Ehrenamtliche bringen Stadt voran
Die vier Sprecher der Agenda-Arbeitskreise stellten dem Gemeinderat Projekte und Ziele vor
Über ihre Projekte und Erfahrungen nach vier Jahren Agenda-Arbeit durften die Sprecher der vier Kreise am Montag im Gemeinderat berichten. Allerdings bedauerten sie, dass für einen Austausch mit den Räten die dichte Tagesordnung keinen Raum ließ.
»Wir bekennen uns zur Verantwortung für die Zukunftsentwicklung unserer Stadt«, sagte Bürgermeister Bernd Siefermann und leitete damit in der Gemeinderatssitzung am Montagabend den Tagesordnungspunkt »Vorstellung der Agenda-Arbeit« ein Das interfraktionelle Zusammenwirken in den Arbeitskreisen habe in den vergangenen vier Jahren viele Aktionen ins Laufen gebracht. Siefermann lobte die Verantwortlichen, auch dafür, dass sie kaum auf Geld, das ihnen den Gemeinderat zur Verfügung stellt, zurückgreifen: »Teilweise rechnen sie nicht einmal ihre Fahrtkosten ab«, so der Bürgermeister.
Vier Jahre, fünf Minuten
In der Sitzung sollten die Sprecher der vier Gruppen ihre Arbeit der letzten vier Jahre vorstellen und auf künftige Entwicklungen eingehen – und das in fünf Minuten. »Zu knapp bemessen« für den Ersten. Alfred Baum (»Wirtschaft, Mobilität, Verkehr«) habe deshalb überlegt, ob er auf Schmuskurs gehen sollte oder sagen, was bedrückt, und so sparte er auch nicht mit Kritik. Er wünschte sich – wie später auch Heinz Schäfer – einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch mit den Gemeinderäten und nicht nur nach vier Jahren einen Kurzbericht.
Baum forderte auch, dass die Agendaarbeit nicht nur Spaß und Freude am Organisieren sein soll, sondern die Stadt voranbringen sollte. Wie auch seine Kollegen im Anschluss, berichtete er von einem harten Kern regelmäßiger und einer Reihe »loser« Mitarbeiter. »Um effektiv zu arbeiten, brauche ich keine Leute, die sporadisch alle sechs Monate zur Sitzung kommen«, so Baum, der »effektiv etwas leisten will«
In seiner Bilanz ging er unter anderem auf die Umwelttage (»aufgrund des großen Arbeitsaufwandes vor 2009 nicht wiederholbar«), eine Info-Veranstaltung über die Kommunale Arbeitsförderung Ortenau (»gute Diskussion auf Niveau«) oder die Aktionskunst im Kreisel (»ich bin überzeugt, das ist eine gute Sache« – und scheinbar noch nicht ganz gestorben«) ein.
Baums Arbeitskreis plant derzeit einen Wettbewerb, der den Einzelhändler und die Gaststätte des Jahres hervorbringen soll. Zudem will man sich schwer integrierbarer Jugendlichen annehmen.
Nach Verlust durch Todesfälle (Wolfgang Kehrer, Klaus Hodapp) und der Lustlosigkeit einiger Mitglieder beklagte Klaus Felder (»Soziales, Bildung, Wohnen«) einen rapiden Schwund, so dass sich die verbleibenden drei Mitglieder dem Kreis (»Freizeit, Kultur, Sport«) anschließen und dort ihre Projekte (vor allem die Fahrradbörse) fortsetzen möchten, ehe man sich wieder zu eigenen Sitzungen trifft.
Felders Kreis hatte sich unter anderem der Verdichtung von Wohnfläche im Stadtgebiet angenommen und versucht, Alt und Jung zusammenzuführen – frei nach der Devise »Tausche Gartenarbeit gegen Nachhilfe«. Doch dafür scheine in Renchen derzeit kein Bedarf zu bestehen. Erfolgreich verlief dagegen die Geldbeschaffung für soziale Zwecke. Dank der Fahrradbörse konnte der Agendakreis Pfarrer Lehmanns Belarus-Projekt unterstützen, im Rahmen dessen auch erstmals Lehrer und Erzieher nach Deutschland kommen konnten.
Auf den Sportlerstammtisch, Lesenächte (nächste am 17. November, Frauen lesen aus der »Courage« vor) oder historische Rundgänge in Renchen und Erlach (»für Ulm fehlt eine Ansprechperson«) verwies Heinz Schäfer (»Freizeit, Kultur, Sport«). Seine Gruppe plant seit einiger Zeit auch eine Info-Säule, deren Realisierung aber bis dato an den Kosten gescheitert sei. Weitere Projekte: eine Gimmelshausen-Theaterbühne im Stadtpark, die Untersuchung der Gewann-Namen oder ein keltisches Baumhoroskop.
Abschließend ergriff Thomas Krechtler (»Landwirtschaft, Natur, Umwelt«) das Wort. Ziel seines Kreises sei eine »umweltverträgliche Landwirtschaft«, was man dem Bürger anschaulich vermitteln möchte. Ein großes Forum dafür hatte man bei den Umwelttagen 2004 in der Erlacher Kronenhalle. Neben Gartentipps und Bodenanalysen sei vor allem das Baumveteranensuchspiel mit über 500 Teilnehmern ein Erfolg der Gruppe gewesen, weshalb man es in einer Neuauflage mit naturnahen Gewässern aufnehmen will. »Die Stadt hat hier sehr viel zu bieten, den Bürgern ist dies aber wenig bekannt«, so Krechtler.
Quer durch die Bank wurde deutlich, dass sich die Agendagruppen für ihre Aktivitäten ernsthaft interessierte Mitarbeiter wünschen. Auskunft dazu erteilt neben den Agenda-Sprechern auch das Rathaus. Agenda-Koordinatorin ist Sabine Berger: π
07843/707-22.