Post bleibt unter neuem Namen
Postbank hat Oberkircher Filiale des Mutterkonzerns übernommen / Angebot wird ausgeweitet
Post-Kunden in Oberkirch müssen sich auf keinen neuen Weg einstellen, wenn sie ein Paket abgeben oder ihr Postfach leeren wollen. Die Filiale in der Eisenbahnstraße bleibt erhalten – als Finanzcenter der Postbank. Der neue Name ist die größte Veränderung.
Auf den ersten Blick ist das Gebäude in der Eisenbahnstraße 9 in Oberkirch noch immer das, was es seit vielen Jahren war: eine Postfiliale. Das große Logo kündet davon ebenso wie die gelb gestrichenen Türen Die Öffnungszeiten sind unverändert, die vier Mitarbeiter am Schalter sind weiter bei der Deutschen Post AG angestellt. Dennoch hat sich seit dem 1. Juli 2010 ein Wechsel vollzogen.
An diesem Datum hat die Postbank bundesweit 277 Postfilialen übernommen (die ARZ berichtete) und sie in Postbank-Finanzcenter umgewandelt. Briefmarkenkauf und Paketaufgabe sind dort ebenso möglich wie Überweisungen und Geldabbuchungen. Die Post hat damit auch die letzte Filiale im Bereich Achern/Oberkirch an einen privaten Betreiber abgegeben.
Beendet ist damit in Oberkirch auch das Zittern um den Verbleib der kompletten Postdienstleistungen in zentraler Lage. »Wir wollen den Standort erhalten«, antwortet Postbank-Pressesprecher Oliver Rittmaier auf ARZ-Anfrage. Die Postbank will vielmehr ihr Angebot in Oberkirch ausweiten, im kommenden Jahr auch Telekommunikationspakete und Stromverträge verkaufen. Geprüft werde auch, ob eine persönliche Beratung im Bereich der Finanzdienstleistungen eingerichtet wird. Die Zeit der Ungewissheit rund um die Post hatte im Frühjahr 2008 begonnen, als die Post ankündigte, bis Ende 2011 700 ihrer 800 Filialen an private Betreiber abgeben zu wollen. Während in Achern die Postfiliale im November 2008 geschlossen und eine privatisierte Poststelle im Kaufhaus Peters eingerichtet wurde, blieb der Standort Oberkirch zunächst erhalten
Im Paket mit verbliebenen Filialen ging sie an die Postbank über, die wirtschaftlich eng mit dem Dienstleistungsriesen verbunden ist (siehe Stichwort). Rittmaier: »Die Post hat ihr Ziel erreicht. Und wir auch.«
Die Postbank will mit der Übernahme zum einen ihr Filialnetz enger knüpfen und weiße Flecken auf der Landkarte tilgen. Sie hat daher die Standorte von über 300 Postfilialen analysiert und jene übernommen, die das meiste Potenzial an Postbankkunden versprachen. Oberkirch war dabei.
Post als Frequenzbringer
Die Postdienstleistungen zu übernehmen, ist laut Rittmaier ein wesentlicher Teil der Vereinbarung. »Zwei Drittel der Kunden, die in die Finanzcenter kommen, sind keine Postbankkunden. Die wollen wir überzeugen«, so Rittmaier. Die Post als Frequenzbringer.
Betreiben will die Postbank ihre Filiale auf jeden Fall selbst; die Postdienstleistungen übernehmen dabei wie bisher Angestellte der Deutschen Post. Die Oberkircher Mitarbeiter bleiben nämlich beim alten Arbeitgeber beschäftigt, weil Post und Postbank gegen eine Gebühr eine Arbeitnehmerüberlassung vereinbart haben. Für die Postbankdienste wurden sie vor Ort geschult. »Das sind keine Leiharbeiter«, stellt Post-Sprecher Hugo Gimber klar. Der Vorteil für die Mitarbeiter: Ihre Anwartschaften bleiben erhalten; falls die Vereinbarung mit der Postbank auslaufen sollte, wären sie laut Gimber weiter bei der Post beschäftigt.
Einen Umbau des Gebäudes in Oberkirch plant die Postbank nicht. Die Veränderungen bewegen sich im kosmetischen Bereich: Das Tor, das noch in der Postfarbe Gelb leuchtet, soll neu gestaltet und das Gebäude als Postbank-Finanzcenter kenntlich gemacht werden. Ein Prozess, der allerdings deutschlandweit in den neuen Standorten vorgesehen ist: »Das braucht ein bisschen Zeit.«
STICHWORT
Die Postbank
Die Geschichte der Postbank ist eng mit der der Deutschen Post verknüpft. Die Bank war bis zum Börsengang 2004 Eigentum der Deutschen Post AG, der Nachfolgerin der Deutschen Bundespost.
Mit 39,5 Prozent der Aktien war die Deutsche Post AG am 31. Dezember 2009 noch immer der größte Eigner des Kreditinstitutes. 29,88 Prozent der Anteile entfielen auf die Deutsche Bank, 30,62 Prozen befanden sich in Streubesitz. Mittlerweile hat die Deutsche Bank ein Übernahmeangebot vorgelegt.
Nach dem Deal mit der Post besitzt die Postbank 1100 eigene Filialen; zudem werden Postbankdienste in 4500 Partnerfilialen angeboten. Die Postbank betreibt bundesweit 9000 Geldautomaten.
HINTERGRUND
»Agentur wird gut angenommen«
Im November 2008 hatte das Kaufhaus Peters in seiner Acherner Niederlassung eine Partner-Filiale der Post eingerichtet. Die dortige Postfiliale war geschlossen wurden, Peters ist dort Komplettanbieter. Im Januar 2010 zog Peters auch an seinem Oberkircher Standort nach und richtete dort eine kleinere Postagentur ein. Konkrete Überlegungen, das Angebot auch in Oberkirch im Acherner Stil auszuweiten, gab es laut Geschäftsführer Bernd Peters nicht.
Die Postagentur in Oberkirch werde von den Kunden gut angenommen. Die Entscheidung der Postbank, bei der Oberkircher Postfiliale einzusteigen und dort weiter alle Postleistungen anzubieten, beeinflusst Peters Pläne für die Agentur nicht. »Wir wollen sie definitiv so weiterführen.«
Wo Post draufsteht, ist jetzt die Postbank drin: Das Kreditinstitut hat die Oberkircher Filiale übernommen. Die Mitarbeiter, wie Martin Schweinberger (Foto), sind aber weiter bei der Post angestellt.
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