Bernd Siefermann im Alleingang
Renchens Bürgermeister stellt sich am 9. November den Wählern ohne Gegenkandidat
Gestern, Punkt 18 Uhr, ist der Wahlausschuss von Renchen im Rathaus zusammengetreten. Denn um 18 Uhr war die Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterwahl am 9. November abgelaufen. Vorsitzender Heinz Schäfer informierte kurz und knapp: Einziger Bewerber ist Amtsinhaber Bernd Siefermann Der amtierende Rathauschef, der zur gleichen Zeit auf Termin war, wurde übers Handy informiert. Auch wir sprachen mit »Kandidat« Bernd Siefermann.
? Wie deuten Sie die Tatsache, dass Sie keinen Gegenkandidaten am 9. November haben: Der Amtsinhaber hat in seinen acht Jahren so erfolgreich gearbeitet oder ist Renchen nicht so attraktiv für einen ernstzunehmenden Gegenkandidaten?
Bernd Siefermann: Die Beurteilung meiner Arbeit möchte ich den Bürgern überlassen. Für mich steht jedoch fest, dass wir in Renchen in den vergangenen acht Jahren viel erreicht haben. Das war möglich aufgrund des guten Einvernehmens mit den Bürgern und der guten Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat, den Ortschaftsräten und der Verwaltung.
Außerdem steht für mich fest, dass die Grimmelshausenstadt Renchen mit ihren Ortsteilen Ulm und Erlach sowie der Maiwaldsiedlung eine sehr schöne und attraktive Stadt ist. Für den Bürgermeister gibt es heute und in der Zukunft ein breites und äußerst interessantes Betätigungsfeld. Gestaltungmöglichkeiten – und das ist das Salz in der Suppe der Arbeit – wird es auch in den kommenden Jahren reichlich geben. Die Attraktivität von Renchen ist daher auf alle Fälle gegeben
? Welche besonderen Erinnerungen haben Sie an Ihre Wahl vor acht Jahren – da waren nach dem Marsch von Klaus Brodbeck in den Chefsessel des Landratsamtes zunächst mehrere Kontrahenten im Rennen?
Siefermann: Am meisten beeindruckt hat mich die Freundlichkeit der Menschen hier in der Stadt. Nicht unbeeindruckt ließ mich das große Medieninteresse an der Bürgermeisterwahl, das sicher auch mit Landrat Klaus Brodbeck, meinem sehr erfolgreichen und populären Vorgänger, zu tun hatte.
? Was antworten Sie Renchener Bürgern, die die Frage stellen, warum ihr Stadtoberhaupt nicht in der Grimmelshausenstadt, sondern nach wie vor in Achern wohnt?
Siefermann: Erst kürzlich sagte eine Mitbürgerin zu mir, dass ich doch immer hier sei. Bei vielen Veranstaltungen sei ich dabei, sehr oft auch bis spät in die Nacht. Da könne es doch nicht darauf ankommen, wo ich die verbleibenden paar Stunden noch verbringe. Ich finde, dass dieser freundliche Kommentar das Wesentliche beschreibt.
? Rückblick: Wo steht Renchen heute im Vergleich zu 2000?
Siefermann: Renchen war bereits 2000 sehr gut aufgestellt. Wir haben es aber geschafft, die Stadt positiv weiterzuentwickeln. So haben wir beispielsweise die Betreuung der Kindergartenkinder ausgebaut. Um die Wanderklassenproblematik zu beseitigen, wurde die Grimmelshausenschule erweitert. Seit 2002 haben wir ein Jugendhaus mit professioneller Betreuung. Wir haben außerdem zusätzliche Baugebiete erschlossen. Es ist uns gelungen die Seniorenbetreuung auszubauen. Das Betreute Wohnen und das Pflegeheim sind wichtige Einrichtungen.
? Und die wirtschaftliche Seite – Industrie, Handel Handwerk bzw. örtliche Geschäftswelt?
Siefermann: Auch hier hat sich einiges getan. Die Erschließung weiterer Gewerbeflächen und unsere neu eingeführte Arbeitsplatzförderrichtlinie haben zur Ansiedlung zahlreicher neuer Betriebe und damit zu rund 300 zusätzlichen Arbeitsplätzen geführt.
Die Verkehrsinfrastruktur haben wir verbessert und ausgebaut. Zahlreiche Straßen in allen drei Ortsteilen wurden saniert, Plätze neu gestaltet und mehrere Radwege gebaut.
Auch mit Hilfe des vorbildlichen bürgerschaftlichen Engagements wurden die Ullenburghalle saniert, die Erlacher Kirche restauriert und die Jugend- und Vereinsräume im Haus der Jugend und Vereine hergerichtet. Verschiedene Umweltprojekte und Biotopvernetzungsmaßnahmen zeigen, dass wir unsere Verantwortung für Natur und Umwelt weiterhin ernstnehmen.
? In Zahlen ausgedrückt: Wie viele Millionen Euro wurden in dieser Zeit investiert?
Siefermann: Wir haben rund 17 Millionen Euro investive Ausgaben getätigt. Bemerkenswert dabei ist, dass wir trotz der beachtlichen Investitionen, die Verschuldung im Hoheitsbereich (2,5 Millionen Euro im Jahr 2001, voraussichtlich auf 1,3 Millionen Ende 2008) nahezu halbieren konnten.
