Figurprobleme zeigen sich recht früh

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Vortrag: Wie Kinder durch richtige Ernährung und Bewegung ihr Gewicht in den Griff bekommen

Zum Thema »Babyspeck – Übergewicht und Fettsucht im Kindesalter« referierte die Oberkircher Kinderärztin Dr. Sabine Peters am Montagabend bei den Renchener Gesundheitstagen.

 

»Babyspeck, also Röllchen, die Kinder im ersten Jahr an Armen und Beinen haben, haben mit dem späteren Dicksein nichts zu tun«, nahm Dr. Sabine Peters, Kinderärztin in Oberkirch, bei ihrem Vortrag über »Übergewicht und Adipositas (Fettsucht) bei Kindern« gleich vorweg Allerdings verwies sie auch, dass sich bereits im Kindergarten- und Vorschulalter vorausschauen lasse, ob ein Kind später Figurprobleme hat.
Diabetes, Bluthochdruck, orthopädische Probleme, Schlafstörungen – dicke Kinder und Jugendliche leiden schon in frühen Jahren. Allerdings nicht nur rein körperlich, sondern auch seelisch. Sie werden gehänselt, nicht anerkannt, leben in Isolation. Partner- und Stellensuche werden ihnen erschwert.
»Uns ist aufgefallen, dass keine dicken Kinder mehr ins Turnen kommen«, hatte auch zu Beginn des Vortrags FSC-Jugendleiterin Karola Sukup-Rafalski verwiesen, die im Namen von Werbegemeinschaft Renchen und FSC Erlach begrüßte.
Doch was ist dick? Normalgewicht, Übergewicht, Fettsucht – all dies erläuterte Peters anhand von BMI, dem Body- oder Körpermaßindex, und erklärte das Zusammenspiel vieler Faktoren, genetischer wie gesellschaftlicher, die auf das Gewicht Einfluss haben. »Die Gesellschaft macht es einem nicht leicht, Fastfood findet man an jeder Ecke, gesunde Snacks für zwischendurch kaum irgendwo«, resümierte die Kinderärztin, die den ersten Schritt zu einer besseren Figur kennt: »Kind und Eltern müssen zur Einsicht kommen und motiviert sein, etwas zu ändern.« Die Verhaltensweisen in der Familie müssen sich ändern, sonst ist das Kind auf sich allein gestellt und von vornherein zum Scheitern verurteilt

 

Umgekehrt nütze es aber auch nichts, wenn die Eltern sagen, du bist zu dick. »Dann holt sich das Kind Essen von außerhalb«, so Peters.
Vorteil: Wachstum
Grundsätzlich sei bei Kindern – so sie nicht schon an Folgeerkrankungen (Beispiel Diabetis), leiden – eine Gewichtsstabilisierung, keine -reduktion (Diäten führen meist zum Jo-Jo-Effekt) anzustreben. Peters: »Kinder haben einen großen Vorteil: Sie wachsen noch.« Am Beispiel eines fettsüchtigen Mädchens zeigte sie, wie dieses innerhalb von zwei Jahren durch Gewichtsstabilisierung und Wachstum auf ihr Normalgewicht kam. »Man muss nur abwarten«, so die Kinderärztin, die aber weiß, dass sich dies einfacher anhört als es ist. Wie Daniela Dreher, AOK-Ernährungsberaterin, gab sie Tipps zur richtigen Ernährung (viel Obst, Gemüse, Vollkorngetreide; wenig Fett und Zucker; Süßigkeiten ja, aber in Maßen) und animierte zu mehr Bewegung. Allerdings machte sich aufmerksam: »Übergewicht und Adipositas sind chronische Erkrankungen und erfordern eine lebenslange Therapie«.
»Vieles weiß man schon«, sagte am Ende Sukup-Rafalski, »man muss es sich aber immer wieder bewusst machen, damit man sie in den Alltag auch umsetzen kann«.
Fazit: Ein wichtiges Thema, interessante Referate, einzig mehr Besucher hätte die Veranstaltung vertragen, vor allem wenn man bedenkt, dass in Deutschland bereits etwa 20 Prozent der Kinder zu viel auf die Waage bringen.
Ω Für übergewichtige Kinder zwischen 8 und 12 Jahren bietet der FSC Erlach jeweils freitags, von 17 bis 18 Uhr, in der Sporthalle in Ulm einen »Big Kids«-Kurs an. Infos bei Karola Sukup-Rafalski, π 07843/7875.

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Veröffentlicht in Freizeitsportclub

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