Start für historischen Umzug
Verlagerung des Rathauses in Südwestflügel der Illenau hat begonnen / OB rechnet mit weniger Kosten
Der Start selbst war gestern eher unspektakulär, Tapeten und Verkleidungen werden nun von den Wänden und Decken im Südwestflügel der Illenau entfernt. Die Tragweite des Arbeitsbeginns hingegen war fast historisch: Die Acherner Stadtverwaltung zieht nach und nach in die Illenau ein.
Nein, ein Bauvorhaben wie jedes andere ist das nicht, was gestern beim Pressetermin offiziell begonnen wurde. Der Stadtverwaltung um OB Klaus Muttach, Bürgermeister Dietmar Stiefel und der Hochbauabteilung mit Carmen Weber und Andreas Basler ist die Bedeutung des Unterfangens sehr wohl bewusst Persönlich plant die städtische Bauabteilung den Rückbau des Südwestflügels der Illenau, in den Schritt für Schritt die Verwaltung einziehen wird.
»Man kann sicher von einer historischen Tragweite sprechen«, sagten gestern Muttach und Stiefel. »Wir wollen uns beweisen und werden alles reinlegen«, formuliert der OB den Willen der Stadt, den entscheidenden Schritt zur Revitalisierung der Illenau zu gehen. Muttach bekennt, dass er sich in einer möglichen dritten Amtsperiode nicht mehr mit leeren Illenaugebäuden beschäftigen wollen würde.
Das Ziel ist ehrgeizig. Im Oktober 2011 sollen die Fachgebiete »Jugend, Schule und Vereine« sowie »Kitas und Soziales« etwa die Hälfte der Räume im Illenau-Erdgeschoss bezogen haben. Dadurch wird nämlich das erste Obergeschoss im Rathaus 2 frei. Das ist wiederum Bedingung dafür, dass das staatliche Grundbuchamt dort einziehen und ab Januar 2012 dort arbeiten kann.
Deckel draufmachen
Laut OB werden gerade die Konditionen für den Mietvertrag mit dem Land geklärt. »Wir wollen da unbedingt einen Deckel draufmachen, schließlich würden auch andere Gemeinden sehr gerne das Grundbuchamt aufnehmen.« 50 bis 60 Arbeitsplätze entstünden dadurch insgesamt.
Sobald der Mietvertrag steht, will die Stadt das Rathaus 2 an einen Dritten verkaufen, Interessenten gebe es bereits, sagte Muttach gestern
Zudem fließe der Verkaufserlös aus Räumen im »Planet P« in den »Rahmenplan Illenau«. 60 Prozent der anrechenbaren Kosten übernimmt das Land, das sind 51 Prozent der Gesamtkosten.
Wird deutlich billiger
Muttach glaubt, dass die Kosten deutlich unter den geplanten 6,5 Mio. Euro liegen werden. Das liegt auch daran, dass der gegenüberliegende Südostflügel anders als bisher geplant nicht in Teilen genutzt werden soll. Die Büros fallen kleiner aus als im alten Rathaus, etwa 13 statt 16 Quadratmeter, erklärt Carmen Weber. »Wir rücken ein bisschen zusammen, das schafft Wärme und spart Kosten«, sagt Muttach. Über die Räume im östlichen Flügel werden sich wohl noch Vereine freuen können.
300 Parkplätze werden letztlich für die 90 bis 100 Rathausmitarbeiter entstehen. Der Parkraum ist abends und an Wochenenden frei nutzbar, der Innenhof oder die Grünflächen gar die ganze Zeit. Andreas Basler: »Das ist ja auch das Schöne an einer städtischen Nutzung der Illenau.«
STICHWORT
Zahlen und Fakten
Die Arbeiten im Südwestflügel der Illenau umfassen einen Raum von rund 20 500 Kubikmetern, das entspricht der Baumasse von mehr als 20 Einfamilienhäusern und dem 3,7-fachen Volumen des Technischen Rathauses vis-a-vis.
Ohne Keller- und Speicherräume werden rund 1500 Quadratmeter Hauptnutzfläche, 1100 Quadratmeter Nebennutzfläche und über 800 Quadratmeter Verkehrsfläche umgestaltet.
In Absprache mit der Denkmalfachbehörde müssen alle historischen Bauteile freigelegt werden, um die Bausubstanz untersuchen zu können. Dafür müssen rund 2500 Quadratmeter Boden- und Wandverkleidungen entfernt sowie 700 Quadratmeter abgehängte Decken abmontiert werden. Schornsteine und sanitäre Anlagen müssen auch weg.
Geplant waren Kosten von 6,5 Mio. Euro, die sich laut Muttach zu 100 Prozent durch Zuschüsse und Immobilienverkäufe tragen. Der OB glaubt, dass die Kosten letztlich unter 6 Mio. Euro liegen werden.
Andreas Basler (Hochbau), OB Klaus Muttach, Bürgermeister Dietmar Stiefel und Carmen Weber (Leiterin der Hochbauabteilung, von links) im künftigen Dienstzimmer des Oberbürgermeisters. Gestern war offizieller Start des Umzugs der Verwaltung in die Illenau.