Die Liebe muss sich weiter entwickeln
Der Paartherapeut Hans Jellouschek sprach vor ausverkauftem Haus im Acherner Bürgersaal
Achern. Fast die Hälfte aller Ehen endet vor dem Scheidungsrichter. Da wundert es nicht, dass sich Paartherapeut Hans Jellouschek bei einer »gong«-Veranstaltung mit dem Titel »Die Kunst, als Paar zu leben« über einen ausverkauften Acherner Bürgersaal freuen konnte
Der als »deutscher Papst der Paartherapeuten« und »Ratgeberkönig« titulierte Transaktionsanalytiker und Eheberater Hans Jellouschek hat bereit ein gutes Dutzend Bestseller zum Thema veröffentlicht. In seinem Vortrag am Mittwoch in Achern illustrierte er sieben bedeutsame Dreh- und Angelpunkte, die sich als Problemfalle einer Paarbeziehung entwickeln können.
Den Anfang machte die »Kommunikation und Kooperation« zwischen den Eheleuten. In der Kommunikation gelte es, im stetigen Wechselspiel »Lob, Anerkennung und Bestätigung« zu geben und dem Partner im Gespräch die ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. Die aggressive Abwertung des Partners, permanente Nörgeleien, eine rein auf Abwehr und Verteidigung eingerichtete Gesprächskultur sowie das Auftürmen einer emotionalen Schweigemauer wurden von Jellouschek als die »vier apokalyptischen Reiter einer Paarbeziehung« bezeichnet.
Ein unbedingtes Ja
In der Kooperation sei ein gemeinsames Engagement gefragt. Es könne nicht sein, dass einer alles alleine macht, während der andere hinter der Zeitung hockt. Jellouschek warb hier für »eine flexible Aufgabenteilung im Sinn einer Ergänzung«. Der Paartherapeut hob als zweiten Punkt die Bedeutung der »Verbindlichkeit einer Paarbeziehung« hervor. Ein unbedingtes »Ja« sei vonnöten, um das Eheschiff »in guten wie in schlechten Tagen« über Wasser zu halten
Wer eine Partnerschaft nur »einmal ausprobieren will« und den anderen über Jahre »in der Luft hängen lässt«, müsse scheitern. Hans Jellouschek wandte sich aber auch energisch gegen das katholische Postulat der »Unauflöslichkeit der Ehe« und bezeichnete es als eine »unchristliche und unmenschliche« Forderung. Dem gläubigen Katholiken dürfe das Recht, sich scheiden zu lassen, nicht abgesprochen werden. Drittens sei die Pflege eines »gemeinsamen Dritten« vonnöten.
Mit dem Zitat »Lieben heißt nicht, sich in die Augen zu sehen, sondern gemeinsam in die gleiche Richtung zu blicken« von Antoine de Saint-Exupéry versuchte Hans Jellouschek zu verdeutlichen, dass zum Beispiel gemeinsame Hobbys, soziales Engagement oder gut organisierte Bildungsreisen die Liebe am Leben erhalten.
Liebe und Partnerschaft
Mit dem Merksatz »Liebe bleibt nur, wenn sie sich weiterentwickelt und braucht Drittes zur Bewährung« fasste Hans Jellouschek seine Intentionen zusammen. Weiterhin gelte es, »Liebe und Partnerschaft auszubalancieren«. Die Liebe beruhe auf Hingabe, die Partnerschaft auf dem Prinzip Gerechtigkeit. Beides unter einen Hut zu bringen, braucht viel Fingerspitzengefühl, verdeutlichte Hans Jellouschek anhand zahlreicher Beispiele. Schließlich behandelte der Paartherapeut die Themenkreise Liebe und Alltag, Sexualität und das »Ausbalancieren der Unterschiede«, um am Ende des kräftig beklatschten Vortrags zu einer ausgiebig genutzten Fragerunde aufzurufen.
Frisch gestärkt und aufgerichtet verließen viele Paare nach einem Spontankauf beim Bücherstand des Veranstaltungssponsors Büchermehr den Bürgersaal. Dass später im vertraulichen Gespräch der Partner die besten Vorsätze blühten, versteht sich nach diesem vielfältig inspirierenden Vortrag ganz von selbst.