Wassermangel: Asyl im Gartenteich

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Zwei Ringelbacherinnen retteten Steinkrebse aus einem leer gepumpten Bach / WKD ermittelte

Lebensretter: Zwei Ringelbacherinnen evakuierten Krebse und Forellen aus dem Bürgerwaldbach, nachdem dieser fast völlig ausgetrocknet war – als Folge illegaler Wasserentnahme.

 

Eigentlich bekommen Heike Huber und Britta Jung die Ureinwohner des Baches, der die Grundstücke der Hubers und Jungs in Ringelbach voneinander trennt, nur äußerst selten zu sehen Die Steinkrebse, die den Bürgerwaldbach bewohnen, sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber gerne unter Steinen im Wasser. In diesem Sommer jedoch kommen die Krebse des Öfteren auch am Tag zum Vorschein – meistens sind sie dann aber schon tot. Erstickt, weil der Bürgerwaldbach kein Wasser mehr führt, aus dem die Krebse Sauerstoff beziehen können.
Daran ist nicht nur die Hitze schuld: »Vor drei Jahren konnten wir unsere Nachbarn nicht hören, weil der Bach alles übertönte«, erinnert sich Britta Jung. Doch im Laufe der Zeit hat der Wasserspiegel auch im Winter kontinuierlich abgenommen. Als der Bach, der im Frühjahr auch schon mal knietief ist, vergangene Woche nur noch an einigen Stellen einen dünnen Wasserfilm führte, abrupt versiegte und größtenteils ausgetrocknet war, schalteten Britta Jung und Heike Huber die Polizei ein. Der Wirtschaftskontrolldienst entdeckte unter einem Stein versteckt ein Saugrohr, mit dem illegalerweise große Wassermengen in eine Zisterne abgepumpt wurden.
Auf den Grundstücken der beiden Nachbarinnen zeigten sich die ökologischen Folgen der Pumpaktion: Auf 30 Metern Bachbett fanden sich fünf tote Krebse sowie eine tote Bachforelle, die mehr als 30 Zentimeter maß. Zahlreiche Krebse und Fische sammelten sich in den verbliebenen Wasserlachen.
Britta Jung und Heike Huber handelten, fingen die lebenden Krebse und Forellen mit Besen und Kehrschaufel ein

 

Während sie die Forellen in einem Kübel in die Rench fuhren und dort aussetzten, erhalten die Krebse nun behelfsweise im Gartenteich der Hubers und in einem Aquarium Asyl. Die beiden Nachbarinnen füttern sie dort mit Fischfutter aus der Zoohandlung. Am Bach versuchten sie unterdessen, in flachen Stücken etwas Wasser zu stauen, um dort zumindest einigen Krebsen eine Heimat zu bieten.
Pumpaktion
Das Engagement der beiden für die Krebse erwachte vor fünf Jahren: Auch damals lagen mehrere Krebsleichen am Ufer. Seither werfen sie immer mal wieder ein Auge auf ihre gepanzerten Nachbarn. Um diese bald wieder an ihren gewohnten Lebensraum zurückbringen zu können, hoffen sie auf Regen, wenngleich der Wasserspiegel sich gegenüber dem Stand unmittelbar nach der Pumpaktion leicht erhöht hat.
Der vom WKD ermittelte Zisterneneigentümer muss mit einem Strafbefehl oder einem Gerichtsverfahren rechnen: Wer Gewässer verunreinigt oder nachhaltig beeinflusst, indem er etwa im Sommer Wasser abpumpt, kann mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.

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Veröffentlicht in Erlach

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