Wintermärchen ergreifend in Szene gesetzt
Carsten Dittrich und »piano.vocal« begeisterten mit der Inszenierung des Weihnachtsmärchens »Ist das Leben nicht schön?«
Schauspieler Carsten Dittrich, Cellistin Anne Heinrich und das Duo »piano.vocal« feierten am Donnerstagabend eine gelungene Premiere ihrer szenischen Lesung »Ist das Leben nicht schön?« Die Besucher im Oberkircher »freche hus« wurden tief berührt.
Eine erfolgreiche Inszenierung in neuem Gewand auf die Bühne zu bringen, ist ein heikles Unternehmen. Der Zuschauer setzt Vergleiche, bewertet, noch ehe das Stück zu Ende geführt ist. Dabei gerät die Geschichte leicht in den Hintergrund Carsten Dittrich ist mit seiner Interpretation des Wintermärchens »Ist das Leben nicht schön?« das Kunststück gelungen, das Publikum von seinem Richterpodest zu holen und in die verzweifelte Suche eines Mannes nach dem Sinn seines Lebens hineinzuziehen. Ganz so, als sei es das eigene Schicksal, das sich auf der Bühne des »freche hus« abspielt.
Der Oberkircher Schauspieler hat die Erzählung von Philip Van Doren Stern, »It’s a wonderful life«, die 1946 in den USA zu einem Klassiker verfilmt wurde, neu geschrieben. Ergreifend schildert er die Verzweiflung des Bankers George Bailey nach dem Verlust von 8000 Dollar. Der Mann mit dem großen Herzen, der in seinem Leben vielen Menschen geholfen und selbst Verzicht geübt hat, scheint just am 24. Dezember unter der eigenen Scham und der Bosheit seines Kontrahenten, der Heuschrecke Mr. Potter, zu zerbrechen. Das ist der große Moment seines Schutzengels Clarence, der als schräger, alter Mann mit Knubbelnase und Bauchansatz in Erscheinung tritt und sich durch seinen selbstlosen Einsatz Flügel verdienen möchte. Sekundenschnell schlüpfte Carsten Dittrich bei der Premiere in die Haut der verschiedenen Personen, wechselte Stimme und Körperhaltung. Er imitierte den Ulk des Engels genauso gekonnt, wie die Zweifel des Bankers, der sich verloren fühlt. Gespickt mit Weisheiten aus Mark Twains Roman »Tom Sawyer und Huckleberry Finn« führte er durch die Schattierung der Emotionen, von der Verzweiflung über den Zweifel bis hin zur tiefen Erkenntnis, die George Bailey wieder ins Leben zurückruft.
Mr. Potters Lachen über seinen Coup, den der Schauspieler in einem genialen Schattenspiel präsentiert, erscheint im Angesicht der Wärme, die den Geschädigten am Ende seines Weges umfängt, wie das Krächzen eines einsamen Vogels in der kalten Winterwelt. Er ist reich an Geld und Macht, aber arm an Liebe. Einfühlsam und eindringlich untermalten Hannes Schmidt und Ralf Brandstetter von »piano. vocal« sowie Cellistin Anne Heinrich die weihnachtliche Geschichte. Sie malten den Hintergrund mal melancholisch tragend, dann wieder heiter, durch einzelne Töne oder wohlgefällige Melodien. Gleichzeitig gaben sie eine musikalische Antwort auf die Themen der einzelnen Szenen. Dabei wechselten sie gekonnt zwischen verschiedenen Genres, von traditionellen Weihnachtsliedern, von Leonhard Cohen, bis hin zum rockigen »Power of love« von »Frankie goes to Hollywood« und dem Popsong »Time after time« von Cindy Lauper.
Die Symbiose von szenischer Lesung, Poesie, Theater und Musik ist den vier Künstlern beeindruckend gelungen. Und erst das gemeinsame Singen eines Weihnachtsliedes ließ viele Besucher aus der Haut des George Bailey entweichen und wieder im »freche hus« ankommen. Sie dankten für den gelungenen Abend mit der frenetischen Forderung nach zwei Zugaben.
STICHWORT
Nächste Chance im Kurhaus
Die Inszenierung des Wintermärchens »Ist das Leben nicht schön?« wird am Sonntag, 12. Dezember, ab 19 Uhr, im Kurhaus Bad Peterstal wiederholt. Einlass ist um 18 Uhr, es besteht freie Platzwahl. Im Vorverkauf gibt es Karten in Kellers Friseurstube, in Carmens Blumenoase oder bei der Tourist-Info für 10 Euro. Auch per E-Mail unter events@sichtwechsel-medien.de können Karten erworben werden. An der Abendkasse kosten die Karten dann 12 Euro.
Carsten Dittrich (Mitte) bei der Darstellung des unsicheren Onkels Billy, thematisch und musikalisch unterstützt von Sänger Ralf Brandstetter (links) und Cellistin Anne Heinrich und Hannes Schmidt
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