Zähneknirschen in der Praxis

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Weil die Budgets erschöpft sind, müssen manche Termine bis 2011 warten / Schmerzfälle haben Vorrang

Auch in Achern kann es vorkommen, dass Zahnärzte ihre Patienten dieses Jahr nicht mehr behandeln – zumindest in Fällen, in denen keine Eile geboten ist. Betroffen sind vor allem AOK-Versicherte. Die Krankenkasse gibt jedoch Entwarnung: Noch sei kein Fall bekannt, in dem ein Patient nicht behandelt wurde.

 

Bleibt der Bohrer jetzt aus? Diese Frage stellten sich bundesweit Millionen gesetzlich Versicherter, nachdem die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung eine alarmierende Ankündigung gemacht hatte: Weil in vielen Praxen das jährliche Budget ausgeschöpft sei, könnten Patienten nur noch im Notfall behandelt werden. Diese Behauptung hatten sowohl Gesundheitspolitiker als auch Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen scharf zurückgewiesen.
Behandlung ist Pflicht
Besonders betroffen sind AOK-Versicherte, doch ist der Krankenkasse nach eigenen Angaben bisher kein Fall bekannt, in dem einem Patienten die Behandlung verweigert wurde. »Das Problem am Jahresende gibt es schon länger«, sagt ein Sprecher der AOK Südlicher Oberrhein gegenüber der ARZ. »Die Zahnärzte sind verpflichtet zu behandeln und das tun sie auch.«
Ähnlich äußerte sich Guido Reiter, Sprecher der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg und relativierte damit zugleich die Aussagen des eigenen Bundesverbands. »Hier werden keine Praxen zugesperrt«, so Reiter. Krankenkassen wie die AOK hätten allerdings tatsächlich Probleme zu beklagen, allein schon wegen ihrer hohen Mitgliederzahl. Der Verbandssprecher rechnet vor: Das AOK-Budget für Zahnerhaltungen betrage fürs gesamte Bundesland 338 Millionen Euro pro Jahr. Damit diese Rechnung aufgeht, dürften in den ersten drei Quartalen planmäßig nur 250 Millionen Euro verbraucht werden. Tatsächlich ausgegeben wurden 264 Millionen – 14 Millionen zu viel. »Wenn es möglich ist, verschieben betroffene Zahnärzte deshalb mitunter die Behandlungen, die sehr kostenintensiv sind«, so Reiter. Schmerzfälle kämen jedoch immer an die Reihe. »Bei Füllungen ist das etwas anderes

Da kann es passieren, dass sie eventuell erst im neuen Jahr ausgetauscht werden.«
»Wir arbeiten umsonst«
In Achern ist Peter Macher einer der wenigen Zahnärzte, die bereit sind, die aktuelle Diskussion öffentlich zu kommentieren. »Es ist ganz einfach«, erklärt der Mediziner, »wenn unser zugeteiltes Budget erschöpft ist, arbeiten wir umsonst.«
Neben der reinen Behandlung kämen noch Material- und Personalkosten hinzu. Zwischen 220 und 280 Euro koste der Betrieb einer Praxis pro Stunde. »Die jetzige Situation ist ein unzumutbarer Zustand«, schimpft Macher – letztes Jahr habe er unfreiwillig drei bis vier Wochen unbezahlt gearbeitet.
Lieber verschieben
Dennoch verspricht der Acherner Zahnarzt, niemanden wegzuschicken: »Wir sind am Limit, aber das nehmen wir in Kauf. Natürlich weisen wir keine Patienten ab, die Schmerzen haben.« Dass weniger dringende Fälle das Nachsehen haben, bestreitet Macher nicht. Besonders teure Sanierungsmaßnahmen, die nicht unbedingt sofort geschehen müssten, werde er ins neue Jahr hinausschieben.
Und wenn ein hiesiger Zahnarzt aus Kostengründen dennoch einen Schmerzpatienten abweisen sollte? In einem solchen Fall hilft nur eins: sofort die zuständige Krankenkasse informieren und auf Abhilfe warten.

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Kommt ein Patient mit akuten Schmerzen in die Praxis, wird er auch behandelt. Bei Füllungen und anderen teuren Sanierungen lassen sich Zahnärzte mitunter bis nächstes Jahr Zeit.

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Veröffentlicht in Achern

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