Wehr: Behörden fordern Umbau statt Fischtreppe
Vorschlag der Müllener Wehrgenossen findet keine Mehrheit
Bezogen auf einen Umbau sind die Schleusen des Müllener Wehrs weiter geschlossen. Die Behörden haben einen Vorschlag der Wehrgenossen abgelehnt, Fischtreppen an ihren Mühlen zu bauen und stattdessen weniger Wasser in der Rench zu belassen.
Bei einem Termin im Oktober wollen Vertreter von Fischereibehörde, Landratsamt und Müllener Wehrgenossen besprechen, wie es mit der Sanierung des Müllener Wehrs weitergehen soll Die ist seit drei Jahren ein Streitpunkt, weil sich die Wasserkraftanlagenbetreiber und die Behörden nicht auf die Restwassermenge einigen können, die nicht in den Kanal abgezweigt werden und im Fluss verbleiben soll. Die Genossen halten 300 Liter pro Sekunde in der Rench für angemessen, die Behörden fordern 700 Liter. Dieser Wert ist laut einem Gutachten nötig, um den Fluss in einen guten ökologischen Zustand zu bringen, den die EU-Wasserrahmenrichtlinien ab 2015 verlangen.
Fest steht für die Fischereibehörde schon vor dem Treffen, dass ein Vorschlag der Wehrgenossen nicht zum Zuge kommen wird. Sie hatten laut Landratsamts-Sprecher Christian Eggersglüß vorgeschlagen, Fischtreppen an ihren Anlagen zu bauen und auf 100 Liter pro Sekunde zu verzichten, die dann am Fischaufstieg vorbeigeleitet werden würden. Der Vorsitzende der Wehrgenossenschaft, Matthias Walz aus Erlach, wollte sich auf ARZ-Anfrage nicht äußern.
In seiner derzeitigen Form ist das Wehr ein Wanderungshindernis für Fische; der Rest der Rench ist hingegen nach aufwendigen Sanierungsarbeiten (die ARZ berichtete) durchgängig. »Eine Fischtreppe steht aber nicht zur Debatte«, macht Joachim Müller-Bremberger, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Freiburg, die Sicht der Fischereibehörde deutlich. Es gehe beim Umbau des Wehrs auch um eine ökologische Verbesserung des Gewässers
»Und da gibt es aus fachlicher Sicht keinen Verhandlungsspielraum bei der Wassermenge.« Ein Gutachter hatte diese schon von 900 auf 700 Liter reduziert, indem er die Sanierungsmaßnahmen berücksichtigte.
STICHWORT
IG Rench fordert mehr Wasser
Klaus Jülg, Sprecher der IG Rench, hält eine Fischtreppe an den Wasserkraftanlagen für »Humbug«. Jülg erwartet in diesem Jahr die ersten ausgesetzten Lachse von ihrer Wanderung ins Meer zurück. Ihr Weg endet derzeit am Wehr. Eine Fischtreppe an den Wasserkraftanlagen sei keine Lösung, weil sie die Lachse nicht nutzen können.
In der IG Rench haben sich verschiedene Angelvereine und Fischpächter zusammengeschlossen. Jülg und seine Kollegen setzen sich vehement dafür ein, dass mehr Wasser in der Rench verbleibt. »Die Mindestwassermenge von 300 Litern wird schon jetzt des Öfteren nicht eingehalten.« Zu einem Fischsterben wegen Niedrigwasser sei es in diesem Sommer nicht gekommen.
»Wir dürfen dem Fluss nicht noch mehr Wasser entziehen«, sagt Jülg. Er spielt darauf an, dass inzwischen viele Quellen der Rench gefasst sind oder Wasser zur Bewirtschaftung abgepumpt wird. Zudem müsse Versiegelungswasser wieder dem Fluss zugeführt werden. Alle drei Punkte sind Gründe dafür, dass in der Rench nicht mehr so viel Wasser fließt wie früher. Die IG Rench will deshalb 2010 das Thema Wassersparen bei einer Podiumsdiskussion behandeln.
300 Liter Wasser pro Sekunde fließen am Müllener Wehr in die Rench weiter – zu wenig, sagen Behörden und Angler