Viele Berufsanfänger fahren zweigleisig
Ausbildungssituation im Renchtal: Wer den Wunschjob nicht bekommt, hängt ein Schuljahr dran / Aktuelle Zahlen erst Ende Oktober
Verlässliche Zahlen über freie und besetzte Ausbildungsplätze im Renchtal werden von der Bundesagentur für Arbeit erst Ende Oktober vorgelegt. Doch schon jetzt zeigt sich, dass aufgrund einer rückläufigen Zahl von Berufsanfängern der Kampf um die besten Köpfe immer früher beginnt.
Das Ausbildungsjahr 2010/11 hat begonnen. Werner Noltenhans erwartet für das Renchtal ähnliche Zahlen wie 2009 was Ausbildungsverträge, offene Stellen und die Zahl junger Menschen ohne Ausbildungsplatz angeht Noltenhans ist in der Agentur für Arbeit in Offenburg Teamleiter für den Bereich U 25-Berufsberatung.
Im Vorjahr gaben die Kammern für das Kreisgebiet 3250 eingetragene Ausbildungsverhältnisse an. Bei der Agentur waren zuvor knapp 2800 Stellen gemeldet worden. »Man sieht daran, dass nicht alle Stellen bei uns gemeldet werden.« In diesem Jahr sei die Quote der gemeldeten Stellen indes höher. Daraus könne man aber nicht zwangsläufig auf eine höhere Zahl von Beschäftigungsverhältnissen schließen.
2009 waren im Kreis am Ende des Jahres noch 20 Jugendliche auf der Suche nach einem Arbeitsplatz. Dem standen 35 unbesetzte Stellen gegenüber. Die Zahlen für 2010 werden erst Ende Oktober veröffentlicht. »Viele Berufsanfänger fahren heute zweigleisig. Wenn sie ihren Wunschjob nicht finden, hängen sie noch ein oder zwei Jahre an einer Berufsfachschule dran«, weiß der Berufsberater.
Neben der Bundesagentur kümmert sich auch die Kommunale Arbeitsförderung des Landratsamtes um die Vermittlung von Auszubildenden, speziell aus dem Bereich Hartz IV. Dabei handelt es sich nach Auskunft von Noltenhans um einen kleineren Personenkreis. Knapp 200 davon versucht die Kommunale Arbeitsförderung ebenfalls über die Bundesagentur zu vermitteln.
Der Kampf um die besten Köpfe für 2011 hat längst begonnen.
Während einige noch in diesem Jahr auf Ausbildungsplatzsuche sind, hat der Kampf um die besten Köpfe fürs kommende Jahr längst begonnen
Einige Betriebe haben die Bewerbungsfrist für 2011 schon abgeschlossen. Noltenhans: »Wir sehen, dass einige Unternehmen bis zu 18 Monaten vor dem Ausbildungsbeginn schon junge Leute an sich binden, um der demografischen Entwicklung mit einer sinkenden Zahl von Berufsanfängern zuvorzukommen.«
Eine Besonderheit führt der Berufsberater indes für das Jahr 2012 an, wenn es wegen der Umstellung aufs achtjährige Gymnasium einen Doppel-Jahrgang gibt, der Abitur macht. Dann werde ausnahmsweise eine größere Zahl junger Menschen auf den Ausbildungsmarkt drängen.
Wie sieht es aktuell in Renchtäler Unternehmen aus? 21 Auszubildende hat das Progress-Werk Oberkirch (PWO) in diesem Jahr eingestellt. Hinzu kommen ab heute drei DH-Studenten, die ihr erstes Semester bei PWO in Kooperation mit der Dualen Hochschule Karlsruhe beginnen. Der Großteil der Auszubildenden wird im gewerblichen Bereich eingesetzt: 13 Werkzeugmechaniker, zwei Industriemechaniker, drei Mechatroniker und ein Maschinen- und Anlagenführer. Dazu zwei Industriekauffrauen. Bei den Studenten handelt es sich um drei Maschinenbauer.
»Auszubildende sollen sich auch gesellschaftlich für Andere einsetzen.«
Die betriebliche Ausbildung hat nach Unternehmensangaben einen sehr hohen Stellenwert. Aktuell sind beim Automobilzulieferer insgesamt 112 Auszubildende und DH-Studenten beschäftigt. Die gesellschaftliche Verantwortung beschränkt sich nach Firmenangaben nicht nur auf eine fachliche Ausbildung, sondern bedeutet auch, das soziale Engagement der Auszubildenden und DH-Studenten zu fördern (wir berichteten).
Die Auszubildenden und DH-Studenten sollen sich dabei persönlich weiterentwickeln und es auch für wichtig empfinden, sich gesellschaftlich und sozial für Andere einzusetzen, teilt PWO mit.
Neun Auszubildende hat die Doll Fahrzeugbau AG 2010 eingestellt. Mit insgesamt 45 Auszubildenden liegt das Unternehmen inzwischen deutlich über dem selbst definierten strategischen Ziel, das eine Ausbildungsquote von durchschnittlich zehn Prozent vorsieht.
Der Fahrzeugbauer will damit nach eigenen Angaben die Weichen stellen, auch zukünftig qualifizierte und motivierte Mitarbeiter aus den eigenen Reihen rekrutieren zu können. In diesem Jahr freut man sich bei Doll über fünf angehende Konstruktionsmechaniker, einen Elektroniker, eine Industriekauffrau sowie eine DH-Studentin (International Business) und einen DH-Studenten (Maschinenbau). Wie in anderen Betrieben ist bei Doll die Bewerberauswahl für 2011 schon angelaufen. Denn auch im kommenden Jahr will der Betrieb wieder Ausbildungsplätze und DH-Studienplätze im gewerblich-technischen und kaufmännischen Bereich anbieten.
Hintergrund
Betriebe setzen auf Weiterbildung
Ob Bankkaufmann, Finanzassistent oder Bachelor of Arts, die Volksbank Offenburg bietet mit ihren Ausbildungsmöglichkeiten eine Basis für das Berufsleben. Für sieben Auszubildende begann im September der Einstieg ins Berufsleben. Das Kennenlernen des Betriebs und der anderen Azubis ist wie in anderen Unternehmen die erste wichtige Etappe. Interne Unterrichtseinheiten und ergänzende Lehrgänge durch den Genossenschaftsverband runden die theoretische Ausbildung der Berufsschule ab. Nach Angaben der Volksbank werden alle Auszubildenden nach erfolgreicher Prüfung übernommen. Danach gibt es Möglichkeiten der Weiterbildung und Spezialisierung.
29 angehende Finanzassistenten und Bankkaufleute hat die Sparkasse Offenburg/Ortenau 2010 eingestellt. Die jungen Menschen werden nach Unternehmensangaben überwiegend im Service- und Beratungsbereich eingesetzt, denn der Kontakt mit dem Kunden bilde den Mittelpunkt der Arbeit eines Bankkaufmannes. Die theoretischen Lerninhalte werden in der kaufmännischen Berufsschule vermittelt und durch Seminare an der Sparkassenakademie und innerbetrieblichen Unterricht ergänzt. Nach der Abschlussprüfung gibt es für die Absolventen ein Weiterbildungsangebot der Sparkassenakademien und der Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe.
Jetzt klicken und 10 Tage kostenlos Zeitung lesen