? Des Simplicissimus-Haus war ein »Kind« Ihres Vorgängers Klaus Brodbeck. Was wäre ein sogenanntes Prestigeobjekt, das Sie persönlich in der kommenden Amtsperiode verwirklichen würden?
Siefermann: Hier geht es nicht um die Frage von Prestigeobjekten für Bürgermeister. Vielmehr geht es darum, dass es Themen gibt, die einem ganz besonders am Herzen liegen. Für mich war ein solches Thema die Erweiterung der Grimmelshausenschule, um die Wanderklassenproblematik in den Griff zu bekommen oder die Einrichtung des Hauses der Jugend und Vereine, um den Jugendlichen und den Vereinen die nötigen Rahmenbedingungen für eine gute Zukunft zu verschaffen.
? Das ist sicher gute Vergangenheit, aber was soll jetzt die Zukunft bringen?
Siefermann: Schwerpunktthema der nächsten Jahre werden die Baumaßnahmen in unseren Kindergärten und den Schulen sein. Die Baumaßnahmen sind notwendig, um unseren Kindern und Schülern die Betreuung zu bieten, die den heutigen gesellschaftlichen Anforderungen entspricht. Dabei ist es mir besonders wichtig, dass der Schulstandort Renchen weiter gestärkt wird.
? Allerdings könnte das »Regieren« im Rathaus in den nächsten Jahren durch die Finanzkrise und eine mögliche wirtschaftliche Delle erschwert werden. Gibt es bereits Anzeichen, dass Renchener Unternehmen betroffen sind?
Siefermann: Unmittelbare Auswirkungen spürt die Stadt noch nicht. Genaue Informationen darüber, wie es bei unseren Firmen aussieht, liegen mir derzeit nicht vor. Allerdings befürchte ich schon, dass die Finanzkrise an Firmen, die beispielsweise zur Branche der Autozulieferer gehören, nicht spurlos vorübergehen wird. Zeitversetzt werden wir dann die Auswirkungen durch sinkende Gewerbesteuereinnahmen spüren.
? Die wahlberechtigten Renchener haben am 9. November keine Auswahl auf ihrem Stimmzettel. Hand aufs Herz: Mit welcher Wahlbeteiligung rechnen Sie bzw. welche Prozentpunkte würden Sie arg enttäuschen?
Siefermann: Da wage ich keine Prognose. Die Wahlbeteiligung steht für mich aber nicht allein als Bestätigung meiner Arbeit. Vielmehr steht sie auch für die Beurteilung einer kommunalpolitischen Gesamtleistung im Zusammenwirken mit dem Gemeinderat, den Ortschaftsratsgremien von Ulm und Erlach sowie der Verwaltung. Die Wahlbeteiligung kann ein Zeichen der Anerkennung zurückliegender Leistungen sein und zugleich motivierend für die Zukunft wirken. Ich wünsche mir daher eine möglichst hohe Wahlbeteiligung.
ZUKUNFT
Das hat er vor
? Weiterer Ausbau guter Rahmenbedingungen für Kinder, Jugendliche, Familien und Senioren.
? Stärkung des Wirtschaftsstandorts mit den damit verbundenen Arbeitsplätzen.
? Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität der Innenstadt.
? Unterstützung des vielfältigen ehrenamtlichen Engagements.
? Sicherung der finanziellen Handlungsfähigkeit unserer Stadt.
RÜCKBLICK
Seine Highlights in acht Jahren
n den acht zurückliegenden Jahren gibt es laut Bernd Siefermann weit mehr als fünf herausragende Ereignisse.
»Besonders beeindruckt haben mich aber Ereignisse, die gezeigt haben, dass die Gesamtstadt Renchen in den vergangenen Jahren gut zusammengewachsen ist. Beispielhaft möchte ich die Umwelttage nennen, die sich über alle drei Ortsteile erstreckt haben.
Genauso aber auch die Stadtwette, die wir dank der Teilnahme von Bürgern aus allen Ortsteilen bis hin zum Maiwald gegen die Acher-Rench-Zeitung überragend gewonnen haben.
Der Besuch von Schriftsteller Günter Grass hat uns Medieninteresse in ganz Deutschland beschert.
Die Einweihung des Hauses der Jugend und Vereine, die Primiz von Jürgen Schindler und der erste Preis beim Wettbewerb ‘Unser Dorf hat Zukunft’ in Erlach sowie zahlreiche Jubiläen und der Umbau der ehemaligen Obsthalle zur Ullenburghalle im Bierdorf Ulm sind nur einige der Höhepunkte, die wir in den letzten Jahren genießen durften.«
HISTORIE
So wurde in Renchen vor acht Jahren gewählt
1. Wahlgang – 3. Dezember
Bernd Siefermann 44,88 %
Wolfgang Bohnert 35,52 %
Michael Mau 16,73 %
Beda Grollmann 2,65 %
Wahlbeteiligung 61,57 %
2. Wahlgang – am 17. Dezember (nur noch zwei Bewerber stellten sich dem Votum der Bürger:
Bernd Siefermann 55,46 %
Wolfgang Bohnert 44,24 %
Wahlbeteiligung 60,36 %
Keine Klimmzüge, wie vor acht Jahren, bei zunächst vier Bewerbern um den Chefsessel im Rathaus, muss der 46-jährige Bernd Siefermann machen. Er ist der einzige Kandidat bei der Bürgermeisterwahl am 9. November.