte mit dabei. »Wir fahren mit zwei Bussen am Sonntag zur Priesterweihe«, sagt Ortsvorsteher Herbert König, den »das bedeutende Ereignis mit Freude und Stolz erfüllt«. Über 100 Leute aus Renchen, Ulm, Erlach und der Umgebung hätten sich dazu angemeldet. Mit von der Partie ist auch der Musikverein. Für König ist »es schön zu sehen, wie die Gemeinschaft dieses große Fest mitträgt und engagiert mitgestaltet«.
Und wie fühlt sich der Noch-Diakon so kurz vor dem großen Ereignis? »Eigentlich ganz gut. Ich freue mich auf die Priesterweihe.« Und wie jeder Mensch hat auch er Visionen und Träume von der Welt und von seinem künftigen Leben: »Ich träume von einer Welt, in der wieder mehr das Herz regiert. Für mich hoffe ich, dass ich beweglich und lebendig bleibe – im übertragenen Sinn – und das Wort ‘Dienst’ in meinem Beruf immer ernst nehme.«
Ω Jürgen Schindlers Priesterweihe findet am kommenden Sonntag, 16. Mai, um 14.30 Uhr im Freiburger Münster statt. Die Zeremonie führt Erzbischof Robert Zollitsch durch. Die Primiz wird dann am Pfingstmontag, 31. Mai, in Erlach gefeiert – um 9 Uhr wird der frisch gebackene Priester bei seinem Elternhaus abgeholt, um 9.30 Uhr findet der Festgottesdienst statt, anschließend ein Gemeindefest im Festzelt und der »Kronenhalle« und um 18 Uhr ein Abendlob mit Einzelprimizsegen.

Zur Person

Der Erlacher Jürgen Schindler begann nach dem Abitur 1995 in Freiburg Theologie zu studieren. Im Anschluss an das Vordiplom 1997 folgten 13 Monate Zivildienst in Stuttgart-Bad Cannstatt. Dort arbeitete er in einem Wohnheim für (ehemalige) Obdachlose,ehe er nach Spanien ging, um in Granada zwei Semester zu studieren. Von Juli bis Oktober 1999 war er wieder in Erlach. Erste Erfahrungen in der Gemeinde sammelte der 27-Jährige in Buchen im Odenwald. Im Sommer 2000 kehrte er nach Freiburg zurück und beendete 2002 sein Studium. Weiter ging es in St. Peter: Vorbereitung für die Diakonenweihe am 15. Dezember 2002. Im letzten Jahr wurde er als Diakon in die Seelsorgeeinheit Durlach angewiesen. Ab Januar hat er sich dann in St. Peter auf die Priesterweihe vorbereitet.

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Veröffentlicht in Pfarrgemeinde

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