»Freizeitbad ist Chefsache«

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Bernd Sieferman über seine jüngste Kenia-Reise, die geplante Heizung fürs Bad und kulturelle Pläne

 

Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu, Verwaltung und Gemeinderat nehmen bald ihre gewohnte Arbeit auf Dass es im Rathaus aber auch im Sommer turbulent zugeht, welche Aufgaben in Renchen demnächst anstehen und was sich der Bürgermeister von der Erlacher Teilnahme am Landeswettbewerb verspricht, verrät Bernd Siefermann im Interview.
Ω In der Ferienzeit ist es auch im Rathaus ruhiger oder trügt der Schein?
Bernd Siefermann: Da trügt eher der Schein. Nehmen wir beispielsweise das Bauamt. Stadtbaumeister Brandstetter legt üblicherweise seinen Urlaub außerhalb der Ferienzeiten, weil gerade in den Sommerferien besonders viel Reparatur- und Sanierungsarbeiten in den Schulen und Kindergärten anfallen. Auch im Einwohnermeldeamt ist viel los, da zahlreiche Reisedokumente noch kurzfristig gebraucht werden. Arbeit gibt es daher immer reichlich.
Ω Auch in den anderen Ämtern?
Siefermann: Ja, da Ferienzeit eben auch heißt, dass die Mitbürger mehr Zeit haben, um Dinge zu erledigen. Hinzu kommt, dass das Rathaus gerade urlaubsbedingt nicht voll besetzt ist und der Einzelne eine Mehrbelastung bewältigen muss. Für mich selbst darf ich sagen, und dafür bin ich auch sehr dankbar, dass mir meine Mitarbeiter und beiden Stellvertreter Heinz Schäfer und Wolfgang Bär es ermöglicht haben, in diesem Jahr wieder eine längere, soziale Reise zu machen.
Ω Wohin ging’s?
Siefermann: Mit meiner Familie sowie Bürgern aus Renchen und Umgebung war ich mit Pfarrer Willy Schneider in Kenia. Schwerpunkt war der Aufenthalt im Waisenhaus »Malaika Children’s Home«, welches von Pfarrer Schneider und seiner afrikanischen Frau Asuna geleitet wird

 

