Tierische Diebe in den Reben

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Winzer beklagen herbe Verluste durch hungrige Rehe und Wildschweine / Problem verschärft sich

Die wachsenden Populationen von Rehen und Wildschweinen macht den Winzern stark zu schaffen. Tonnenweise landen Oberkircher Trauben in den Mägen der Waldbewohner – und das trotz fantasievoller Schreckvorrichtungen.

 

Rehe sind Feinschmecker, das müssen die Winzer derzeit schmerzlich erfahren. »Wenn Sie einmal Trauben gekostet haben, so lassen sie davon nicht mehr ab«, erklärt Frank Benz, Vorsitzender der Ortenauer Winzer Mitten am Tag ständen sie in den Reben und bedienten sich auf Augenhöhe an den reifsten Früchten. Waren es vor einigen Jahren fast ausschließlich die süßen Sorten – Müller Thurgau und Gewürztraminer – so seien in diesem Jahr selbst der herbere Spätburgunder und der Riesling nach dem Geschmack der Waldbewohner.
Dass die Rehe nicht mehr ganz
so wählerisch sind, führt Benz auf seine stetig wachsen-
de Population zurück. Und nicht nur sie, auch die Wildschweine,
bedienen sich an den reifen Trauben. Nicht ganz so stilvoll wie die Rehe, aber dennoch effektiv. Zusätzlich reißen sie die Erde auf und machen die Arbeit in den Rebbergen beschwerlich bis gefährlich. Und auch sie vermehren sich ungebremst. Der Diebstahl der Trauben durch Vögel – einst Langfinger Nummer eins – tritt bei der starken Konkurrenz fast schon ins Hintertreffen.
Auf seiner insgesamt fünf Hektar großen Rebfläche beklagt Frank Benz bislang einen Verlust von einigen Hundert Kilogramm reifer Früchte. »Sie können fragen, wen Sie wollen – jedem Winzer rund um Oberkirch ergeht es wie mir«, sagt der Bottenauer Winzer. Es sei insbesondere ein Problem der Vorbergzone. Frank Männle, Qualitätsmanager bei der Winzergenossenschaft Oberkirch, weiß sogar von einem Fall in Ringelbach, bei dem mehr als zehn Prozent der Lese den Tieren zum Opfer fiel.
»Es wird schlimmer«
Tonnen an Trauben landen in den Mägen von Rehen, Wildschweinen und Vögeln

»Und die Wildschäden werden von Jahr zu Jahr schlimmer«, ist Männles Erfahrung. Besonders stark von tierischem Diebstahl betroffen sind Waldränder und Wildwechsel zwischen zwei Waldgebieten. Laut Gesetz müssen die Jäger in ihrem Revier für den Schaden aufkommen. »Aber wir versuchen es erst einmal mit Schadensbehebung, bevor wir Ansprüche stellen«, setzt Benz auf Kompromissbereitschaft. Es habe bereits zahlreiche Gespräche zwischen Winzern und Jägern gegeben. In Kürze ist sogar ein Gespräch der beiden Interessensgruppen im Landratsamt vorgesehen, bei dem es speziell um Probleme mit den Wildschweinen geht.
Jäger in der Pflicht
Die Winzer fordern, dass die Tiere geschossen werden, die den Reben zu nahe kommen. Doch die Hoffnung, das Problem völlig in den Griff zu bekommen, ist unter den Winzern nicht sehr hoch. Sie wissen, dass es die Jäger derzeit nicht schaffen, der starken Zunahme der Tiere durch Abschüsse entgegen zu wirken. Es gibt zwar zahlreiche bewährte Methoden, die hungrigen Tiere von den Reben fern zu halten, doch fast jede hat einen Haken (siehe blauer Kasten).
»Es gibt Winzer, die bereits Elektrozäune installieren«, weiß Frank Männle. Eine der wirksamsten Methoden, doch auch eine der teuersten. Mit hohen Kosten sind auch Maschendrahtzäune verbunden, so dass sie nur an einzelnen Stellen Anwendung finden. Dort, wo die Situation besonders dramatisch ist. Denn selbst an die lauten Kanonenschläge gewöhnen sich zahlreiche Tiere nach einer Weile. Frank Benz: »Die Tiere sind nicht dumm – leider.«

STICHWORT
Schreckschussapparate
Die Schreckschussapparate sind derzeit die eindrücklichsten Mittel gegen hungrige Tiere. Nicht selten verwechseln gerade Ortsfremde den wiederholten Knall mit Schüssen aus einem Gewehr. Der Bottenauer Winzer Franz Benz hat jedoch erfahren, dass die Bevölkerung die Einrichtung akzeptiert, da sie von den Problemen der Winzer weiß. Für Schreckschussapparate gelten nach dem Bundesemissionsschutzgesetz besondere Vorschriften. Sie dürfen maximal zwölf Stunden und nur bei Tageslicht aktiv sein. Außerdem müssen sie von einem reinen Wohngebiet 700 Meter, von einem allgemeinen Wohngebiet 500 Meter und von einem Mischdorfgebiet 300 Meter entfernt stehen. Ein reines Wohngebiet wird daher mit bis zu 50 Dezibel, ein allgemeines Wohngebiet mit bis zu 55 Dezibel und ein Mischdorfgebiet mit bis zu 60 Dezibel belastet.

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Veröffentlicht in Oberkirch

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