Belebung für die Musikszene

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Künstler spielen jeden Donnerstag ohne Gage im »Medicus« / Stadt schlichtet bei Beschwerden

Frischen Wind in die Oberkircher Musikszene bringen: Mit diesem Vorsatz wollen Rainer Zimmerer vom Café »Medicus« und Thomas Zink für mehr Abwechslung in der Großen Kreisstadt sorgen. Eine schwere Aufgabe, die schon Ärger eingebracht hat.

 

Die Kenner der Oberkircher Musikszene wissen es längst: Jeden Donnerstag treten im Café »Medicus« im Oberkircher Gesundheitszentrum mehr oder weniger bekannte Künstler auf, um vor Publikum ihr Können unter Beweis zu stellen Ein neues Angebot, mit dem »Medicus«-Inhaber Rainer Zimmerer und Organisator Thomas Zink mehr Abwechslung in die als »einseitig« beschriebene Szene bringen wollen: »Bisher sind die Musikveranstaltungen in Oberkirch stark vom kulturellen Programm der Stadt bestimmt«, sagt Zink, »und die richten sich mit Klassik und Blasmusik eher an ein älteres Publikum.« Zink, der den Oberkircher Schlagersänger Julian Frank managt, will das Spektrum deshalb deutlich verbreitern: »Von Zigeuerjazz über Blues und Funk sollen alle Musikrichtungen berücksichtigt werden – außer Hardrock und Klassik.« Durch seine Beziehungen hat der Manager bereits einige überregional und regional bekannte Künstler verpflichtet, die allesamt ohne Gage auftreten, allein dem Ziel verpflichtet, »die Musikszene in Oberkirch zu unterstützen«, so Zink: »Wir wollen der Großen Kreisstadt neues Musikleben einhauchen.«
Mittlerweile hat sich der Donnerstagstermin in Musikerkreisen bereits rumgesprochen: Anfragen hat der Manager selbst von Gruppen und Künstlern aus Karlsruhe, Mannheim, Stuttgart oder Freiburg vorliegen. Nicht alle kommen zum Zug: »Ich habe auch schon Interessenten abgelehnt«, will Zink kein »Alleinunterhalterniveau« etablieren: »Das Ganze soll schon Qualität haben.« Jeden Donnerstag sei zudem eine andere Stilrichtung vorgesehen, »damit die möglichst große Vielfalt zum Tragen kommt«. Mit der Stadt stehe Zink dabei im Gespräch, damit das Programm in den Veranstaltungskalender aufgenommen wird

Finanzielle Unterstützung will der »Medicus«-Organisator nicht.
»Die Resonanz auf unsere Musikevents war bisher absolut vielversprechend«, spricht Zink von 80-prozentiger Auslastung der Räumlichkeiten, »bei manchen Veranstaltungen mussten wir sogar zusätzliche Stehtische aufbauen.«
Konstruktive Gespräche
Dass die Musikabende nicht bei allen gut ankommen, konnten die »Medicus«-Verantwortlichen jüngst erfahren, als sich ein Bürger aus der Nachbarschaft wegen des Lärms sowohl im Lokal als auch bei der Stadt Oberkirch beschwerte. »Die Stadt hat vermittelt«, ist Zink dankbar für die Schlichterrolle, »wir hatten in der Zwischenzeit ein sehr konstruktives Gespräch.« Dennoch legt Thomas Zink Wert auf die Feststellung, dass man sich stets an die gesetzlichen Vorgaben gehalten habe und deshalb die Musikauftritte kurz nach 22 Uhr beende: »Die Stadt vertritt das Interesse der Bürger, sieht aber auch, dass ein Unternehmen einen kulturellen Beitrag leisten will.«
Zwischenzeitlich sei versucht worden, durch unterschiedliche Positionierung von Bands und Lautsprechern die Geräuschemissionen zu verringern – durchaus mit Erfolg, wie Zink versichert: »Die Situation hat sich gebessert.« Gleichzeitig verweist der Organisator auf viele positive Stimmen aus der Nachbarschaft: »Einige sind ständige Gäste, andere loben das Angebot.« Schließlich gehe es auch bei vielen Festen in der Stadt und den Ortschaften immer wieder mal etwas lauter zu und auch dort zeigten die Anwohner Verständnis: »Wenn da jeder gleich die Polizei rufen würde, hätten wir irgendwann überhaupt keine Veranstaltungen mehr«, meint Thomas Zink, der abwinkt, wenn er auf die geschäftliche Seite der Donnerstagsauftritte angesprochen wird: »Unser Grundgedanke war nicht den Umsatz anzukurbeln, sondern die kulturelle Szene in Oberkirch neu zu beleben.«


STICHWORT

Interessenkonflikt zwischen Gaststätten und Nachbarschaft

»Lärmbeschwerden gibt es überwiegend in den Sommermonaten, wenn sich das Leben draußen abspielt«, weiß Oberkirchs Ordnungsamtsleiter Christoph Lipps (Foto). Denn bei Gaststätten mit Außenbetrieb könne es zu Interessenkonflikten mit der Nachbarschaft kommen.
Die Sperrzeit für die Außenbewirtung ist in Oberkirch auf 23 Uhr festgesetzt. Früher war es 22 Uhr: Mit der Verlängerung habe die Stadt dem geänderten Freizeitverhalten Rechnung getragen. »Wir sind um einen einvernehmlichen Interessenausgleich bemüht«, erklärt Lipps und versichert, dass die Stadt zu allen Gaststätten in der Großen Kreisstadt ein gutes Verhältnis pflege. In Gesprächen könne ein Ausgleich zwischen dem Interesse von Anwohner und Gastwirt sichergestellt werden. Laut Bundes-Immissionsschutzgesetz beginnt die Nachtruhe um 22 Uhr, danach gelte es, festgesetzte Werte in puncto Lärm einzuhalten. »Wer bis 23 Uhr bewirtet, muss also sicherstellen, dass sich die Beeinträchtigungen im Rahmen halten«, betont Lipps.
Das habe man auch im Fall »Medicus« so besprochen. Demnach soll die Livemusik bis 22 Uhr beendet sein, den Toleranzbereich habe man auf 22.10 Uhr festgelegt, »da das nicht immer auf den Sekundenschlag eingehalten werden kann«. Ziel sei es dennoch, dass die letzte Zugabe um 22 Uhr gespielt ist. Mit den »Medicus«-Verantwortlichen habe man zudem über technische Optimierungen bezüglich der Schallausbreitung gesprochen. Der Ordnungsamtsleiter glaubt ohnehin, dass es hier in diesem Jahr zu keinen Beeinträchtigungen mehr komme. Witterungsbedingt werde es keine Konzerte mehr im Freien geben. 2011 werde die Stadt dann je nach Fortführung der Musikreihe erneut Kontakt aufnehmen.
Am Rande: Das Oberkircher Ordnungsamt hat in diesem Jahr keinen Bußgeldbescheid wegen Lärmbelästigung verschickt. »Wenn es Probleme gab, haben wir das immer versucht, in Gesprächen zu klären«, sagt Lipps. Und das sei auch in allen Fällen gelungen. »Es ist oft Erfolg versprechender, bei Betroffenen das Bewusstsein zu schaffen, als mit restriktiven Maßnahmen zu reagieren.«

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Jeden Donnerstag treten im Oberkircher »Medicus« bekannte und unbekanntere Künstler auf und machen Musik – ohne Gage übrigens. Eintritt wird ebenfalls nicht verlangt. Bis Januar stehen die Termine bereits fest.

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Veröffentlicht in Oberkirch

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