Deutsch-türkisches Fest fiel leider aus
Oberkirchs Türken wollten Länderspiel eigentlich als weiteren Integrationsbaustein nutzen
Mit Spannung verfolgte am Freitagabend auch die türkische Gemeinde in Oberkirch das EM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und der Türkei: »Das Spiel war für alle Beteiligten von großer Bedeutung«, sagt Zülfikar Atlay, stellvertretender Vorsitzender des türkischen Vereins in Oberkirch: »Der Fußball hat widerlegt, dass zurzeit – gesellschaftspolitisch gesehen – zwischen den beiden Kulturen eine Anspannung herrscht.«
»Es war ein interessantes Spiel«, analysiert Atlay, wenn es auch etwas verkrampft auf türkischer Seite wirkte: »Man könnte fast meinen, die momentane Debatte über Integration in Deutschland sähe man dem türkischen Spiel an.« Seit Monaten habe sich jeder in Deutschland lebende Türke auf diese Begegnung gefreut. »Solch ein Duell ist immer etwas Besonderes«, weiß Atlay und bedauert gleichzeitig: »Doch Sarrazins Vorwürfe vor einigen Wochen gegenüber Ausländern animierten uns in Oberkirch lebende Türken eher dazu, unter uns zu bleiben und diesen Fußballabend im Vereinshaus des Türkischen Kulturvereins zu genießen. Schon vor Wochen planten wir für diesen Abend ein gemeinsames Fest mit unseren deutschen Freunden – ähnlich wie beim Public Viewing bei der EM und WM. Zu dieser Organisation wagten wir uns leider nicht, weil die Resonanz, die wir – wo wir auch anklopften – immer wieder negativ ausfiel«, so Atlay.
Positive Impulse setzen
Deshalb sieht Atlay hier noch Verbesserungsmöglichkeiten in Sachen Integration: »Wenn wir besser miteinander leben wollen, muss die Basis Akzeptanz und Toleranz des Gegenübers sein. Mir persönlich liegt viel daran, positive Impulse zum gemeinsamen Miteinander zu setzen. Allerdings werden wir oft nicht ernst genommen
In der Argumentation merkt man manchen Einheimischen gar die Vorurteile regelrecht an.«
Die Vorurteile abzubauen sei ein großes Ziel, dem sich der Türkische Verein weiter annehmen wolle. Atlay: »Aus diesem Grund besuche ich zurzeit ein Seminar zum Dialogbeauftragten zur interkulturellen und interreligiösen Zusammenarbeitdas vom Europäischen Integrationsfond gefördert wird.«
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