Derzeit leben dort 140 Waisenkinder, die Unterkunft, Essen, medizinische Betreuung und Schulbildung erhalten. Der Betrieb wird durch Spendengelder gesichert. Bürger von Renchen und den Umlandgemeinden haben hier schon einen maßgeblichen Anteil dazu geleistet.
Ω Haben Sie sonst noch etwas von dem Land gesehen?
Siefermann: Besuche bei der deutschen Botschaft in Nairobi, bei Politikern, Institutionen und Entwicklungshilfeprojekten vor Ort füllten das Reiseprogramm. Wer Pfarrer Schneider kennt, der weiß, dass trotz oft langer und anstrengender Reise, immer auch noch Zeit für Geselligkeit bleibt. Feiern mit der kenianischen Bevölkerung bei Musik und Tanz, örtlichen Essensspezialitäten, Hirsebier und Maisschnaps kamen daher nicht zu kurz.
Ω Zurück in Renchen wartet wieder Arbeit auf Sie. Welches ist die dringlichste Aufgabe, der Sie sich mit dem Gemeinderat nach der Sommerpause widmen müssen?
Siefermann: Der große Block, der jetzt schon wieder auf uns zukommt, ist die Planung des Haushalts 2007. An Einzelaufgaben werden wir uns mit dem »Haus der Vereine« und der Installation eines Blockheizkraftwerkes zur Wärmelieferung zu beschäftigen haben. Des Weiteren werden wir uns verstärkt auch der Erschließung des Baugebietes »Braite Ost« in Ulm und den vorbereitenden Arbeiten zum Ausbau des Radweges Renchen – Ulm widmen.
Ω Bleiben wir beim »Haus der Vereine« – wie geht's im Zeitplan weiter?
Siefermann: Nachdem sich der Gemeinderat mit großer Mehrheit dafür entschieden hat, das »Haus der Vereine« einzurichten und damit auch ein deutliches Zeichen zur Unterstützung der Vereinsarbeit gesetzt hat, werden nun die baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen. Die notwendigen Rohbaumaßnahmen sollen im Frühjahr 2007 ausgeschrieben werden, ab Sommer die Vereine beginnen, ihre Räume zu gestalten und der Einzug könnte dann im Herbst erfolgen.
Ω Mit Blick auf die Stadtkasse haben Sie bürgerschaftliches Engagement bei den Umbauarbeiten in der Teichmatt gefordert. Werden auch Sie mit anpacken?
Siefermann: Allen Beteiligten und Vereinen ist bewusst, dass sie ihre Räume in Eigenarbeit herrichten müssen. Dazu haben auch alle ihre Bereitschaft erklärt. Welchen Aufwand die einzelnen Vereine dabei haben werden, hängt von den jeweiligen Ansprüchen ab. Im Wesentlichen dürften sich die Arbeiten eventuell auf das Verlegen von Bodenbelägen oder Streicharbeiten beschränken. Streicharbeiten haben mich übrigens auch schon seinerzeit, bei der Renovierung der Ullenburghalle in Ulm, zusammen mit dem früheren Ortsvorsteher Gottfried Walz auf ein Gerüst gebracht, um die Deckenbalken zu streichen.
Ω Die Temperaturen im Juli waren zwar heftig, aber zuvor hatte der Sommer auf sich warten lassen. Es gibt Pläne, dass das Wasser im Freizeitbad künftig vorgeheizt werden soll. Schon in der kommenden Saison?
Siefermann: Ja, es gibt konkrete Pläne. Dieses Thema ist mir sehr wichtig, da besonders zu Beginn der Badesaison, im Mai, aber auch gegen Ende im September oft sehr erfrischende Wassertemperaturen herrschen, auch wenn wir derzeit noch angenehme 23 Grad zu bieten haben. Dieses Jahr war aber auch der August kühl. Gelegentlich sage ich, dass der größte Fan des Freizeitbades der Bürgermeister selbst ist – und das nicht nur im Spaß –, daher mache ich dieses Thema gerne zur Chefsache. Um unseren Gästen während der ganzen Badesaison ein angenehmes Schwimmen zu ermöglichen, wollen wir schon – möglichst im nächsten Jahr – mit diesem Sevice dienen. Damit wird eines unserer Aushängeschilder noch attraktiver wird.
Ω Erlach steht im Landesentscheid des Wettbewerbs »Unser Dorf hat Zukunft«. Was erwarten Sie sich von der nächsten Runde?
Siefermann: Erlach ist sehr gut aufgestellt. Diese Einschätzung wurde uns auch vom Regierungspräsidium Freiburg bestätigt. Ortsvorteher König, der Ortschaftsrat und die Bürger haben in den vergangenen Jahren ganze Arbeit geleistet. Dafür haben sie alle großen Dank und Anerkennung verdient. Wichtig für die Bewertungskommissionen war bisher immer, dass alle Bewertungskriterien des Wettbewerbes ernst genommen werden. Schön ist, dass die Teilnahme einen großen Motivationschub mit sich gebracht hat und die Erlacher mit großer Freude an der Fortentwicklung des Dorfes weiterarbeiten. Ich wünsche Erlach schon jetzt viel Erfolg und hoffe, dass am 14. September alles gut geht. Drücken Sie mit uns die Daumen, Erlach ist das einzige Dorf im Ortenaukreis, das sich für den Landesentscheid qualifiziert hat.
Ω Beim Kreiswettbewerb 2008 will auch Ulm antreten. Denken Sie, dass es Ulm ebenso weit bringen kann?
Siefermann: Auch Ulm hat der Bewertungskommission viel zu bieten. Es ist ja nicht so, dass die Bürger gerade erst beginnen würden, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Teilnahme zu schaffen. Seit vielen Jahren werden hier Leistungen erbracht, die im Wettbewerb mit Sicherheit positiv bewertet werden.
Ω Zum Beispiel?
Siefermann: Der frühere Ortsvorsteher Gottfried Walz hat schon gezielt auf die Teilnahme hingearbeitet. Als Beispiel hierfür möchte ich nur die Gestaltung des Kirchplatzes oder ehrenamtliche Umgestaltungsmaßnahmen auf dem Friedhof nennen. Als mustergültige Leistung im Bereich des ehrenamtlichen Engagements darf ich die sanierte Ullenburghalle anführen. Überhaupt sind in Ulm das Engagement der Bürger in Vereinen und die Identität mit dem Dorf stark ausgeprägt. All dies wird von der Kommission geprüft und bewertet. Ortsvorsteher Spraul und die Ortschaftsräte haben sich erneut dazu erklärt, den Wettbewerb mit dazu zu nutzen, das Dorf in der Entwicklung voranzubringen.
Ω Was passiert weiter?
Siefermann: In Arbeitsgruppen wird intensiv beraten, wurde ein Konzept erarbeitet und bereits eine Info-Veranstaltung durchgeführt. Die Resonanz auf die Teilnahme am Wettbewerb ist erfreulich gut, so dass ich davon ausgehe – und das kann man in Ulm immer sagen –, wenn die Ulmer etwas anpacken, dann richtig!
Ω Kultur schreibt die Stadt Renchen vor allem im Herbst groß. Worauf darf man sich heuer freuen?
Siefermann: Nachdem wir im Herbst 2003 die Literaturtage Baden-Württemberg und 2004 die Jugend- und Kinderliteraturtage Baden-Württemberg mit großer Resonanz veranstaltet haben, konnten wir im letzten Jahr die Verleihung des Grimmelshausenpreises feiern. In diesem Jahr wollen wir an die mittlerweile zur Tradition gewordenen Kulturtage Renchen anknüpfen und ein reichhaltiges Angebot von Kabarett, Lesung, Theater und Konzert bis hin zum Puppenspiel anbieten. Das Programm werden wir in Kürze veröffentlichen.

 

Jetzt klicken und 10 Tage kostenlos Zeitung lesen

Werbung

Veröffentlicht in Erlach

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post