»Die Leute sind sehr gereizt«

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

ARZ debattiert mit Experten bei Lokalrunde über den A 5-Ausbau / Lkw-Stellplätze reichen nicht aus

Die ARZ hat mit kompetenten Gesprächspartnern ein Thema aufgegriffen, dass derzeit wohl fast jeden Autofahrer in der Region beschäftigt: den Ausbau der Autobahn und seine Behinderungen. Darüber berichten wir auch auf einer Sonderseite.

 

Zehn Experten tauschten sich am Mittwoch im Hotel Sonne Eintracht in Achern auf Einladung der ARZ über den Autobahnausbau aus, moderiert von Andreas Cibis von der Acherner Lokalredaktion Dabei wurde es auch ganz konkret: Arnaud Judet, Chef des privaten Konzessionsnehmers Via Solutions Südwest, könnte sich vorstellen, dem Eurorastpark in Achern eine Vorrichtung zu sponsern, mit der das Dach von Lkws im Winter von Eisplatten befreit werden könnte.
Ähnliches habe Judet gerade in Thüringen getan. 350 Unfälle gingen jährlich auf von Lastern herabfallende schwere Eisplatten zurück. Pirmin und Björn Lang, Senior- und Juniorchef des Eurorastparks, erklärten sich sofort bereit, ihren Kunden diesen Service anzubieten.
Die Betreiber des Autohofs beschrieben, wie sehr sie derzeit unter einem Kundenrückgang zu leiden haben, dennoch stehen sie voll hinter dem sechsspurigen Ausbau der 41 Kilometer Autobahn zwischen Malsch und Offenburg. Sie freuen sich auf die neue Verkehrssituation mit zwei Kreisverkehren an den Anschlussstellen und einer Ampel an der Kreuzung mit der K 5372 aus Großweier. »Das ist eine 100-prozentige Verbesserung«, sagte Björn Lang. Der Autohof gibt 35 Menschen Arbeit und benötigt eine hohe Kundenfrequenz – und wie die anderen Betriebe dort auch eine bessere Breitbandverkabelung.
Pirmin Lang schilderte, wie genervt manche Durchreisende, auch Familien, bei ihm ankommen: »Die Leute sind von der Baustelle und den Staus gereizt, erledigen rasch ihr Tankgeschäft und wollen so schnell wie möglich weg aus dieser Stauregion.« Handgreiflichkeiten seien keine Seltenheit.
Wunsch nach Erweiterung
Langs zentrales Thema war aber der steigende Bedarf an Lkw-Stellplätzen.

Laut ADAC-Studie fehlen bundesweit derzeit etwa 7000 davon. Deshalb möchte der Eurorastpark auch erweitern, zumal der vorbeiführende Radweg wieder einige Quadratmeter gekostet hat.
Bürgermeister Dietmar Stiefel bestätigte bei der Lokalrunde erste Kontakte, konnte aber noch keine Zusagen machen. Unschöne Begleiterscheinungen des mangelnden Platzangebots seien Lkw-Fahrer, die ihre nächtlichen Ruhepausen im Acherner Industriegebiet halten, wo es keine sanitären Einrichtungen gibt – mit übel riechenden Folgen.
Nickerchen im Stau
Gerald Schmidt vom Regierungspräsidium (RP) Freiburg sieht ebenso wie sein Kollege Wolfgang Ott vom RP Freiburg diesen Bedarf, den auch fünf PWC-Anlagen (Parkplatz mit Toiletten) entlang der Autobahn nicht decken können. Thomas Schaufler von der Autobahnpolizei Bühl berichtet, wie seine Kollegen immer wieder Lkw-Fahrer wecken müssen, die Ein- oder Ausfahrten von Rastplätzen zuparken oder bei Staus gar einfach auf der Fahrbahn in ihrem Lkw ein Nickerchen machen.
Kein Wunsch, eher eine Vision ist für Bürgermeister Stiefel der komplett vierspurige Ausbau der L 87 bis zur Grenze. »Ich sehe nur was derzeit dort los ist, und der Schwerlastverkehr wird eher noch zunehmen.« Eine Vision hatte bei der Lokalrunde auch Önsbachs Ortsvorsteherin Christine Rösch: eine Ortsumfahrung, um ihre Dorfbewohner vor den täglichen Blechlawinen zu schützen. Aus Gamshurst berichtete Ortsvorsteher Hans Jürgen Morgenstern von Klagen der Litzlocher über die laute Autobahn – trotz zum Teil schon aufgebauter Lärmschutzwand.

STICHWORT
Auf Polizei, nicht auf Navi hören
»Wenn wir den Verkehr von der Autobahn wegen eines Unfalls oder einer Sperrung umleiten müssen, erleben wir die tollsten Sachen«, erzählt Thomas Schaufler, Leiter der Autobahnpolizei Bühl, bei der ARZ-Lokalrunde.
Auch wenn die ausgeschilderte Umleitungsstrecke nach rechts geführt wird, wollen die Autofahrer nach links fahren, schließlich sagt ihnen das ihr Navigationsgerät. »Wir appellieren an die Autofahrer, bitte den Schildern zu folgen, sonst brechen die Verkehrswege zusammen«, sagt Schaufler.
Nicht so schön ist, was sich seine den Verkehr lenkenden Beamten manchmal von genervten Autofahrern anhören müssen, berichtet Schaufler. Die Autobahnpolizei Bühl ist derzeit so sehr gefordert, dass das Alltagsgeschäft wie Lkw-Kontrollen während des A 5-Ausbaus auf der Strecke bleibt.

Der Bedarf an Lkw-Stellplätzen entlang der Autobahnen steigt – erst recht, wenn die A 5 zwischen Malsch und Offenburg sechsspurig ausgebaut ist. Deshalb wiesen die Betreiber des Eurorastparks in Achern (Bild) bei der Lokalrunde der ARZ zum A 5

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