»Gladbach ist etwas Besonderes«

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Peter Krause aus Oberkirch schwärmt für den Verein von Netzer und Vogts / Weltweit Sympathisanten

 

Die ganz großen Zeiten seines Vereins hat er noch nicht miterlebt: Als Borussia Mönchengladbach in den 70ern fünf Meisterschaften feierte, war Peter Krause noch gar nicht geboren. Dennoch hat der 29-jährige Oberkircher sein Herz an den Verein vom Niederrhein verloren. Warum, das erklärt er in unserer Fanserie
Herr Krause, wie wird man als Badener Fan einer niederrheinischen Traditionself?
Peter Krause: Als Kind habe ich bei Bekannten immer die Sportschau gesehen. Fast alle sympathisierten mit Mönchengladbach, das hat mich damals sehr geprägt. So bin ich zur Borussia gekommen. Auch der Vater eines Klassenkameraden war Gladbach-Fan. Ich war schon ein bisschen neidisch, als die Familie zu Spielen gefahren ist. Da meine Eltern nicht so fußballbegeistert waren, habe ich mir meine Leidenschaft selbst erkämpft.
Den Kampf haben Sie gewonnen. Gladbach holte aber seit den 70er Jahren nicht mehr viele Titel.
Krause: Leider habe ich diese Glanzzeiten nicht miterleben können. Daher war die Saison 1994/95, als Gladbach Pokalsieger und Fünfter wurde, die bislang erfolgreichste für mich als Fan. Ich bin mir aber sicher, dass ich irgendwann wieder einen Titel mit der Borussia feiern kann.
Warum?
Krause: Im Moment verfolgt der Verein eine gute Philosophie: Man spürt eine gewisse Kontinuität, die Situation wird realistisch eingeschätzt und man versucht, sich von Jahr zu Jahr zu verbessern. Außerdem wird wieder verstärkt auf junge Talente gesetzt, es werden nicht ständig Spieler ver- und gekauft und mehrmals der Trainer gewechselt. Erfolg lässt sich nicht immer mit Geld kaufen. Wichtig sind Spieler, die sich mit dem Verein identifizieren

Welche Spieler waren bei den Fans besonders beliebt?
Krause: Am beliebtesten sind Spieler, die dem Verein lange treu bleiben. Zum Beispiel ein Uwe Kamps, der seit 1981 bis heute – früher als Spieler, heute als Torwarttrainer – bei Gladbach angestellt ist, oder ein Christian Hochstätter, der 300 Spiele für den Verein absolviert hat. Heute ist so etwas eher selten. Sobald ein junger Spieler gute Leistungen bringt, sind die »kleineren Vereine« gezwungen, den Spieler abzugeben – siehe die Nationalspieler Marcell Jansen oder Marko Marin. Dieses Problem sollte man als Chance sehen und die eigene Jugend besser fördern. Trainer Michael Frontzeck, der in Gladbach geboren ist und lange im Verein gespielt hat, erhält sowohl von den Fans und als auch vom Verein zusätzliche Rückendeckung.
Sie sprachen die 90er Jahre an. Eine besonders schöne Zeit für Sie als Fan?
Krause: Vor allem eine sehr erfolgreiche Zeit. Mit Spielern wie Effenberg, Andersson oder dem Traumsturm Dahlin und Herrlich kam der Erfolg zurück. Spiele, wie das legendäre 7:1 gegen Bochum 1994, das ich immer noch auf Video habe, der bis heute einzige Sieg in München (1995; 2:1), das unübertroffene Elfmeterschießen im DFB-Pokalhalbfinale 1992, als »Fußballgott« Kamps bis heute unerreichte vier Elfmeter gehalten hatte, werden mir ewig in Erinnerung bleiben. Auch das Live-Spiel im Karlsruher Wildparkstadion 1998 war beeindruckend – Gladbach hat 5:2 gewonnen.
Fahren Sie oft zu Spielen der Gladbacher?
Krause: Ich versuche zwei bis drei Spiele pro Saison zu besuchen, im Moment eher im hessischen Raum. Als Nicht-Mitglied ist es schwer, an Auswärtskarten zu kommen. Heimspiele konnte ich leider aufgrund der Entfernung und der daraus entstehenden Kosten nicht so oft besuchen, mindestens ein Besuch im Borussia Park pro Saison gehört aber zum Pflichtprogramm. Wenn mich mein zukünftiger Beruf an den Niederrhein verschlagen sollte, werde ich mir sicher eine Dauerkarte zulegen.
Waren Sie einmal auf dem altehrwürdigen Bökelberg?
Krause: Auf dem Bökelberg war ich leider nur zweimal, es war toll, bei einem der letzten Spiele nochmals dabei sein zu dürfen. Mit anzusehen, wie sich durch den Abriss (2004) Jahrzehnte der Fußballgeschichte binnen Sekunden in Staub auflösen, war ein wehmütiger Moment. Mit dem neuen Stadion bieten sich dem Verein aber ganz andere finanzielle Möglichkeiten.
Die Außendarstellung des Vereins ist seit jeher positiv. Woran liegt das?
Krause: Durch den attraktiven Fußball in den 70er Jahren hat sich die Borussia weltweit viele Sympathien erspielt, sogar in Neuseeland und Australien habe ich schon Gladbach-Fans kennengelernt. Die meisten der damaligen Fans sind dem Verein bis heute treu geblieben, man findet sie in ganz Deutschland. Dies zeigt sich vor allem bei Auswärtsspielen, bei denen regelmäßig mehrere tausend Fans den Verein unterstützen. Dies beeindruckt mich genauso wie die zahlreichen Geschichten (die erste Meisterschaft, der Büchsenwurf, der Pfostenbruch, Matthäus‘ verschossener Elfmeter im Pokalfinale oder das 12:0 gegen Dortmund), die ich allerdings nur aus Erzählungen kenne. Diese unvergesslichen Momente machen Gladbach zu etwas Besonderem.

STICHWORT
Peter Krause
Peter Krause ist 29 Jahre alt, ledig und in Oberkirch aufgewachsen. Seit seinem Abitur am Hans-Furler-Gymnasium und dem Zivildienst studiert er in Gießen. Nach dem Bachelor-Abschluss in Ernährungswissenschaften schreibt er derzeit an seiner Masterarbeit in Agrobiotechnologie.
Er spielt unter anderem in einer Gießener Hobbymannschaft Fußball, ist öfters auf Konzerten, in den Bergen beim Snowboarden oder auf Reisen in fernen Ländern.

STICHWORT
Gladbach: Die Elf der wilden 70er
»Borussia Verein für Leibesübungen 1900 Mönchengladbach« stieg 1965 in die Bundesliga auf und errang bis heute insgesamt fünf Meistertitel (1970, 71, 75, 76, 77), drei DFB-Pokalsiege (1960, 73, 95) und zwei UEFA-Pokalsiege (1975, 79). Die temporeiche und offensive Spielweise, mit der die Mannschaft in den 70er Jahren die Bundesliga mit vorwiegend jungen Spielern dominierte, brachte der Mannschaft den Spitznamen »Fohlenelf« ein. Nachdem der Verein in den letzten zwölf Jahren zweimal abgestiegen war, spielen die Borussen seit 2008 wieder erstklassig. Ihre Heimspiele tragen die Kicker im Borussiapark aus, der 54 057 Zuschauern Platz bietet.

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Sein erstes Gladbach-Trikot kaufte sich Peter Krause Anfang der 90er Jahre: »Als Kind war es ohne Internet schwer an diese Fanartikel zu kommen.

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Veröffentlicht in Oberkirch

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