Oberkirch sucht nach der richtigen Lösung

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Fußgängerzone oder verkehrsberuhigter Bereich für die Hauptstraße?

Morgen schauen sich Gemeinderat und Stadtmarketingverein Oberkirch auf einer gemeinsamen Tagesfahrt nach Nagold und Hornberg an, wie andere Städte ihre Hauptstraße erfolgreich umgestaltet haben. Impulse und Entscheidungshilfen für die eigene Mammutaufgabe werden dabei gesucht.

 

Die Diskussion hat längst auch die Oberkircher Stammtische erobert: Braucht Oberkirch eine Fußgängerzone oder reicht ein verkehrsberuhigter Bereich in der Hauptstraße aus? Ende 2013 sollen bekanntlich die ersten Autos über die Umfahrung Oberkirch/Lautenbach rollen und bis dahin will die Stadt ein Konzept in der Schublade haben, wie das Gesicht der Hauptstraße künftig aussehen soll. Die Vorarbeiten sind zum Großteil abgeschlossen, nach der Entscheidung über die Gretchenfrage Fußgängerzone oder verkehrsberuhigter Bereich, die nächstes Jahr fallen soll, geht es an die Detailplanung. Der Bau- und Umweltausschuss beschäftigte sich am Montagabend mit dem Themenkomplex. Eingeladen waren auch die Mitglieder des Stadtmarketingvereins, dessen Arbeitskreis »Gestaltung/Angebot« in die Entscheidungsfindung eingebunden werden soll.
Keine Empfehlung
Stefanie Burg, Diplom-Ingeneurin beim Freiburger Stadtplanungsbüro Fahle, brachte die Volksvertreter auf den aktuellen Planungsstand, erläuterte Vor- und Nachteile der Varianten (siehe Hintergrund) und verdeutlichte auch, dass selbst nach dem Bau der Umfahrung der Stadt ein erheblicher Anteil an Ziel- und Quellverkehr erhalten bleibe. Burg gab aber keine Empfehlung: »Sowohl Fußgängerzone als auch verkehrsberuhigter Bereich sind denkbar.« Der Straßenraum sollte aber so gestaltet werden, das einmal beide Lösungen umgesetzt werden können. Gedacht ist deshalb daran, die komplette Hauptstraße mit großformatigen Steinen aufzupflastern, je nach Art und Umfang der Möblierung könne die Straße dann verkehrsberuhigt oder ganz zur Fußgängerzone werden

»Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns«, betonte Oberbürgermeister Matthias Braun, der im Dialog mit Einzelhandel und Stadtmarketingverein eine Lösung suchen möchte. Vorstellbar ist für den OB auch eine »Mischform«, quasi eine temporäre Fußgängerzone, die an Wochenenden und Feiertagen eingerichtet werde. In der übrigen Zeit wäre die Hauptstraße verkehrsberuhigt und für Autos befahrbar. »Es muss eine für Oberkirch angepasste Lösung sein«, sagte Braun, eine Testphase sei sinnvoll.
SPD-Fraktionschef Hans-Jürgen Kiefer sprach sich dafür aus, beide Varianten weiterzuverfolgen, um mehr über die Konsequenzen zu erfahren: »Ich will vermeiden, dass wir uns in Oberkirch in zwei Lager spalten.« Manuela Bijanfar (FWV) könnte sich vorstellen, den Verkehr nach und nach aus der Innenstadt zu verbannen, wie die Stadt Emmendingen das bereits gemacht habe.
Laut Planerin Stefanie Burg kommt es in erster Linie auf die Gestaltung (»hochwertig, gut, multifunktional«) an: »Denn, egal für was Sie sich jetzt entscheiden, es wird nicht die 100-prozentige Lösung sein, mit der die Stadt die nächsten 20 Jahre glücklich ist.«

Hintergrund
Pro und Contra
Was spricht für eine Fußgängerzone:
✔ Effektivste Art der Verkehrsberuhigung
✔ Die Aufenthaltsqualität steigt beträchtlich
✔ Der Bereich erfährt eine städtebauliche Aufwertung
✔ Der Öffentliche Personennahverkehr lässt sich gut einbinden

Was spricht gegen eine Fußgängerzone:
✘ Stärkere Verkehrsverlagerungen in andere Bereiche
✘ Es fallen einige Parkplätze weg (bislang geht die Stadt von 19 aus, es könnten aber auch deutlich weniger werden)
✘ Zunahme des Park-Such-Verkehrs (ein effektives Parkleitsystem ist dann zwingend erforderlich)

Was spricht für einen verkehrsberuhigten Bereich:
✔ Gute Erreichbarkeit der Geschäfte mit dem Auto
✔ Parkplätze in der Hauptstraße bleiben erhalten

Was spricht gegen einen verkehrsberuhigten Bereich:
✘ Geringere Verkehrsberuhigung
✘ Kontrollen sind notwendig
✘ Aufenthaltsqualität lässt sich nicht voll ausschöpfen.

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