Lange Leidenszeit für Offenburg

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Vortrag über die Zerstörung der Stadt 1689.

 

»Im Brandschutt nur die Klostertür – Die Zerstörung Offenburgs 1689« war das Thema des jüngsten Vortrages bei den Geschichtsfreunden Kapplertal mit dem Referenten Manfred Merker (Offenburg). Dieser Vortrag fand erstmals in den Räumen der Winzergenossenschaft Waldulm statt Die Geschichtsfreunde Kapplertal, so Helmut Decker, waren auf der Suche nach einem neuen Vortragsraum und fanden diesen nun dank des Entgegenkommmens von Geschäftsführer Bernhard Fischer in den Räumen der Winzergenossenschaft Waldulm.
»Ich alte Tür habe im Kriegsfeuer von 1689, als das Franziskanerkloster niedergebrannt wurde, tapfer in den Flammen durchgehalten und bin als einzige gerettet worden«, so übersetzte der Referent die lateinische Türinschrift auf der ältesten erhaltenen Offenburger Tür, der Klosterpforte des ehemaligen Franziskanerklosters. Die Geschichte dieser Tür ist eng mit der Geschichte von Offenburg verbunden. Wenn man vom Beginn des europaweiten 30-jährigen Krieges 1618 ausgeht, so Manfred Merker, und das Jahrhundert mit dem Ende des Pfälzischen Erbfolgekrieges Ludwigs XIV. beschließt, war die Freie Reichsstadt Offenburg über 80 Jahre lang kriegerischen Handlungen ausgesetzt, die Wohlstand und Gedeihen des blühenden Marktstädtchens im Kern getroffen haben.
Nachdem Appenweier 1631 von schwedischen Truppen geplündert wurde und Rammersweier in Flammen stand, wurde Offenburg beschossen und musste 1632 bedingungslos kapitulieren. Für Offenburg begann nach dem Aderlass des 30-jährigen Krieges eine noch viel schlimmere Leidenszeit durch die Eroberungskriege Ludwigs XIV. Die Gründe für den Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) legte der Referent ausführlich dar, der fatale Auswirkungen auf Offenburg haben sollte.
Ein Trümmerhaufen
Für Offenburg bedeutete dieser Vernichtungskrieg eine erneute neunjährige Leidenszeit. Offenburg kapitulierte am 4. Oktober 1688 vor den Franzosen. Noch 1688 traten die Franzosen den Rückzug an, nachdem die kaiserlichen Truppen sie zurückdrängten. Dieser Rückzug entartete jedoch 1689 zu einer erbarmungslosen Vernichtung des gesamten deutschen Südwestens. Ende Februar 1689 war die französische Besatzung aus der Stadt abgezogen, Offenburg wurde aber wieder im August 1689 von den Franzosen besetzt, die sofort mit einem vierwöchigen Zerstörungswerk begannen. Von Offenburg blieb nur noch ein rauchender Trümmerhaufen übrig, ein zufällig verschontes Kapuzinerkloster am südlichen Stadtrand und irgendwo im Brandschutt die »tapfere Klostertür« am nördlichen Stadtrand.
Helmut Decker bedankte sich beim Referenten für seinen Vortrag und überreichte ihm ein Präsent. Gleichzeitig wies er noch auf den nächsten Vortrag am 3. Februar hin mit dem Thema »Preußen und das Kaiserreich« mit Wolfgang Stengele aus Achern.

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