Gar eigene Vorfahren entdeckt
Der Geschichtstag in Fautenbach bedeutete auch für einige Besucher eine Reise in die Vergangenheit
»Ein toller Tag für Fautenbach«, kommentierten wetterfeste Besucher, was sie am Sonntag von morgens bis in die Nacht unter dem Motto »Fautenbach erinnert sich« erlebt hatten.
Hunderte Besucher wollten die mehr als 70 Bilder sehen, die aus zahlreichen Kisten und Alben zusammengekommen waren und durch die Geschichtswerkstatt Fautenbach vergrößert und mit erläuternden Texten an Original-Schauplätzen präsentiert wurden
Ortsvorsteher Gebhard Glaser hieß im eigens aufgebauten Zelt im Mitteldorf willkommen. Bürgermeister Dietmar Stiefel war gekommen, Bürgermeistervertreter Bernard Martin aus Scherwiller auch, ebenso Gemeinde- und Ortschaftsräte oder die Vorsitzenden der umliegenden Geschichtsvereine. Laut Glaser ganze Arbeit hatte das Vorbereitungsteam der Geschichtswerkstatt mit Gerhard Weber, Beate Flick-Schreiber, Raimund Schreiber und Leopold Lorenz geleistet.
Keine Debatten auslösen
Gerhard Weber erläuterte den Sinn des »Geschichtsparcours«, für den man eigens ein Quiz ausgearbeitet hatte. »Wir wollen zeigen, wie früher gelebt wurde, wie das Dorf und die Menschen ausgesehen haben und keine Diskussionen auslösen, wann die besseren oder schöneren Zeiten waren.«
Leopold Lorenz stellte als ehemaliger Anwohner der Ringstraße das Geschehen um die Bahnverlagerung in den 80er Jahren dar, das mit 15 Abrissen von Gebäuden einher gegangen war. »Es war eine schwierige Zeit«, erinnerte Lorenz an die Sorgen, die mit dem Abriss eines Familienheims verbunden waren. Nach 1975 hätten die ersten Überlegungen für die Erweiterung eingesetzt, nach 1980 sei die Sache akut geworden. Als der Gemeinderat 1984 die endgültige Variante von Professor Ernst Krittian beschlossen habe, sei es ernst geworden für Fautenbach und man habe für die Betroffenen das Baugebiet Zelli westlich der Bahn beschlossen
Er selbst, so Lorenz, habe mit seiner Familie keine zehn Jahre in dem dann abgerissenen Haus gewohnt. Viele große Bildtafeln der Sonderausstellung »Bahnumgestaltung« ließen die Schritte der Umbaus ebenso erkennen wie die schon mit der Elektrifizierung verbundenen Veränderungen ab 1956 und den Bau der einstigen Bahnüberführung zwischen Kohlenweg und Bundesstraße nach 1971. Viele Bilder, so Leopold Lorenz, habe man aus dem bedeutenden Archiv des einstigen Bahnbeamten Anton Armbruster bekommen.
Begeistert waren die Spaziergänger entlang des Fautenbachs von der »Schwanzgass« bis zur Ölmühle. Sollten ursprünglich nur Häuser ausgestellt werden, so wurde rasch deutlich, dass die zugleich abgebildeten Alltagsvorgänge wie das Dreschen oder Rübenwaschen am Bach ebenso viele Gespräche auslösten wie die ehemalige Poststelle in der Ringstraße, der Stierstall, das Wachhäusle, das Milchhäusle oder das Hebammenhaus mit Kindlesbrunnen. Nicht zuletzt begeisterte sich mancher, Vorfahren auf einem Bild zu finden, dessen Existenz bisher gar nicht bekannt war.
Ganztags belebt war der Festplatz als Kommunikationszentrum in der Ringstraße. Der Reit- und Fahrverein bewirtete eifrig. Ein Bläserensemble des Musikvereins bot Herzhaftes. Flottes Spiel bot später die von Erwin Manz geleitete Rentnerbänd des Musikvereins.
Liedle und Sprüchle
»Gibt’s denn jetzt die alte Waschwiiber noch?«, zogen dieselben singend mit Trommel und alten Marktchaisen durch die Ringstraße, um auf dem eigens gestalteten Waschplatz Liedle und Sprüchle im besten Elsässerdiitsch zu präsentieren. Gebhard Glaser und Bernard Martin bekamen unter viel Beifall ihren schrubbenden Auftritt am Waschbrett, sogar die Bachenten wurden einbezogen.
»Waschplatzpolizist« Olivier Sengler und seine Frauen Cecile, Celine, Denise, Pierette, Adele, Alice, Odile, Irene und Lucy sorgten für viele Lacher und demonstrierten lebhaft, wie einst auch am Fautenbächel Ortspolitik gemacht wurde.
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