Wie die Renchbrücke bei Stadelhofen gerettet wurde

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Vor 65 Jahren sollte das Bauwerk gesprengt werden / Zeitzeugen erinnern sich an das Kriegsende im Oberkircher Ortsteil / Eine kleine List half

 

http://www.baden-online.de/news/images/news_lokales/artikel_arz/19321_1.jpgGenau 65 Jahre ist es her, dass kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges französische Truppen in Stadelhofen und tags darauf auch in Oberkirch einmarschierten Einige Männer aus der Ortschaft, die meisten schon über 80 Jahre alt, können sich noch sehr genau an die Ereignisse Mitte April 1945 erinnern, die sie als Jugendliche miterlebten. Und sie wissen auch, warum die Stadelhofener Brücke über die Rench noch steht.
Willi Hund beispielsweise, er war damals 17 Jahre alt, war am Freitag, 13. April, bei herrlichem Wetter dabei, auf dem Erlacher Feld Kartoffeln zu pflanzen. Er hörte Schüsse der näher rückenden Front und sah, wie deutsche Soldaten am Erlacher Kreuz der Renchener Straße Geschütze in Stellung brachten. Die Renchbrücke in Erlach wurde gesprengt, davon konnte er sich überzeugen, als er am Sonntag mit zwei Freunden zu Fuß zum Nachbarort lief.
Am Samstag, 14. April, wurde in Stadelhofen Sturm geläutet, daran erinnert sich Herbert Grimmig, der jetzt ebenso wie Fritz Ernst und Wilfried Hodapp an einer Gesprächsrunde bei Willi Hund teilnahm, wo sie die Erinnerungen an damals austauschten. Die Renchbrücke in Stadelhofen war für eine Sprengung vorbereitet, um den Vormarsch der französischen Truppen zu verhindern; Zündschnüre und Ladung waren bereits gelegt.
Zwei Männer vom Volkssturm, Wilhelm Grimmig und Karl Grimmig, »Hanse-Karl« genannt, hatten die Aufgabe, die Brücke zu bewachen. Der Feldwebel, der die Sprengung durchführen sollte, wurde in der Zwischenzeit im Gasthaus »Linde«, unmittelbar neben der Brücke, mit scharfen Getränken versorgt

Diese Gelegenheit nutzten zwei beherzte Einwohner, um unter die Brücke zu klettern, die Zündschnüre durchzuschneiden und nur lose miteinander zu verknoten, so dass die Beschädigung nicht gleich bemerkt wurde.
»Beide Brückenwächter schwebten in Lebensgefahr, der Feldwebel drohte, sie zu erschießen«, erinnert sich Herbert Grimmig. Dazu kam es nicht, der als Sprengmeister vorgesehene Feldwebel zog sich nach Oberkirch zurück.
Nicht weniger dramatisch entwickelte sich die Situation bei der Panzersperre, die beim Anwesen Ludwig Hund durch Männer des Volkssturms geschlossen werden sollte. Den Befehl hierzu gab Ortsgruppenleiter Wolfgang König. Doch die Männer weigerten sich, das zu tun, vor allem Franz Schindler, damals schon 50 Jahre alt, war dabei der Wortführer. König ging und ließ Unruhe und Unsicherheit zurück, befürchtete man doch, er würde in Oberkirch Meldung machen und mit SS-Leuten zurückkehren. Bis zum Schwarzhof sei die SS tatsächlich auch gekommen, so Wilfried Hodapp. Als Glück für die Befehlsverweigerer habe es sich erwiesen, dass zu diesem Zeitpunkt bereits französische Panzer auf dem Kirchplatz in Stadelhofen standen. Der Einmarsch der Franzosen am Sonntag, 15. April, war ohne jeden Schusswechsel erfolgt, die letzten deutschen Soldaten hatten sich nach Oberkirch zurückgezogen. Die Panzer kamen teils über die unzerstörte Renchbrücke, die sich dabei, laut »Hanse-Karl«, um 80 Zentimeter senkte und später von französischen Pionieren abgestützt wurde. Andere Panzer fuhren hinter der heutigen Renchtalhalle direkt durch die Rench. Von der großen Linde an der Renchener Straße wurden dann die französischen Panzer unter Feuer genommen, einige Granaten schlugen auch in Stadelhofen ein, ohne größeren Schaden anzurichten. Ortsgruppenleiter König wurde verhaftet.
Der Ortspolizist musste ausschellen, dass alle Waffen abgegeben werden müssen. Jedem, bei dem noch Waffen im Haus gefunden werden, drohte man die Erschießung an. Schon bald lag ein großer Haufen Waffen auf dem Kirchplatz beim »Ochsen«, der dann von den französischen Panzern zusammengewalzt wurde.
Wohnhaus geräumt
Am Sonntagabend traf auch Artillerie in Stadelhofen ein, die Stellung beim Storchenbauern sowie im Hof bei Ludwig Hund und August Hund bezog. »Wir mussten das Wohnhaus räumen, hier wurde die Schreibstube eingerichtet«, erinnert sich Willi Hund, die Familie schlief im Keller. Bäume wurden gerodet, um freies Schussfeld zu haben. Am Montagmittag wurde das Feuer aufgenommen, über hundert Granaten wurden Richtung Oberkirch, Gaisbach und Wolfhag abgefeuert, wo zahlreiche Höfe in Flammen aufgingen. Die Panzer fuhren dann weiter Richtung Oberkirch, wo es kaum Widerstand gab, die Stadt wurde eingenommen.
Am Kriegsende wurde Stadelhofen damit von kriegerischen Auseinandersetzungen verschont. Wilfried Hodapp erinnert sich aber auch an den 27. November 1944, wo der Ort durch einen Bombenangriff in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ziel des Angriffs, der von Achern her erfolgte, war das Progresswerk. Acht Bomben wurden abgeworfen, eine verfehlte das Fabrikgelände nur um 15 Meter, zwei erwiesen sich als Blindgänger. Richtung Appenweier und Offenburg hatten die Bomber dann abgedreht.

http://www.baden-online.de/news/images/news_lokales/artikel_arz/19321_1.jpgDiese Statue wurde 1950 von Franz Schindler auf seinem Gelände an der Rainstraße 8 hinter dem Renchdamm errichtet – als Dank, dass seine Familie den Krieg heil überstanden hat.

 

Jetzt klicken und 10 Tage kostenlos Zeitung lesen

Werbung

Veröffentlicht in Erlach

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post