Sozialkompetenz der Jugendlichen stärken
Stadtverwaltung stellt die Bedeutung der offenen Jugendarbeit heraus
Mit Jutta Kempf und Julia Huber ist das fünfköpfige Oberkircher Team der Jugend- und Schulsozialarbeit wieder komplett. Die neuen Mitarbeiterinnen wurden gestern von der Stadtverwaltung vorgestellt.
Vor elf Jahren begann in Oberkirch das Zeitalter der kommunalen Jugendarbeit (siehe Hintergrund). Zwei Jahre zuvor hatte sich im Keller des ehemaligen Casinos in der Straßburger Straße zunächst ein von der Stadt gebilligtes, autonomes Jugendzentrum angesiedelt Seit zehn Jahren übernehmen ausgebildete Fachkräfte die Betreuung der Jugendlichen in dem offenen Treff und sorgen dafür, dass alle Oberkircher Zugang haben und einige Cliquen nicht andere Jugendliche vertreiben.
»Wir haben den Schwerpunkt für die offenen Treffs für das Alter zwischen 12 und 18 Jahren festgelegt, um einen Raum zu schaffen, in dem man noch den Überblick behält«, erzählt Christian Kron. Die Erfahrung habe gezeigt, dass es problematisch werde, wenn der Altersunterschied zwischen den Jüngsten und Ältesten zu groß sei, so der Stadtjugendreferent. 20 bis 40 Jugendliche schauen im Laufe eines Tages im Juze vorbei, Migrantenkinder genauso wie der Nachwuchs alteingessener Oberkircher.
Nahtloser Übergang
Für die Stadt ist die Jugendarbeit ein wichtiges Thema: »Deshalb haben wir nach dem Weggang von zwei Mitarbeiterinnen die Stellen umgehend neu besetzt, um einen nahtlosen Übergang sicherzustellen«, erklärt Ordnungsamtsleiter Christoph Lipps fest. Julia Huber hat als Jugendzentrumsleiterin die Nachfolge von Katja Koscielny angetreten. Jutta Kempf ersetzt als Schulsozialarbeiterin Stefanie Sieber an der August-Ganther-Schule (wir berichteten/siehe auch zur Person). Aufgabe der neuen Kräfte ist es zunächst, Vertrauen zu den Jugendlichen aufzubauen. »Das braucht Zeit, um diese zu erreichen«, sagt Lipps
Die Sozialarbeiter leisten konkrete Einzelfallhilfe, kümmern sich um Sucht- und Gewaltprävention und versuchen die Sozialkompetenz der Jugendlichen zu stärken.
Wichtig ist aus Sicht Krons die gute Vernetzung der verschiedenen Stellen. Das reicht von der Polizei über die Schulleitungen, den Kinderschutzbund bis zu verschiedenen Behörden und Beratungsstellen. Neben den offiziellen Öffnungszeiten (siehe Stichwort) ist das im Juze angesiedelte Jugendbüro täglich von 8.30 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr geöffnet.
Freitagnachmittags, wenn es keine Ganztagsschulbetreuung gibt, werden bis zu 15 Oberkircher Schüler ab dem Mittagessen im Juze versorgt. Unterstützt wird das Projekt von zwei Service-Clubs.
Mädchengruppe möglich
Julia Huber will als Juze-Leiterin das bisherige Angebot fortsetzen: »Wenn es Nachfrage gibt, ist auch wieder die Einrichtung einer Mädchengruppe möglich.« Die hatte es früher schon einmal gegeben. Wann es nach dem Leitungswechsel wieder ein Jugendkonzert gibt, steht noch nicht fest. Sicher ist aber: Es wird wieder eins geben.
Die jugendlichen Besucher werden in die praktische Arbeit eingebunden, beispielsweise im Thekenteam. Kron verweist zudem auf die Zusammenarbeit mit den benachbarten Jugendzentren. »Zu uns kommen auch Schüler aus Nachbargemeinden, die in Oberkirch zur Schule gehen.«
Lesen Sie morgen, welche Aufgaben die drei Schulsozialarbeiter haben und wie die Stadt mit jugendlicher Gewalt sowie Lärm und Dreck an öffentlichen Plätzen umgeht.
Zur Person
Julia Huber und
Jutta Kempf
Julia Huber leitet seit 1. Oktober das Jugendzentrum Oberkirch. Die 22-jährige Sozialpädagogin hat am 30. September ihr BA-Studium abgeschlossen. Sie war in Oberkirch in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv.
Jutta Kempf (33) ist seit 1. September als Schulsozialarbeiterin in der August-Ganther-Schule tätig. Vor ihrer Elternzeit war die Sozialpädagogin, die aus Appenweier stammt, unter anderem vier Jahre in einem Wohnheim für verhaltensauffällige Jugendliche in der Schweiz tätig.
STICHWORT
Öffnungszeiten
Das Jugendzentrum Oberkirch, im Keller des ehemaligen Casinos in der Straßburger Straße, ist mittwochs und donnerstags von 14 bis 20 Uhr geöffnet. An jedem ersten Samstag im Monat zusätzlich von 14 bis 17 Uhr.
Für Schüler der 4. bis 6. Klassen aller Oberkircher Schulen gibt es freitags von 13 bis 17 Uhr ein zusätzliches Angebot. Es gibt eine Hausaufgabenbetreuung, Freizeitaktivitäten und auf Wunsch Mittagessen.rüd
Hintergrund
Jugend- und Schulsozialarbeit
Das Team der Jugend- und Schulsozialarbeit in Oberkirch (insgesamt 3,25 Stellen):
Christian Kron (Stadtjugendreferent),
Julia Huber (Leitung Jugendzentrum),
Birgit Ulrich-Stöferle und Jutta Kempf (Schulsozialarbeit August-Ganther-Schule)
Anna Janosch (Schulsozialarbeit Johann-Wölfflin-Schule). Hinzu kommen Praktikanten und ehrenamtliche Helfer.
Für 2010 belaufen sich die Personalkosten für die fünf Sozialarbeiter auf 172 100 Euro. Das Land-
ratsamt erstattet 2010 der Stadt Oberkirch insgesamt 24 500 Euro für die Schulsozialarbeit. Das Land beteiligt sich bisher nicht an den Kosten für die Schulsozialarbeit.
Vorstellung von zwei neuen Sozialarbeiterinnen im Jugendzentrum Oberkirch: (von links) Bernhard Wolf (Leiter Sozialamt Oberkirch), Christoph Lipps (Ordnungsamtsleiter), Julia Huber (Leiterin Jugendzentrum), Jutta Kempf (Schulsozialarbeiterin August-Ganthe)
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