Redet die Kirche in den Wind hinein?
Dekanatsrat analysiert Stellenwert der Kirche
Eine kritische Studie stand auf der Tagesordnung des Dekanatsrates Acher-Renchtal, der unter Vorsitz von Ursula Knoll-Schneider in Oberachern tagte.
Dass die katholische Kirche offensichtlich »in den Wind redet« und mit ihrer religiösen Botschaft nur noch eine Minderheit erreicht, war ein zentrales Ergebnis der »Sinus-Milieu-Studie«. Darüber diskutierte der Dekanatsrat Acher-Renchtal
Die Studie ergab, dass Sender und Adressaten, also Kirche und Menschen, nicht mehr auf einer Wellenlänge funken. Die katholische Kirche sei nur noch unter den »Traditionsverwurzelten« der Mittel- und Unterschicht, den »Konservativen« der Oberschicht und in der »bürgerlichen Mitte« fest verankert, zum Teil noch bei den »Postmateriellen« der oberen Mittel- und der Oberschicht.
»Jesus war ein Grenzgänger, der bewusst zu allen Menschen ging«, so Dekan Edgar Eisele. Deshalb gab er zu bedenken, ob es nicht auch Aufgabe heutiger Christen sei, Grenzen zu den Menschen zu überschreiten. Immerhin seien etwa 30 Prozent der Katholiken aus den sieben anderen Milieus.
Verschiedene Milieus
In Kleingruppen befassten sich die Räte mit jenen Milieus, die nicht zum engen Kern der Kirche gehören. Bei den »Experimentalisten« wurde festgestellt, dass man solche Menschen kenne und diese deshalb gar nicht so fern seien. Es wurde beeindruckende Werte-Übereinstimmung zwischen Christen und Experimentalisten festgestellt, bei denen Erfolg und Status nicht an erster Stelle stehen.
Bei den »Postmateriellen« erscheint es schwierig, sie mit den traditionellen Formen der Kirche anzusprechen. Kreuz-und-mehr-Gottesdienste oder die »Emmaus Gottesdienste« könnten dieses Milieu besser erreichen. Denn »Postmaterielle« suchen Neues und andere Elemente, um Gottesdienst zu feiern. Sie wollen flexibel sein und sind schwer an eine einzige Gemeinde zu binden
Eine Möglichkeit wäre, im Evangelium nach Zeugnissen zu suchen, die den Nerv der Postmateriellen bei Themen wie Toleranz, Bildung oder Lebensqualität treffen und die in neue Angebote münden könnten.
Die christliche Botschaft sollte so vermittelt werden, dass sie wertvoll wird und theologisch gut fundiert ist. Hilfreich erscheint den Räten das Angebot an »Postmaterielle«, selbst etwas gestalten zu können, da sie Hierarchien und Begrenzungen ablehnen. Eine Sorge war, dass man die Menschen in diesem Milieu nicht nachhaltig begeistern kann, da sie immer nach Neuem suchen. Dennoch müssten die traditionellen Gemeinden lernen, umzudenken.
Zufriedenheit bieten
Den »Konsummaterialisten« ist die Kirche dann interessant, wenn sie ein Statussymbol darstellt. Sakramente feiern gehört zum Flair, auch wenn die Inhalte nicht sehr interessieren. Für jene ist es wichtig, dass es klare Ursachen und Wirkungen gibt, so das Ergebnis der Gruppenarbeit. Diese Menschen möchten Zufriedenheit und Bestätigung. Aber wo bekommen sie das in der Kirche?
Gemeinden wirken manchmal unprofessionell und halten die »Etablierten« daher ab. Für diese Gruppe haben Pfarreien außer Kirchenkonzerten wenig zu bieten. Eine Möglichkeit wurde in hochkarätig besetzten Veranstaltungen zu gesellschaftlichen Themen gesehen.
Die Dekanatsräte wollen sich weiter mit dieser Thematik befassen und konkrete Maßnahmen überlegen.
Es gab einen regen Gedankenaustausch (Petra Meier) über die Frage, was Pfarreien bewegt und welche Angebote vorhanden sind. Auffällig war, dass sich bei allen Impulsen sofort ein lebendiges Gespräch ergab. Nur bei der Frage nach den Angeboten für junge Erwachsene gab es einen längeren Zeitraum des Nachdenkens.
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