Vorerst ohne Abfindungen?
Bis alle Vermögenswerte der insolventen Firma Lott zu Geld gemacht werden, kann es Jahre dauern
Es ist ein Katastrophe für die 63 Mitarbeiter und eine Chance für Oberachern, dass die 1870 gegründete Firma Lott Feinpappen nach der Insolvenz keinen Käufer gefunden hat. Laut Insolvenzverwalter kann es Jahre dauern, bis alle Vermögenswerte zu Geld gemacht und das Gelände vermarktet sind.
Bis Montag vergangener Woche hatten die Mitarbeiter auf einen neuen Investor gehofft. Mehrmals sei ein ernsthafter Interessent da gewesen, berichtet Betriebsratsmitglied Daniel Köppel. »Wir haben eigentlich damit gerechnet, dass man uns Vollzug meldet«, erinnert er sich Dass niemand das Unternehmen übernehmen will, habe die Mitarbeiter schockiert. Die schlechte Nachricht sei ruhig und gefasst aufgenommen worden, doch die Enttäuschung sei groß.
Arbeit haben die Lott-Mitarbeiter in der Produktion weiterhin. Nachdem die Kunden von der Schließung zum Jahresende informiert wurden, kamen verstärkt Bestellungen an, so Köppel. Schließlich produziere man bei Lott Feinpappen und Spezialpappen in einer Qualität, die andere nicht liefern könnten. »Es gibt hier eine gewisse Wut auf die letzten beiden Geschäftsführer«, sagt der Betriebsrat ganz offen.
Nicht lang geblieben
Die Planungen des Kanadiers Bob Roche hätten sich den Mitarbeitern nie wirklich erschlossen und außer zwei bis drei kleinen Aufträgen aus Übersee sei aus der Erschließung neuer Märkte nichts geworden. Sein Vorgänger Gerd von Wedemeyer sei ebenfalls nicht lang geblieben, habe kaum investiert, dafür aber Teile des Unternehmens verkauft. Das Geschäftsfeld Kunststoff-Spritzguss habe er veräußert und der Firmenparkplatz in der Johannesstraße – heute wird dort ein Baugebiet geplant – sei in seinen Privatbesitz übergegangen. »Da war das Tafelsilber sozusagen weg«, so Daniel Köppel.
Weg war mit dem letzten Besitzer Bob Roche auch eine Menge Geld. »Die Firma Lott hat noch Ansprüche ihm gegenüber«, formuliert Insolvenzverwalter Ferdinand Kießner von Schultze und Braun aus Achern
Sobald die Staatsanwaltschaft auf ihn zukomme, werde er gern Unterlagen zur Verfügung stellen. Lockere Kontakte zu dem Kanadier habe er noch. Roche habe sogar ein Angebot zur erneuten Übernahme der Firma gemacht. »Es gab aber keine Finanzierungsbestätigung«, so Kießner.
»Nicht viel Vertrauen«
»Da wäre nicht viel Vertrauen gewesen«, sagt Mitarbeiter Daniel Köppel zu der Möglichkeit einer Rückkehr des seit Juni nicht mehr gesehenen Kanadiers. Der Vorwurf der verspäteten Insolvenzantragstellung ist nach den Worten des Insolvenzverwalters »mit Händen zu greifen.«
Kießner bedauert, dass die bereits gefertigten Vertragsentwürfe von einem Interessent aus der Region nicht unterzeichnet wurden. Doch wenn die Umsatzerwartungen zu gering seien und vielleicht die Gefahr bestehe, dass weitere Kunden abwandern, dann könnte das ein Grund sein. Derzeit werde mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft ein Sozialplan verhandelt, so Kießner. Gern würde er dabei das gesetzlich vorgesehene Maximum von zweieinhalb Monatsgehältern ausschütten.
Das wären insgesamt rund 500 000 Euro für alle Mitarbeiter. Doch der Gesetzgeber habe die Ausschüttung auf ein Drittel der Summe begrenzt, die für die Gläubiger zur Verfügung steht.
Für die sei aber bisher gar nichts da. »Wir sind jetzt am Anfang eines Einzelverwertungsverfahrens«, erklärt der Insolvenzverwalter. Deshalb könne es noch Jahre dauern, bis Abfindungen ausbezahlt werden. Kießner: »Ich wäre da nicht zu optimistisch, ob es tatsächlich dazu kommt.« In der Vermarktung des Geländes sieht er »eine Chance für den Ort.«
Ende des Jahres gehen die Lichter aus in der 140 Jahre alten Pappenfabrik Lott in Oberachern.
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