Erstes Jahr ist das schlimmste
ARZ-Lokalrunde: Experten glauben, dass der A 5-Ausbau künftig verträglicher gestaltet werden kann
Viele freuen sich auf die sechsspurige A 5, der Weg dorthin ist für genauso viele eine Belastung. Mit den Erfahrungen aus dem ersten Jahr soll es aber bis Ende 2013 besser laufen. Bei der ARZ-Lokalrunde zum A 5-Ausbau wurden Probleme, aber auch positive Aspekte angesprochen.
Man kennt sich. Trotzdem fanden es die Teilnehmer der ARZ-Lokalrunde am Mittwoch sehr angenehm, bei einem guten Essen ihre Erfahrungen zum Autobahnausbau auszutauschen. Deutlich war zu spüren, dass die Kommunikation in alle Richtungen stimmt Arnaud Judet, Chef des Konzessionsnehmers Via Solutions Südwest GmbH & Co. KG, lobte die Autobahnpolizei Bühl (zuständig für die A 5 von Rastatt bis Appenweier), dass sie selbst an Heiligabend bei einem Notfall zur Stelle war. Deren Chef, Thomas Schaufler, gab das Kompliment zurück: »Gibt es einen Zwischenfall, sind die Via-Solutions-Leute meist schon da.«
Gemeinsam hat man ein großes Problem nun etwas besser im Griff: die Anfahrt der Polizei und der Rettungsdienste zu den Unfallstellen. Via Solutions hat einige weitere Rettungswege eingerichtet. Denn im Baustellenbereich können die Fahrzeuge keine Gasse für die Polizei bilden. Einfach ist es dennoch nicht, immer in den vorgegebenen 15 Minuten am Unfallort zu sein. Die Polizei schleppt sogar selbst ab.
»Die Zahl der Blechschäden stieg von Januar bis Oktober um 110 Prozent«, beschreibt Schaufler die enormen Belastungen seiner Leute, die stets mit zwei Streifen unterwegs sind. Nur vier Beamte hat Schaufler in diesen Zeiten zusätzlich zur Verfügung.
Staus auf L 87
»Die Autobahnpolizei hält uns den Rücken frei«, lobt Wolfgang Becker, stellvertretender Leiter des Polizeireviers Achern/Oberkirch. Seine Leute hatten sich vor Beginn des Ausbaus mögliche »Horrorszenarien« ausgemalt, doch so sei es nicht gekommen. Die langen Staus auf der L 87 zerrten natürlich an den Nerven, irgendwann komme aber nun mal der Verkehr zum Erliegen.
Jetzt ist der westliche Kreisverkehr fertig, das entspanne die Lage vorerst. Im Dezember wird mit den Arbeiten am östlichen Kreisverkehr begonnen.
Große finanzielle Einbußen muss der Eurorastpark hinnehmen. Als die Autobahnauffahrt bei Achern zeitweise ganz gesperrt werden musste, lag laut Pirmin und Björn Lang der Ausfall bei fast 100 Prozent, doch auch sonst sinkt der Umsatz. Aus Versehen war an der A 5 mal für vier Wochen das Hinweisschild für den Autohof verschwunden, auch da fehlten die Kunden. »Wir tragen das mit, wir wollen den Ausbau, denn wir haben natürlich gute Geschäfte in Aussicht«, sagt Pirmin Lang. Via Solutions bezeichnete er als sehr guten Partner.
Anschlussstelle aufwerten
Das unterstreicht Acherns Bürgermeister Dietmar Stiefel: »Es ist klar zu sehen, dass am Ausbau mit Hochdruck gearbeitet wird.« Den Verkehr könne man nun mal nicht wegdenken, »da müssen wir jetzt durch«, sagt Stiefel, der sich vom Ausbau auch eine Aufwertung des gesamten Areals erhofft – dazu könnten auch Fortschritte bei der Ruine Seehotel gehören. Nicht zufrieden ist er mit dem entstehenden Radwegenetz, dem in der Planungsphase zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden sei.
Christine Rösch freut sich als Önsbacher Ortsvorsteherin ebenso auf die sechsspurige Autobahn wie Gamshursts Rathauschef Hans Jürgen Morgenstern. Rösch erwartet, dass die derzeit hohen Verkehrsbelastungen (siehe Stichwort) zurückgehen und klappernde Kanaldeckel auch mal auf dem kurzen Behördenweg ausgetauscht werden.
Morgenstern erzählt, dass die Auskiesung des Sentigsees das Lkw-Aufkommen zusätzlich erhöhen wird, zumindest gestattet die Firma ZFE, dass der Radweg über deren Gelände führen kann. Der Ortsvorsteher weiß, wie schwierig es ist, von Gamshurst aus nach links auf die L 87 Richtung Achern abzubiegen.
Erfahrungen helfen
Ob das auch nach dem Ausbau so sein wird, wenn keine Ampel mehr für Rotphasen sorgt, sondern die Kreisverkehre die Autos rollen lassen, muss sich erst in der Praxis zeigen, sagt auch Gerald Schmidt vom Regierungspräsidium (RP) Freiburg. Schmidt schildert, wie Hunderte von Details bei solch einem Mammutprojekt mit dem Bund/Land als Konzessionsgeber und einer privaten Firma als Konzessionsnehmer zu beachten sind. »Mit den Erfahrungen aus diesem ersten Jahr werden wir es bis 2013 einfacher haben«, ist sich Schmidt sicher.
Da die Fahrbahnen in den Baustellen so schmal sind, darf teilweise nur 60 km/h gefahren werden. Wolfgang Ott vom RP Karlsruhe erklärt, dass 2011 und auch wieder 2013 die Fahrzeuge auf die dann schon neuen, breiteren Autobahnbereiche gelenkt werden, wo dann durchgängig 80 km/h möglich ist. Das wiederum könnte schwerere Unfälle zur Folge haben, die bisher eher selten sind. Auch werden 2011 die Auffahrtsäste in den Baustellen länger gestaltet.
STICHWORT
Was auf den Straßen rollt
Ortsvorsteherin Christine Rösch brachte Zahlen mit zur ARZ-Lokalrunde, die veranschaulichen, welchen Verkehrsbelastungen die Önsbacher ausgesetzt sind.
Während im August 2008 werktags »nur« 14 000 Fahrzeuge von der Messstelle verzeichnet wurden, rollten im August 2010 17 166 Fahrzeuge durch Önsbach. Sonntags stiegen diese Zahlen von 8870 auf 11 200. Auch der Schwerlastverkehr nahm im selben Zeitraum zu: werktags von 822 auf 1038 Lkw.
Thomas Schaufler von der Autobahnpolizei Bühl weiß von 67 000 Fahrzeugen pro Tag, die täglich die A 5 befahren, im Juli zur Urlaubszeit wurden auch schon 78 500, in Spitzenzeiten über 90 000 gezählt.
Der Weg zur Autobahn wird speziell für die Acherner noch für einige Zeit beschwerlich sein. Doch Ende 2013 ist die Autobahn dann endlich sechsspurig ausgebaut, sagen die Planer.
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