Bio-Lämmer aus dem Renchtal
Weidegemeinschaft Bad Peterstal-Griesbach vermarktet ersten Nachwuchs im Mülbener Stall
Lämmerfleisch in Bio-Qualität bietet derzeit die Weidegemeinschaft Bad Peterstal-Griesbach an. Es sind die ersten Lämmer der Mutterschaf-Herde, die seit Frühjahr zur Offenhaltung zahlreicher Wiesen im hinteren Renchtal beiträgt.
Vor rund einem halben Jahr hat die Kur- und Tourismusgemeinde bei den Bemühungen zur Offenhaltung der Landschaft tierische Verstärkung bekommen Die Weidegemeinschaft Bad Peterstal-Griesbach erwarb eine Heidschnuckenherde, die in diesem Sommer auf zahlreichen Wiesen rund um die Gemeinde mümmelte. Unter den 36 Mutterschafen waren auch viele trächtige Tiere, die im März und April Nachwuchs bekamen.
Da die männlichen Lämmer nun geschlechtsreif werden, musste die Herde neu zusammengestellt werden. Nur ein Bock darf in der Herde verbleiben, denn sonst drohen gefährliche Machtkämpfe. »Von den rund 30 Lämmern sind die meisten bereits versorgt«, erläutert Franz Doll, Vorsitzender der Weidegemeinschaft. Zwei Drittel hatten Glück und werden zur weiteren Zucht eingesetzt. Rund zehn weibliche Lämmer durften bei ihrer Herde bleiben, der Rest zog zu den Herden anderer Züchter.
Ein Drittel der Tiere wird jedoch geschlachtet und an private Feinschmecker im Renchtal verkauft. Wer Interesse an einem ganzen oder halben Tier hat, kann sich bei Franz Doll unter •
0 78 06/84 44 melden. Ein halbes Tier bringt rund sechs Kilogramm Fleisch. Es haben sich bereits einige Liebhaber des Heidschnuckenfleisches gemeldet, so dass nicht mehr viele Tiere übrig sind.
Doll betont, dass das Fleisch Bio-Qualität hat, auch wenn die Weidegemeinschaft bisher keine Zertifizierung beantragt hat. »Die Leute können sehen, dass die Schafe absolut tiergerecht gehalten werden«, schildert der Peterstaler. Sie sind so pflegeleicht, dass sie das ganze Jahr über – mit Ausnahme der schneereichen Zeit – auf den Wiesen leben
Wiesen, die nicht gespritzt und gedüngt werden. Daneben sind die Schafe durch ihre Ursprünglichkeit so robust, dass sie nur selten medikamentös behandelt werden müssen. »Die Tiere sind frei von Antibiotika«, sagt Franz Doll. In diesem Jahr habe es keine Krankheiten gegeben, auch von der Blauzungenkrankheit blieben die Tiere verschont.
Gut untergebracht
Mit dem Stall im Mülben, zwischen Bad Peterstal und Bad Griesbach gelegen, kann die Weidegemeinschaft die Tiere auch über Winter unterbringen. Zwei bis drei der insgesamt 34 aktiven Mitglieder kümmern sich dabei wechselweise um ihre Versorgung. Dankbar ist die Weidegemeinschaft, dass die Nachbarn ein Äuglein auf den Stall und die Wiese werfen. »Sie bemerken auch, wenn Unruhe in der Herde ist«, erzählt Franz Doll, »zum Beispiel, wenn ein Schaf ausgebüchst ist.«
Die Weidegemeinschaft finanziert sich über Mitgliedsbeiträge, Meka-Fördermittel und den Verkauf der Lämmer. Die Offenhaltung der Landschaft mit den Heidschnucken ist dabei keine lukrative, sondern idealistische Arbeit.
Der Vorsitzende hofft, dass die Mitglieder der Gruppe treu bleiben und nicht der Verlockung verfallen, ihre Wiesen mit Christbaumkulturen aufzuforsten. Dass die Aufforstung nicht mehr der Zustimmung der Gemeinde bedarf und damit erleichtert wird, ist den Tierhaltern ein Dorn im Auge.
STICHWORT
Geschmack
Die Qualität des Heidschnuckenfleisches wird als hochwertig eingestuft. Der Geschmack des Fleisches ist wildbretartig, bei ausgesprochener Zartheit und mit kurzen Fleischfasern. Der Geschmack ist milder als der des Hausschafs. Rücken und Keule sind die wertvollsten Fleischpartien.
Da die Weiden der Weidegemeinschaft Bad Peterstal-Griesbach weitgehend abgefressen sind, erhalten die Heidschnucken zurzeit noch ein Zubrot.
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