Acherner Notdienst auf Renchen ausgeweitet
Ärzte und Patienten müssen jetzt teilweise weitere Wege in Kauf nehmen
Der Ärzte-Notdienst wird ab 1. April in Renchen und Achern neu geregelt. Die beiden bis Ende 2008 getrennten Bezirke wurden zusammengelegt. Das bedeutet, dass Patienten aus Achern nachts, an Feiertagen und Wochenenden auch mal nach Renchen fahren müssen oder umgekehrt.
Der diensthabende Arzt muss für Hausbesuche seinen Aktionsradius vergrößern und weitere Wege fahren. Nötig wurde die Zusammenlegung der Notdienstbezirke, nachdem in Renchen die Dienstbelastung jedes niedergelassenen Arztes auf 73 Notdienste pro Jahr angestiegen war In Achern waren es zuletzt 38 Ärzte mit jeweils 11,4 Notdiensten pro Jahr. Mit einem gemeinsamen Notdienstplan sinkt die Zahl der Dienste für alle auf 10,1 im Schnitt.
»In den ländlichen Bezirken machen die niedergelassenen Ärzte viele Dienste«, erklärt, Doris Reinhardt, Fachärztin für Allgemeinmedizin aus Friesenheim. Sie ist als Kreisbeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg mit einem Kollegen aus Zell am Harmersbach für die Notfalldienstordnung verantwortlich. Rückläufige Arztzahlen und die Tatsache, dass immer mehr Praxissitze nicht neu besetzt werden, machen es immer schwieriger, eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten, weiß sie.
Gleichmäßig verteilen
»Um die Dienstbelastung gleichmäßig auf alle zu verteilen, müssen Raumschaften bei Bedarf zusammengelegt werden«, so Reinhardt. Dies sei »unter Mitwirkung der Ärzteschaft« in Achern und Renchen nun gelungen. Der Bezirk Achern umfasste bisher die Kernstadt und die Stadtteile außer Sasbachried und Wagshurst. Jetzt kommen Renchen, Erlach, Ulm und Wagshurst hinzu. In Sasbach und im Achertal gibt es noch eigene Notdienstbezirke.
Die Aufgabe, die Notdienste in Achern einzuteilen, hat seit fünf Jahren Beate de Bra. Bisher verteilte sie in Achern die Dienste auf 38 Ärzte, nun kann sie mit Renchen auf 43 Ärzte verteilen
Neu ist dies nicht nur für die Patienten, die wochentags von 19 Uhr bis acht Uhr, am Wochenende oder Feiertag einen Arzt brauchen, sondern auch für die Ärzte. Sie dehnen ihre Hausbesuche auf weitere Ortschaften aus und haben mit mehr Einsätzen als bisher zu rechnen. Nach Einschätzung der Kreisbeauftragten ist dies für alle zu bewältigen.
Sie beklagt, das immer mehr ärztlicher Nachwuchs ins Ausland abwandere und für die ambulante Medizin anteilig weniger Geld zur Verfügung stehe als noch vor 15 Jahren. Auch unter diesen schwierigen Bedingungen seien die Ärzte bemüht, eine flächendeckende Versorgung im Notdienst zu gewährleisten.
Der Notdienst sei jedoch nicht mit dem Rettungsdienst zu vergleichen. In lebensbedrohlichen Situationen muss der Rettungsdienst verständigt werden.
Mittel- und langfristig wird sich die Situation nach Reinhardts Einschätzung weiter verändern. Aktuell gebe es im Ortenaukreis Hausärzte, die keine Nachfolger finden. Weitere Zusammenlegungen von Notdienstbezirken werden die Folge sein. In Bad Säckingen haben niedergelassene Ärzten eine Notfallpraxis an einer Klinik eingerichtet und demnächst wird man in Offenburg diesem Beispiel folgen.
In der integrierten Leitstelle Mittelbaden besprachen Martin Pennekamp, Beate de Bra und Doris Reinhardt (von links) die neue Einteilung der Notdienste in Achern und Renchen.