Feuchtbiotop: Pflegearbeiten ein Muss

Veröffentlicht auf von Acher-Rench-Zeitung

Gelände zwischen Gewerbegebiet und Infrastrukturstraße erfordert sensibles Vorgehen / Totholz bleibt liegen

Ab Mitte kommender Woche werden auf einer Strecke von rund 200 Metern entlang der Infra-
strukturstraße Pflegemaßnahmen im Bereich des dortigen Feuchtbiotops vorgenommen. Konkretes gab es dazu gestern bei einem Pressetermin.

 

http://www.baden-online.de/news/images/news_lokales/artikel_arz/20720_1.jpgIn erster Linie ist bei den Pflegemaßnahmen vorgesehen, bei hohen Stämmen, die bereits abgestorben und als Totholz von hoher ökologischer Wertigkeit sind, den Teil oberhalb von sechs bis acht Metern abzubrechen, sodass sie, falls sie umstürzen, nicht in den Straßenbereich ragen
»Der Abstand zur Straße bestimmt letztlich die Resthöhe dieser Bäume«, so der städtische Umweltschutzbeauftragte Stephan Engel beim gestrigen Pressetermin. Dadurch entstehe auch ein etwas ungewohntes Erscheinungsbild dieses Waldtraufs mit unterschiedlich langen »kerzenähnlichen Stammresten« ohne Krone, was jedoch im Hinblick auf die Erhaltung der Lebensräume unter anderem für Spechte und Fledermäuse bewusst in Kauf genommen wird.
Seltene Arten leben hier
Wie Acherns Oberbürgermeister Klaus Muttach deutlich machte, handelt es sich bei der zur Pflege anstehenden Fläche um ein tiefliegendes Gelände zwischen Gewerbegebiet und Infrastrukturstaße, das früher von örtlich stationierten Streitkräften zu Fahrübungen genutzt wurde. Im Verlauf der letzten 20 Jahre entwickelte sich hier ein imposantes Feuchtbiotop mit hohen Totholzanteilen, das wegen seiner schwierigen Zugänglichkeit und der zeitweiligen Anstauung von Oberflächenwasser nicht nur als Rückzugsgebiet für Tiere, sondern auch als Lebensraum seltener Arten einen besonderen Status genießt. Deshalb gelte es, die Maßnahmen umweltgerecht durchzuführen. Andererseits gab es in jüngster Zeit mehrfach Presseberichte über Unglücksfälle durch umstürzende Bäume, die zeigten, dass die Gefahr des Windbruchs nicht zu unterschätzen ist

Baubürgermeister Dietmar Stiefel ergänzte, dass im Randbereich Richtung Gewerbegebiet bereits Pflegemaßnahmen vorgenommen wurden, jetzt sei im Interesse der Verkehrssicherungspflicht auch eine intensive Pflege zur Infrastrukturstraße hin unumgänglich.
Untersuchungen des Bauhofs und dann auch des Sachverständigenbüros Thomas Herdt ergaben, dass gut 20 Bäume bereits so weit geschädigt oder in Teilen abgestorben sind, dass sie durch Wind- oder Schneebruch auf die Straße stürzen könnten.
Angesichts der Dringlichkeit wurde bereits Ende September ein Vor-Ort-Termin gemeinsam mit Sachverständigen, Vertretern des Naturschutzes und des Naturschutzbundes sowie einem Fachunternehmen für Baumpflegemaßnahmen anberaumt und das weitere Vorgehen festgelegt. Da die stehenden Totholzanteile ökologisch besonders wertvoll sind, wie Stephan Engel erläuterte, sollen sie nicht entfernt, sondern in ihrer Höhenentwicklung begrenzt werden. Dies geschieht mit Hilfe von Seilwinden und einer Hebebühne.
Fledermäuse beachten
Wie Engel sagte, werde mit Fledermaus-Experten über den zeitlich günstigsten Termin für die Pflegemaßnahme gesprochen. Festgelegt wurde ein Termin Mitte bis Ende Oktober, weil hier die Fledermäuse ihre »Sommerquartiere« in den schwächeren Bäumen zu verlassen beginnen, der Bezug wärmerer Winterquartiere in Scheunen, Türmen oder Höhlen aber noch nicht begonnen hat.
Der Schutz der Ökologie und bedrohter Tierarten kostet auch Geld, machte OB Klaus Muttach auf Nachfrage deutlich. Einnahmen sind durch die Pflegemaßnahme keine zu erzielen – die abgerissenen Baumspitzen bleiben als Totholz im Wald liegen. Die Fremdkosten für die Fachfirma bezifferte er auf rund 6000 Euro. Hinzu kommen noch Aufwendungen für Arbeiten des Bauhofs und für die Absperrung, ergänzte Dietmar Stiefel.
Die Maßnahme wird für zwei bis drei Tage eine halbseitige Sperrung der Infrastrukturstraße erforderlich machen, hieß es zum Schluss.

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Stellten gestern am Waldtrauf entlang der Infrastrukturstraße die geplanten Pflegemaßnahmen für vor (von links): Umweltschutzbeauftragter Stephan Engel, Bürgermeister Dietmar Stiefel, Ralf Volz (Tiefbauamt) und Oberbürgermeister Klaus Muttach.

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Veröffentlicht in Achern

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