Kleine Hilfen – große Gefühle
Oberkircher Ehepaar hilft seit 20 Jahren Not in Rumänien zu lindern / Katastrophale Armut in Dörfern
Elisabeth Metzner-Costoiu und Marcel Costoiu versorgen die arme Bevölkerung Rumäniens seit 1990 mit den verschiedensten Hilfsgütern. Viele Kleider, Lebensmittel oder Spielzeuge werden von Menschen aus dem Renchtal gespendet.
Vor 20 Jahren reiste das Oberkircher Ehepaar Elisabeth Metzner-Costoiu und Marcel Costoiu zum ersten Mal nach Rumänien, um die dortige Bevölkerung mit Hilfsgütern zu versorgen. Zuvor waren sie immer nur zum Urlaub dort, erzählt der gebürtige Rumäne
Trotz der Revolution von 1990 und dem damit einhergehenden Ende des Kommunismus hat sich das Land bis heute noch nicht von den Folgen jahreslanger Misswirtschaft und Diktatur unter Nicolae Ceaucescu erholt. »Viele Menschen in Rumänien haben ihren Stolz verloren und keine Hoffnung«, beschreibt der 60-Jährige die Verzweiflung in seinem Heimatland, die einhergeht mit hoher Arbeitslosigkeit und Kriminalitätsrate.
In den Dörfern haben die wenigsten Menschen eine Heizung, fast niemand fließend Wasser, häufig gibt es nur Plumpsklos; die Häuser sind verfallen, die Straßen oft nicht asphaltiert. »Fast wie in Deutschland nach dem Krieg«, sagt Marcel Costoiu schockiert.
Kampf ums Überleben
Vor allem in den Dörfern kämpfen viele Einheimische täglich ums Überleben, auch junge Leute. »Vom ohnehin schon geringen Lohn wird das meiste für Brot ausgegeben – das Einzige, was sich die Leute leisten können«, erzählt Costoiu weiter. »Es gibt zwar Supermärkte, aber nur wenige können die Waren dort bezahlen. Viele Rentner müssen von rund zwanzig Euro pro Monat auskommen, sehen oft keinen Sinn mehr im Leben.«
Seit 1990 habe sich die Bevölkerung Rumäniens von 22 Millionen auf 20 Million reduziert – viele seien weggezogen, gestorben oder sogar umgebracht worden. Seit ein paar Jahren werde das Land zwar verstärkt durch die EU unterstützt, oft komme das Geld wegen korrupter politischer Machenschaften aber nicht bei den Bedürftigen an, so Costoiu. Daher haben sich er und seine Ehefrau Elisabeth Metzner-Costoiu geschworen, die Bevölkerung zu unterstützen und deren Lebensverhältnisse etwas zu verbessern. »Wir wissen, dass das nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein ist und dass es nie Gerechtigkeit in der Welt geben wird, trotzdem wollen wir aus eigener Überzeugung den Menschen helfen und ihr Leid ein bisschen lindern«, so die beiden unisono. »Das ist eine Bereicherung für unsere Seele.«
Unterstützt wird das Ehepaar dabei seit Jahren von der Bevölkerung des Renchtals. Kleider- und Lebensmittelspenden, aber auch Spielsachen und vieles mehr werden privat gesammelt und an Bedürftige in Kindergärten, Altersheimen oder Frauenhäusern verteilt. »Alles kommt dort an, wo es gebraucht wird«, versichert Elisabeth Metzner-Costoiu. Auch Tierheime und Schulen wurden schon unterstützt, ein Kirchenglockenturm und ein Dorfbrunnen restauriert und ein Rathaus mit ausrangierten Computern ausgestattet.
»Ein mühsamer Weg«
Nach den Worten der 59-Jährigen hatte man schon häufiger Schwierigkeiten mit der Bürokratie des Landes. An der Grenze oder am Zoll mussten sie lange warten oder die Spenden wurden längere Zeit einbehalten. »Man muss auch immer aufpassen, nicht beklaut zu werden. Es ist oft ein mühsamer Weg, aber wenn wir die dankbaren Augen der Menschen sehen, ist das für uns die größte Befriedigung.« Dafür opfern sie auch gerne ihre Freizeit.
Früher haben sie auch manchmal ihre Kinder mitgenommen um ihnen zu zeigen »wie bequem sie es hier haben und wie gut es uns allen in Deutschland geht«. »So lange wir noch die Kraft dazu haben, wollen wir weiter machen«, sind die beiden fest überzeugt.
STICHWORT
Das Ehepaar Costoiu
Marcel Costoiu wurde in Ciuperceni (Bezirk Gorj, rund 8000 Einwohner) im Südwesten Rumäniens geboren. Mittlerweile ist er Ehrenbürger, sein Vater war Bürgermeister des Städtchens. Im Alter von zehn Jahren zog er nach Resita, ungefähr 500 Kilometer von Bukarest entfernt. Anfang der 70er Jahre lernte er seine spätere Frau Elisabeth kennen, die mit ihrer Familie auf Rumänienurlaub war. Seit 1979 leben Marcel Costoiu und Elisabeth Metzner-Costoiu gemeinsam in Oberkirch. Der gelernte Diplomingenieur und die Schwesterhelferin des Oberkircher Krankenhauses haben zusammen drei erwachsene Kinder.
Marcel Costoiu und Heimleiterin Luminita Inpuscatul (Mitte) sind dankbar, den bedürftigen rumänischen Heimbewohnern die Spende übergeben zu dürfen.
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