Schafe für den Hochwasserschutz

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Herde von Eberhard Hirth soll weitere Ausbreitung des Staudenknöterichs entlang der Rench aufhalten

Rund 200 Schafe rücken seit gestern im Bereich Oberkirch dem Staudenknöterich zu Leibe. Den ganzen Sommer über sollen sie am Ufer der Rench zwischen Erlach und Lautenbach die Verbreitung des Unkrauts eindämmen.

 

http://www.baden-online.de/news/images/news_lokales/artikel_arz/19419_1.jpgDas Regierungspräsidium Freiburg geht in diesem Jahr auf natürliche Weise gegen die Ausbreitung des Staudenknöterichs am Renchufer vor. Es hat den Legelshurster Schäfer Eberhard Hirth engagiert, um mit seinen rund 200 Schafen die Vegetation zwischen Erlach und Lautenbach niedrig zu halten »Rund 30 Prozent der Fläche sind vom Staudenknöterich befallen«, informiert Stefan Martin, Betriebsleiter für Gewässerunterhaltung im Ortenaukreis. Die Vermehrung der Pflanze gehe unaufhörlich weiter.
Der Staudenknöterich hat sich bereits im gesamten Renchtal ausgebreitet. Teilweise sind es Kreuzungen des japanischen und Sachalin-Knöterichs, die vielfach aggressiver sind als die reinen Arten. Waren es anfangs nur fließende Gewässer, an denen angeschwemmte Pflanzenteile Wurzeln schlugen, so findet sich die Pflanze auch immer häufiger an Wegrändern. Sie ist äußerst anpassungsfähig und durch ihre Rhizome und bis zu zehn Meter tiefen Pfahlwurzeln sehr vital. An großen Gewässern, wie der Rench, kann der Einwanderer aus Japan eine Gefahr für Mensch und Tier werden. Er wächst allein in der Vegetationsperiode und hinterlässt im Winter blanken Boden. »Das bietet dem Hochwasser eine ideale Angriffsfläche«, informiert Martin. Beim Jahrhunderthochwasser in Rench und Kinzig 1990/91 wurden die dramatischen Auswirkungen der fehlender Grasnarbe sichtbar: Das Ufer brach an manchen Stellen ein. Gerade die Rench mit ihren zahlreichen Zuflüssen aus den Bergen sei stark hochwassergefährdet, weiß Martin.
Auch nach ökologischen Gesichtspunkten ist der Neophyt wenig gelitten. Er bietet heimischen Organismen weder Lebensraum und verdrängt gleichzeitig standorttypische Flora

 

Nur vier Insektenarten finden Interesse an dem Staudenknöterich, während eine natürlichen Wirtspflanze, wie der Stumpfblütige Ampfer, rund 100 Arten beherbergt. Daher machen auch die Stadt Oberkirch, die BUND-Ortsgruppe Oberkirch sowie die Umweltgruppe der Firma Koehler gegen den Neophyten mobil (siehe Hintergrund).
Verfahren getestet
Das Renchufer liegt jedoch im Verantwortungsbereich des Regierungspräsidiums. Seit Anfang der 90er Jahre testet es verschiedene Verfahren, um die Ausbreitung des Staudenknöterichs einzudämmen. Zwischen Erlach und Lautenbach war die mehrfache Mahd das Mittel der Wahl, von Lautenbach bis Bad Griesbach, wo die steilen Ufer eine Mahd erschweren, versucht das RP, mit Bepflanzungen dem Wildwuchs des Knöterichs zu begegnen. Im September 2009 testete es ein Heißdampfverfahren, dass sich für die Massenanwendung jedoch als zu aufwendig erwies. Auch Herbizide können an den Gewässern nur punktuell zum Einsatz kommen.
Mit dem Abweiden des Rench­ufers durch Schafe hat das Regierungspräsidium bisher die besten Erfahrungen gemacht. Von 1997 bis 2000 hatte es bereits einen Schäfer engagiert, der jedoch aufgrund vieler Schwierigkeiten nach drei Jahren aufgab. Erst in diesem Jahr konnte die Behörde mit Eberhard Hirth aus Legelshurst einen Schäfer finden, der die Herausforderung annimmt.
Von Erlach bis Lautenbach ist es Hirth möglich, die Tiere jeweils auf einer Seite der Rench grasen zu lassen. Doch es sei kein leichtes Unterfangen. »Entlang der Rench sind viele Sonderkulturen, zu denen die Schafe nicht gelangen dürfen«, erzählt Hirth. So müsse er ohne Pause, von Sonnenauf-, bis Sonnenuntergang, sehr aufmerksam sein und die Tiere beisammenhalten. Zäune werden keine gestellt, damit der Renchdamm auch weiterhin begehbar bleibt. Gestern startete Hirth seinen Weg in

STICHWORT
Staudenknöterich
Der Staudenknöterich wurde in den 70er Jahren aus seinem Ursprungsgebiet Japan in Deutschland als Zierpflanze in Gärten und Parkanlagen eingeführt. Seinen Namen verdankt er dem staudenförmigen Wuchs sowie den Knoten, die den Stiel, ähnlich wie beim Bambus, in einzelne Segmente teilen. Er kann bis zu drei Meter hoch werden. Zwei Arten kommen in der Ortenau am häufgsten vor: der Japanische Staudenknötierch (Reynoutria japonica) sowie der Sachalin-Staudenknöterich (Reynoutria Salachinensis). Die Pflanzen vermehren sich nicht nur über Samenflug, sondern auch über unterirdische Ausläufer, die so genannten Rhizome. Daneben können auch Pflanzenteile, die weggeschwemmt oder mit einem Erdhub fortgetragen werden, wieder austreiben. Pflanzenteile müssen daher nach der Mahd verbrannt werden.

HINTERGRUND
Bekämpfung
Die BUND-Gruppe Renchtal macht bereits seit einigen Jahren gegen den Staudenknöterich mobil. Mit großer Geduld rupfen Mitglieder in sensiblen Gebieten, wie der Ökozelle »Untere Steini« in Zusenhofen oder der Ökozelle Müllen, die Pflanzen aus den Boden. Die Umweltgruppe der Firma Koehler geht an einem Teil des Stangenbachs, den sie in einer Patenschaft betreut, erfolgreich gegen die Pflanze vor.
Die Stadt Oberkirch musste bereits im Regenrückhaltebecken Zusenhofen sowie am Ansenbach den Staudenknöterich eliminieren. Vor zwei Jahren rief sie gemeinsam mit dem BUND erstmals den »Halben Tag für die Natur« aus, bei dem zahlreiche Bürger am Stangenbach bei Zusenhofen Staudenknöterich rupften. Anschließend übernahmen ein Anlieger sowie die Realschule Oberkirch eine Patenschaft für diese Standorte. Im Rahmen eines naturwissenschaftlichen Projektes hat die fünfte Klasse im vergangenen Jahr dort dreimal das Unkraut gerupft.

http://www.baden-online.de/news/images/news_lokales/artikel_arz/19419_1.jpgEberhard Hirth mit seinen Schafen an der Rench in Erlach. Der Staudenknöterich ist bereits gut zu sehen.

 

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Veröffentlicht in Erlach

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