Volksbank auf Wachstumskurs
Vorstandsvorsitzender Richard Bruder erläuterte Mitgliedern in Oberkirch die neuesten Entwicklungen
Die Volksbank Offenburg sieht sich für die Zukunft gut gerüstet. Vorstandsvorsitzender Richard Bruder hat das gestern bei der Mitgliederversammlung in Oberkirch mit Zahlen unterlegt. Zuversicht weckt auch der erfolgreiche Bankenstresstest der Genossenschaftsbanken.
Die Mitgliederversammlung der Volksbank Offenburg im Jahre 2010 zog wieder Hunderte von Mitgliedern in die Erwin-Braun-Halle nach Oberkirch. Vor festlich dekorierter Kulisse berichtete Vorstandsvorsitzender Richard Bruder über die Entwicklung der Volksbank Zunächst ging er kurz auf die sich in den letzten Monaten veränderten politischen und wirtschaftlichen Rahmendaten ein. Eine Vielzahl neuer, staatlicher Regulierungen kommt auf die Banken zu.
Wichtig hierbei ist, dass die genossenschaftliche Bankengruppe sehr gut aufgestellt sei. Dies habe auch der »Bankenstresstest« eindeutig bewiesen. Die genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ Bank und WGZ Bank hatten ihn eindrucksvoll bestanden. Viele andere Banken konnten dies nur durch die staatlichen Hilfen erreichen.
Die beiden wichtigsten Neuerungen, welche die Volksbank Offenburg betreffen, sind die geplante Bankenabgabe sowie die neuen Regelungen für die Eigenkapitalausstattung, auch als Basel III bekannt. Grundsätzlich sei eine Vorsorge für Krisenzeiten eine gute Entscheidung. Aber es sei für die Volksbanken nur schwer nachvollziehbar, dass die Genossenschaftsgruppe, die als einzige Bankengruppe keine staatlichen Hilfen in Anspruch nehmen musste, jetzt auch zur Kasse gebeten wird.
Die neuen Eigenkapitalvorschriften sind für die Volksbank Offenburg kein Problem. »Wir sind hier sehr gut aufgestellt und können auch nach den neuen Regeln allen Kreditwünsche unserer Kunden nachkommen«, bestätigte Bruder.
Auch auf die Überlegungen eines europaweiten einheitlichen Einlagensicherungssystems ging Bruder ein. Diese sehen vor, dass maximal 100 000 Euro pro Kunde abgesichert sind
»Für die Kunden der Volksbank Offenburg ist dies ein Rückschritt. Bei uns sind alle Einlagen zu 100 Prozent über unseren eigenen Sicherungsfonds abgesichert«, führte Bruder aus.
Im Anschluss erläuterte Bruder die Schuldenkrise der Euro-Staaten und die Entwicklung der Weltwirtschaft. Für die Entwicklung in Deutschland zog Bruder ein positives Resümee. »Diese Wachstumswerte sind schon beeindruckend«, so Bruder.
Zinsanstieg erst 2011
Auch das derzeit extrem niedrige Zinsniveau, das in den vergangenen zwölf Monaten nochmals deutlich gefallen ist, erläuterte Bruder. »Wir gehen davon aus, dass das Zinsniveau erst im Laufe 2011 leicht ansteigen wird.« Trotz des niedrigen Zinsniveaus sind die Vermögensanlagen bei der Volksbank um 4,9 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die Einlagen der Privatkunden wuchsen sogar um 8,9 Prozent auf 673 Mio. Euro. Das Kreditgeschäft hat sich mit rund einer Milliarde Euro auf hohem Niveau stabilisiert. Insgesamt wurden bis September 160 Millionen Euro neue Kredite ausgegeben, davon alleine 100 Millionen Euro an Firmenkunden. Ein Wert, der die Funktion der Volksbank als Bank und strategischen Partner des Mittelstandes verdeutlicht. Zudem weist das Wohnbaugeschäft mit einem Plus von 5,2 Prozent auf 343 Millionen Euro eine sehr erfreuliche Entwicklung auf. Insgesamt 811 Finanzierungen mit einem Volumen von rund 58 Millionen Euro trugen ihren Teil zu dem Ergebnis bei.
In seinen abschließenden Worten betonte der Vorstandsvorsitzende nochmals die Wichtigkeit des Teilmarkts Renchtal für die Volksbank Offenburg. Das belegen auch die Zahlen ganz deutlich: 17 200 Kunden, 8455 Mitglieder und ein Gesamtkundenvolumen von circa 495 Millionen Euro sind dem Bereich Renchtal zuzurechnen.
Die Volksbank investiert auch in ihre Filialen: So wurde die Geschäftsstelle Legelshurst umgebaut und ein Geldausgabeautomat installiert, das Beratungscenter Appenweier wird gerade komplett neu gestaltet und in Willstätt wird eine neue Geschäftsstelle entstehen. Der Spatenstich hierfür ist vor wenigen Wochen erfolgt.
STICHWORT
»Gefangen im
Niedrigzins?«
Einen Vortrag über modernes Vermögensmanagement hielt Volksbankdirektor Markus Dauber bei der Mitgliederversammlung. Sein Motto war eine Frage: »Gefangen im Niedrigzins?« Dauber sprach zunächst Trends an, die sich in Folge der Finanzkrise ergeben haben:
Für die kommenden Jahre ist mit einem niedrigeren Potenzialwachstum zu rechnen (drei statt vier Prozent).
Die Wirtschaftszyklen werden kürzer.
Die Staaten mischen sich mehr regulierend ein.
Anleger scheuen das Risiko, wenden sich von Aktien und Staatsanleihen aus Peripherländern ab und favorisieren Bundesanleihen und Gold.
Die Inflation steigt langfristig. 2010 und 2011 gibt es in Europa und den USA aber keinen nennenswerten Inflationsdruck.
Anleger investieren laut Dauber trotz niedriger Zinsen in Geldmarktpapiere wie Tagesgelder. Auch weil sie Angst vor steigender Inflation haben, suchen sie nach einer sicheren Geldanlage, die aber gleichzeitig Rendite bringt. Dauber hält neben Flexibilität und schneller Reaktionszeit auch Anlagen für nötig, deren Risiken auf die Kundenbedürfnisse abgestimmt sind.
Volksbankdirektor Markus Dauber (oben) und Vorstandsvorsitzender Richard Bruder sprachen bei der Mitgliederversammlung in Oberkirch.

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