Für Feuerwehr wird alles besser
Mit Kommandant Michael Wegel im entstehenden Gerätehaus unterwegs / Schön weit weg vom Schuss
»Mir fällt nichts ein, was uns hier fehlen würde.« Michael Wegel ist hoch zufrieden mit dem, was am alten Bahnhof derzeit entsteht. Das neue Gerätehaus, auf das die Acherner Feuerwehr seit 30 Jahren wartet, besitzt alles, was die Truppe benötigt – nicht luxuriös, aber sehr funktional.
Stimmen da die Verhältnisse noch? Das künftige Büro von Feuerwehrkommandant Michael Wegel im neuen Gerätehaus wird doch tatsächlich größer ausfallen als das des Oberbürgermeisters. Klaus Muttach sieht das natürlich locker und hat schon seine Späße darüber gemacht
Überhaupt ist der Verwaltungstrakt im zweiten Stockwerk über der Fahrzeughalle schön großräumig ausgefallen. Es gibt Platz für eine Bibliothek, für die Hauptamtlichen, eine Küchenzeile, den Sozialraum, für ein Gästezimmer oder den Jugendbereich. Allein der Schulungsraum ist viermal so groß wie im alten Gerätehaus. Die Verwaltungsaufgaben der Feuerwehr werden aber auch immer intensiver. »Die Dokumentation der Einsätze erfordert enorm viel Zeit«, sagt Wegel.
Das Merkmal des Hauses, die deutlich sichtbare Schräge zur Alten Bahnofstraße hin, ist die Rückseite des Schulungsraums. Eine Funktion hat die Schräge nicht, es ist vielmehr ein wohl platzierter Hingucker des Architekten Albrecht Seebacher.
Enger für Pendler
Zuletzt waren die Elektriker im Haus, derzeit werden auf der Zufahrt Leitungen auch für den EDV-Anschluss verlegt. Apropos Zufahrt: Die Straße Alter Bahnhof wird gerne von Pendlern benutzt, wenn der Park&Ride-Platz am Bahnhof mal wieder überquillt. In Absprache mit dem Ordnungsamt werden an die Autos Hinweise geheftet, dass das Parken am Alten Bahnhof künftig nicht mehr gestattet ist. Michael Wegel berichtet: »Manchmal wird gar beidseitig geparkt, die Firmen bekommen da kaum ihre Laster durch.« Und für die Feuerwehr muss künftig sowieso genügend Platz sein.
Das neue Gerätehaus hat in allen Belangen Vorteile gegenüber dem Bau von 1952/53 – vor allem die Lage. »Wir sind schön weit weg vom Schuss
Bei Übungen oder Wartungen brummen die Maschinen, das hat schon mal die Schüler nebenan gestört«, so Wegel. Er sieht nun ganz andere Möglichkeiten auch bei der Lagerkapazität, bisher sind Abrollbehälter in Oberachern oder Sandsäcke im Bauhof gelagert. Eine Zufahrt, die wie bisher an zwei Schulhöfe grenzt, ist alles andere als ideal. Eng ist sie zudem. »Wenn wir derzeit ausrücken, wollen gleichzeitig eintreffende Feuerwehrmänner zum Gerätehaus, was Komplikationen mit sich bringt.« Auch dieses Problem wird nun gelöst. Das neue Haus hat zudem eine so genannte Serviceumfahrung, so dass niemand mehr direkt vor der Halle parken muss, in der die acht Fahrzeuge stehen.
Die Damen erhalten ihren separaten Sanitär- und Umkleidebereich – wie die Herren auch mit einem modernen Display, auf dem Details zu den Einsätzen stehen. Vier Aktive sind mittlerweile in der Acherner Feuerwehr weiblich, in der Jugend ist es eine. Den höchsten weiblichen Anteil hat laut Wegel die Abteilung Önsbach.
Feuerwehrhäuser müssen barrierefrei gebaut werden, es sei denn, sie werden nicht öffentlich genutzt. Und das trifft vorerst auf Achern zu. Ein Aufzug wird daher nicht gebaut, ein Schacht allerdings schon.
Nicht im Wohnzimmer
Etwas umstritten war der Bau einer Waschhalle, schließlich könnte man Zelte, Pumpen oder Fahrzeuge auch im Hof waschen, hieß es. »Wir brauchen die Halle und haben sie auch bekommen«, sagt Wegel, »im Sinne unserer Aufgaben sind wir daher generell mit dem Neubau sehr zufrieden«. Dass es ein funktionaler, aber kein luxuriöser Bau wird, demonstriert Wegel an den Wänden in den Fluren oder im Treppenhaus, die schlicht gestaltet sind. Wegel: »Wir sind hier bei der Feuerwehr, nicht im Wohnzimmer.«
STICHWORT 1
Neubau
Der Kostenrahmen für das Feuerwehrgerätehaus beträgt 4,2 Mio. Euro. Bisher wurden Arbeiten für 2,9 Mio. Euro vergeben. Noch stehen die Arbeitsvergaben für Bodenbelag, Maler, Außenanlage sowie die Möblierung aus. Der Umzug ist für März 2011 vorgesehen.
STICHWORT 2
Schlauchwerkstatt
Prunkstück des neuen Feuerwehrgerätehauses ist die Schlauchwerkstatt, die statt eines Schlauchtrockenturms entsteht. Die Wehren aus Achern, Lauf, Renchen, Sasbach und Sasbachwalden können dort selbständig ihre Schläuche von der 60 000 Euro teuren Maschine prüfen, reinigen und zum Teil reparieren lassen.
Ein Schlauchplatzer kann für einen Feuerwehrmann beim Innenangriff üble Folgen haben, wenn er den Flammen plötzlich ohne Wasser gegenübersteht. Daher dürfen die Schläuche keine Risse haben.
Zum 1. April ist Michael Dietrich als leitende Führungskraft eigens für die Schlauchwerkstatt eingestellt worden.
Das neue Feuerwehrgerätehaus am Alten Bahnhof wird den Einsatzkräften die tägliche Arbeit in so gut wie allen Bereichen sehr erleichtern.
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