Nichts weist auf anonyme Urnengräber hin
Bürger wünscht sich Kennzeichen für Grabfläche am Oberkircher Friedhof / Reisig am Rand gelagert
Ein Erlacher wünscht sich, dass das anonyme Urnenfeld auf dem Oberkircher Friedhof kenntlich gemacht wird. Der Hintergrund: Die Stadt hatte am Rande dieser Grabstätte kurzzeitig Reisig zwischengelagert.
Mitte Februar hatten die Bäume auf dem Oberkircher Friedhof ihren Frühjahrsschnitt erhalten – den umfangreichsten seit rund zehn Jahren, so Ordnungsamtsleiter Christoph Lipps. Das Reisig wurde unter anderem auf einer Rasenfläche auf dem Friedhofsgelände abgelegt Paul Suchland aus Renchen-Erlach findet das »geschmacklos«, weil die Fläche als Grab für anonym bestattete Urnen dient. Auch seine Frau ist dort begraben. Wenige Meter weiter wäre ein gepflasterter Platz als Ablagestelle zur Verfügung gestanden, so Suchland.
Lipps bestätigte auf ARZ-Anfrage, dass im Randbereich der Rasenfläche Zweige abgelegt worden seien – einer von 20 Sammelplätzen. In diesem Abschnitt des anonymen Urnengrabs seien aber »keine Urnen beigesetzt«. Eine andere Möglichkeit der Zweige-Zwischenlagerung bestehe nicht, weil Friedhofweg und umliegende Grabreihen freigehalten werden sollten.
Inzwischen sind die Zweige weggeräumt. Suchland geht es allerdings um mehr: Er wünscht sich, dass das anonyme Urnenfeld dezent als solches gekennzeichnet wird und etwas mehr Respekt erfährt: »Es ist ein Grabfeld, das heute noch genutzt wird.«
Ein Hinweis auf die Grabfläche ist laut eines Sprechers des Bundesverbandes Deutscher Bestatter auch bei anonymen Gräbern »Usus«. Gesetzlich vorgeschrieben ist er in Baden-Württemberg indes nicht (siehe Infokasten).
Paul Suchland hatte nach eigenen Angaben 2004 Musiker zur Rede gestellt, die nach einem Festakt am Friedhof über die anonymen Gräber gelaufen seien. »Sie sagten mir, dass sie das nicht gemacht hätten, wenn sie gewusst hätten, dass hier Urnengräber sind.«
Lage geheim
Die Stadt will laut Lipps die »genaue Lage des Grabfeldes aber nicht bekannt geben«
Er verweist auf einen Beschluss des Bau- und Umweltausschusses von 1992. Anonyme Bestattung bedeutet zum einen, dass kein Grabstein oder Kreuz darauf hinweist, wer hier ruht. Die Anonymität bezieht sich andererseits »nicht nur auf die Identität des Verstorbenen, sondern auch auf die Lage des anonymen Urnenfeldes«, erklärt der Ordnungsamtsleiter. Blumengebinde oder -schalen dürften dort ebenfalls nicht abgestellt werden. Über diese Bestimmungen würden auch die Personen oder Angehörige, die eine anonyme Bestattung wünschen, schriftlich informiert.
Die Regelung entspreche dem »Wunsch der Betroffenen nach absoluter Anonymität«. Lipps schließt das »aus der Tatsache, dass in der Vergangenheit keine Anregungen auf eine Kennzeichnung des Grabfeldes an uns gerichtet wurden«.
Suchland hatte das Urnenfeld daran erkannt, dass auf der Rasenfläche Narben zu erkennen waren – dort, wo die Urnen begraben wurden. »Das hätte man ein bisschen ordentlicher machen können.« Für Lipps
lässt es sich nicht immer vermeiden, dass bei der Bestattung kleine Flächen beschädigt werden. Diese seien im Winter vegetationsbedingt länger sichtbar, würden aber sofort nach Bestattungen wieder frisch angesät. Sein Fazit: »Das Friedhofspersonal pflegt selbstverständlich auch das anonyme Urnenfeld würdevoll.«
Anregungen, Kritik, Fragen:
≤
0 78 02 / 8 04-24
E-Mail: lokales.oberkirch@reiff.de