Aktion für die Artenvielfalt

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Bürger können sich morgen für den Erhalt der heimischen Pflanzen- und Tierwelt engagieren

Alle Bürger – Jugendliche, wie auch Erwachsene – sind morgen aufgerufen, für die Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt rund um Oberkirch die Ärmel hochzukrempeln. Beim »halben Tag für unsere Natur« werden gebietsheimische Büsche gepflanzt.

 

Bei den Aktionstagen 2008 und 2009 schafften engagierte Bürger in drei Stunden, wofür der Bauhof Tage bis Monate braucht: Sie gingen entlang des Stangenbachs 28 Vorkommen des wuchernden Staudenknöterichs an die Wurzeln und befreiten Flächen in der »Ökozelle Butschbach«, am Reichenbächle und im »Streuobstgebiet Kugeleck« von Wildwuchs, um natürlichen Wiesen wieder eine Chance zu geben. In allen Fällen halfen sie heimischen Pflanzen und Tieren dabei, Lebensraum zu finden und sich zu vermehren.
»Natur hat's schwer«
»Im Raum Oberkirch hat es die Natur besonders schwer, da die Landwirtschaft so große Bedeutung hat«, erklärt Umweltbeauftragter Georg Schäffner. Meist nahtlos gingen die intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen ineinander über, so dass zum Beispiel Samen wilder Pflanzen auf ihren Flügen kein geeignetes Biotop finden, um sich auszubreiten. Auch Insekten müssen weit fliegen, um neuen Lebensraum zu finden. Suchen sie vergebens, sterben sie.
Meinrad Heinrich, Vorsitzender der Oberkircher BUND-Gruppe, erklärt, dass viele heimische Pflanzen und Tiere rund um Oberkirch wie auf Inseln im unpassierbaren Meer landwirtschaftlich genutzter sowie versiegelter Flächen leben. Sie sind isoliert. Artenvielfalt und natürliche Entwicklung sind so nicht möglich. Die Lösung liegt in der Biotopvernetzung, die sich die Stadt Oberkirch bereits vor über zehn Jahren auf die Fahne geschrieben hat. Biotoplinien sollen wie in einem Straßennetz die einzelnen Ökozellen verbinden. Ufer kleiner Gewässer bilden dabei Linien in der Landschaft, die sich für die Vernetzung besonders anbieten – zumal der Stadt die Pflege obliegt .

Ist das Ufergehölz intakt, können Pflanzen und Tiere an Land ungehindert wandern.
Heimische Sträucher
So wie am Stangenbach. An einem Teilstück zwischen der Müllener Straße und der Furt im Gewann Rödel ist das Ufer teilweise noch kahl, nachdem eine angrenzende Obstplantage entfernt wurde. Hier möchte die Projektgruppe mit den Teilnehmern der Aktion gebietsheimische Sträucher pflanzen: Schlehen, Liguster, Hasel, Pfaffenhütchen, Hundsrose und Hartriegel.
Die Sträucher sollen auch auf der Biotopvernetzungslinie »Feldhecke Schwarzhofböschung« im Westen Oberkirchs eine neue Heimat finden und gleichzeitig Tieren neue Heimat bieten. Denn nur Pflanzen, die bodenständig und heimisch sind, können der Tierwelt auch gerecht werden. Dort, wo sich zum Beispiel der Staudenknöterich ausgebreitet hat, ist auch die Fauna arm.
Die Stadt hält für die Aktion über 200 Pflanzen bereit. Daher werden viele helfende Hände benötigt. Gärtnerische Vorkenntnisse sind nicht nötig, »nur Motivation, gute Laune und die richtige Ausrüstung«. Georg Schäffner zählt auf, was dazu gehört: festes Schuhwerk, Handschuhe und, falls vorhanden, Spaten, Hacke und Reb­schere. Bislang ist die Resonanz verhalten. Packten beim ersten Aktionstag noch 90 und im vergangenen Jahr rund 50 Bürger mit an, so sind bis heute noch nicht einmal zwei Dutzend Anmeldungen eingegangen. Auch Kurzentschlossene sind daher willkommen. »Die Stimmung bei den Aktionen ist immer toll«, freut sich Georg Schäffner und fügt hinzu: »Die zahlreichen Oberkircher Projekte für den Umweltschutz wären ohne ehrenamtliches Engagement nicht möglich.«

STICHWORT
»Ein halber Tag für unsere Natur«
Der Oberkircher Beirat für Natur- und Umweltschutz ruft morgen, Samstag, alle naturverbundenen Bürger auf, drei Stunden für die heimische Tier- und Pflanzenwelt aktiv zu werden. Treff ist um 10 Uhr beim städtischen Bauhof. Ende der Aktion ist voraussichtlich 13 Uhr. Anmeldungen – gerne auch von Gruppen – nimmt Georg Schäffner unter • 0 78 02/ 82 147 entgegen.
Die erste Fläche liegt im Gewann Schwarzhof im Westen der Stadt Oberkirch. Bepflanzt werden die letzten Teilstücke des ehemaligen Renchufers, das sich wie eine gewundene Linie rund anderthalb Kilometer durch landwirtschaftlich genutzte Fläche zieht. Das Land gehört dem Bistum Freiburg. Die Stadt pachtete die schmale Linie, um sie als »Feldhecke Schwarzhofböschung« zu einer Biotopvernetzungslinie aufzuwerten. Zweite Projektfläche ist ein 300 Meter langes Teilstück des Stangenbachs zwischen der Müllener Straße und der Furt im Gewann Rödel. Hier soll, nachdem eine Obstanlage verschwunden ist, neues Ufergehölz sprießen. ske

STICHWORT
Projektgruppe
Die Projektgruppe, die den »halben Tag für unsere Natur« seit 2008 organisiert, ist aus dem Beirat für Natur- und Umweltschutz hervorgegangen. Mit dabei sind federführend Georg Schäffner, Umweltbeauftragter der Stadt Oberkirch, Meinrad Heinrich, aktiv auch als Vorsitzender der BUND-Gruppe Renchtal, Christoph Münch vom BUND und Naturschutzbund (Nabu), Gemeinderat Frank Hell­stern sowie Karl Harz, der die Umweltgruppe beim Oberkircher Unternehmen Koehler ins Leben rief. Sie betreut bis heute einen wichtigen, renaturierten Abschnitt des Stangenbachs.

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Veröffentlicht in Oberkirch

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