Luftblase rotiert Wasserleitungen frei
Förderrohre werden von Eisenmangan befreit / Bauarbeiten betreffen Verbraucher im Normalfall nicht
Die Stadtwerke spülen in der Woche vor Pfingsten die Wasserförderleitungen durch, um sie von Eisenmangan zu reinigen. Oberkirch sitzt während der Arbeiten jedoch nicht auf dem Trockenen, sondern wird durch die Hochbehälter versorgt.
Die zwei Zentimeter dicke Schicht Eisenmangan, die sich in den Oberkircher Wasserförderleitungen angesammelt hat, verstopfen das Rohr nicht. Schließlich sind die Leitungen mit einem Durchmesser von 40 Zentimetern dicht Das ungiftige Metall (siehe Infokasten) schränkte die Förderleistung des Wasserwerkes trotzdem ein, betonte Wolfgang Klattig, Geschäftsführer der Stadtwerke Oberkirch.
Pumpte das Wasserwerk mehr als 160 Kubikmeter pro Stunde, löste sich das Eisenmangan von den Leitungen ab und trübte das Wasser ein. »Das dürften wir dann nicht verkaufen«, erklärt Klattig. Das Wasserwerk musste länger mit geringerer Leistung pumpen, um die Hochbehälter zu füllen und Eintrübungen zu vermeiden.
Die Zeit des ungeliebten Untermieters Eisenmangan läuft in den ersten Mai-Wochen ab. Zwischen Montag, 9. Mai, und voraussichtlich Freitag, 13. Mai, spülen die Stadtwerke die Wasserleitungen abschnittsweise frei, die entsprechenden Strecken werden über Hydranten vom Netz abgetrennt.
Folgen für die Oberkircher Verbraucher hat der Vorgang keine: »Wenn’s funktioniert, wie gedacht, merken sie gar nichts«, kündigt Klattig an. Die Förderleitungen transportieren das Wasser nämlich nicht direkt zum Kunden, sondern nur zu den Oberkircher Hochbehältern, von denen aus die Haushalte versorgt werden. Diese Tanks speichern und liefern der Stadt das Wasser, während an der Förderleitung gebaut wird. Bevor die Arbeiten beginnen, »pumpen wir sie sie so voll, wie möglich«, sagt Klattig.
In Gräben abgeleitet
In den abgetrennten Bauabschnitten wird das Wasser zeitweise schwarz, wenn sich das gesamte Eisen abgelöst hat
Es gelangt nicht ins Netz, sondern wird laut Klattig in Straßengräben oder Wiesen abgeleitet. »Das sieht zwar nicht so schön aus, ist aber ungefährlich«, sagt Klattig. Das Wasser versickert, das Eisen werde von der Vegetation aufgenommen. Die Grundstückseigentümer würden verständigt, Biotope seien nicht betroffen. Verantwortlich für die Säuberung ist eine Luftblase, die im Rohr vorwärts rotiert. Sie reibt wie ein Braunkohleförderbagger das Metall vom Rohr ab. »Impuls-Luft-Spülverfahren« lautet der Fachausdruck. Wegen der Luftblase müssen die Stadtwerke das Netz von Renchen bis zum Behälter Boschmatten in Abschnitten, die höchstens 1200 Meter lang sind, säubern. Größere Teilstücke würden die Kompressoren, welche die Blasen erzeugen, überfordern, so Klattig.
Sechs Stunden wird das Rohr mit einem Luftwassergemisch intensiv gesäubert, anschließend wird das Rohr entlüftet und zwei Stunden lang mit Wasser gespült. Die Luft muss entweichen, andernfalls kann sich laut Klattig eine Luftblase bilden, in der sich Schmutz ansammelt und später im normalen Wasser auflöst. Das Problem trat laut Klattig bei einem ersten Spülungsversuch 2003 manchmal auf.
Wenn es »ganz schlimm kommt, müssen wir die Oberkircher mit Lautsprechern bitten, ihren Wasserverbrauch zu mäßigen«, sagt Klattig. Das schmutzige Wasser würde bei diesem Szenario in die Hochbehälter gelangen, die nach der Säuberung jedes Bauabschnitts wieder 16 Stunden lang aufgefüllt werden, um Oberkirch während der Arbeiten am nächsten Teilstück mit Frischwasser zu versorgen.
Um auf Nummer sicher zu gehen«, so Klattig, geht während der Bauarbeiten der Reservebrunnen in Zusenhofen ans Netz. Er versorgt dann unabhängig Nußbach, Zusenhofen, Stadelhofen, Haslach, Ulm und Erlach mit Frischwasser.
Nie mehr Eisenmangan
Wenn das letzte von zehn Teilstücken vom Eisenmangan befreit ist, werde es »im Prinzip für immer und ewig keine Spülung mehr geben«, verspricht Klattig. Das neue Wasserwerk »Waldbühnd«, das Ende Mai oder Anfang Juni in Betrieb gehen soll, filtert Eisenmangan aus, bevor dieses überhaupt in die Wasserrohre gelangt.