»Gegen ein paar Böller habe ich nichts«
Evangelische Kirche mahnt aber zur Mäßigung zum Jahreswechsel / Man solle lieber Geld spenden.
Mehr als hundert Millionen Euro werden in der Silvesternacht in Deutschland in den Himmel geschossen, prognostiziert die Hilfsorganisation »Brot für die Welt«. Seit jeher appelliert sie ans Gewissen der Feierwütigen: »Brot statt Böller« lautet die Aktion Statt Raketen in den Himmel zu schießen, solle man lieber gemeinnützige Projekte finanziell unterstützen.
Der Vorschlag der Hilfsorganisation stößt bei der evangelischen Kirche in Achern auf Zustimmung. »Wir wollen keine Spielverderber sein«, betont Pfarrer Hans-Gerd Krabbe, »aber man muss auch darauf aufmerksam machen, was falsch läuft in der Welt.«
Millionen verpuffen
In den Augen des Geistlichen ist das zum Beispiel der ausschweifende Raketen- und Knallerkonsum in der Silvesternacht: »Gegen ein paar Böller habe ich gar nichts«, so Krabbe, »aber wie passen die Millionenbeiträge zur Armut, die bei uns grassiert?« Gemeint sei damit nicht nur die Hungersnot in Entwicklungsländern, sondern auch die Armut vor der Haustür: »Wenn es um die Erhöhung der Hartz-IV-Sätze geht, wird um jeden Cent gefeilscht. Aber zum Jahreswechsel verpuffen Millionen einfach so im Himmel.«
Ganz ähnlich sieht es Andreas Moll aus Kappelrodeck. »Wir wollen die Freude der Menschen nicht anprangern, sondern das Bewusstsein schärfen«, sagt der Pfarrer, der sich selbst vom Silvesterbrauchtum nicht ausnimmt: »Auch ich werde im bescheidenen Rahmen eine Rakete steigen lassen, gleichzeitig aber wie jedes Jahr spenden.« Laute Knaller und Feuerwerk en masse gebe es bei Andreas Moll aber nicht.
»Wir läuten um zwölf die Kirchenglocken, das ist viel schöner und lauter als jeder Böller«, meint der Pfarrer. Seine zehnjährige Tochter freue sich jedes Mal darüber.
Spenden per SMS
Bei »Brot für die Welt« – eine Organisation die das DZI-Spendensiegel trägt – hat man sich unterdessen eine einfache Möglichkeit ausgedacht: Wer eine SMS mit dem Stichwort »Brot« an die Nummer 81190 schickt, bekommt automatisch fünf Euro mit der nächsten Handyrechnung abgebucht. »Das Geld geht in den allgemeinen Topf mit Schwerpunkt Afrika«, erklärt Pressesprecher Rainer Lang. Wer für ein konkretes Projekt spenden wolle, müsse dies mit einer klassischen Überweisung tun.
Ob die gut gemeinten Appelle fruchten, ist derweil eine ganz andere Frage. Schon gestern wurden in vielen Acherner Supermärkten, Kaufhäusern und Drogerien die Böller-Vorräte knapp.
Der Feuerwerksverkauf geht voran, hier im »Treff 3000« in Achern.
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