Die Krankheit literarisch besiegt
Christiane Schaub schildert in einem Buch ihr Leben mit der Diagnose Hirntumor und nach der Operation
Vor einem Jahr wurde bei Christiane Schaub ein Hirntumor festgestellt und operiert. Ihren Kampf mit der Krankheit hat die Erzieherin aus Oberkirch nun in einem Buch verarbeitet.
»Wie das Gänseblümchen zum Blühen kam, kam ich zum Schreiben«. So bezeichnet Christiane Schaub selbst ihren Werdegang zur Schriftstellerin. Ohne die einschneidende »Diagnose Hirntumor« wäre die Schriftstellerin in der Erzieherin sicherlich nicht durchgekommen In »Löwenzahn oder Diagnose: Hirntumor! Nur Mut!«, bringt die Oberkircherin ihre »Geschichte, die das Leben geschrieben hat, zu Papier. Eigentlich sei das Buch gar nicht zur Veröffentlichung vorgesehen gewesen, sondern als Therapie für sich selbst und vor allem für ihre Familie, damit diese verstehe, was sie von ihr noch erwarten kann – sowohl körperlich als auch mit Hinblick auf eine gereiftere Persönlichkeit. Bei der Absicht eines Werk für einen kleinen Kreis blieb es jedoch nicht. Immer wieder wurde Schaub von ihrer Familie aufgefordert, ihre Erfahrungen und Einsichten allen zugänglich zu machen.
Leichte Kopfschmerzen
Christiane Schaub war nach der Diagnose Hirntumor auf der ständigen Suche nach Artikeln, und Büchern von betroffenen Menschen. Fündig wurde sie allerdings fast nur bei der medizinischen Literatur. Letztendlich gab der Gedanke daran, anderen an Hirntumor erkrankten mit dem Buch Hoffnung geben zu können, den Ausschlag, an die Öffentlichkeit zu gehen. Durch den Verzicht auf medizinische Einzelheiten ist »Löwenzahn oder Diagnose: Hirntumor! Nur Mut!« weit mehr als Literatur für Betroffene. In klaren Worten zeichnet Christiane Schaub chronologisch die entscheidendste Phase ihres Lebens nach. Es ist zu Beginn das Leben einer mit sich und ihrer Arbeit zufriedenen Frau mittleren Alters, die Kopfschmerzen, leicht erhöhten Blutdruck und eine nachlassende Hörleistung als normale Alterserscheinungen abtut
Mit einer Kur oder einer reduzierten Arbeitszeit ließen sich die kleinen Leiden sicherlich kurieren, dachte Christiane Schaub zu dem Zeitpunkt, in dem sie dem Leser Zutritt in ihr Leben gibt. Von einem Tumor, der bereits seit zehn Jahren in ihrem Kopf wächst und das Herz-Kreislauf-Zentrum belastet,
weiß sie damals noch nichts. Schließlich gewöhne sich der Mensch an alles, so die Autorin. Erst als auch noch starkes Nasenbluten hinzukommt, ringt sich Christiane Schaub zu mehreren Arztbesuchen durch. Mit den Worten »sie haben da was im Kopf und das muss raus«, die ihr ein Radiologe nach einer eingehenden Untersuchung sagte, begann für Christiane Schaub ein langer Weg durch Krankenhäuser, aber vor allem durch ein Gefühlschaos, auf den sie den Leser mitnimmt.
»Ich halte gerne Leid von anderen fern, war die Optimistische und Aufbauende«, weiß Christiane Schaub über sich selbst und versucht damit zu erklären, weshalb die eigentlichen Probleme erst Monate nach der Operation auftauchten. »Ich habe den Hirntumor verdrängt und allen ein Sprechverbot erteilt.« Unterstützung und Erfahrungen holte sie sich in einem Selbsthilfeforum. Dort, im Internet, tauschte sich Christiane Schaub mit anderen Betroffenen aus und schöpfte dadurch neue Hoffnungen und Lebensmut.
Ihr damaliger Decknamen »Löwenzahn« im Internetforum betitelt heute ihr Buch. Darin übernimmt sie nun die Rolle, von Schicksalschlägen getroffenen Menschen Mut zuzusprechen.
Hintergrund
Hirntumor
Der Begriff »Hirntumor« bezeichnet sowohl gutartige, als auch bösartige Geschwulste im Schädel, die direkt aus dem Gewebe des Gehirns oder der Hirnhäute entstehen. Hirnmetastasen sind hingegen Tochtergeschwülste von Tumoren, die ursprünglich außerhalb des Gehirns liegen. Sie enthalten kein Nervengewebe. Bei Erwachsenen zählen Hirntumore zu den eher selteneren Krebserkrankungen. Gutartige Tumore wachsen meist nur langsam und bleiben von benachbartem Hirngewebe gut abgrenzbar, während ein bösartiger Tumor schnell in das umgebende Gewebe hineinwächst. Operationen bei schwer zugänglichen Hirntumoren sind meist mit hohem Risiko verbunden.
STICHWORT
»Löwenzahn oder Diagnose:
Hirntumor! Nur Mut«
Das Buch von Christiane Schaub ist kürzlich im August-von-Goethe-Literaturverlag in Frankfurt erschienen. Die 1962 geborene Erzieherin und Mutter zweier Kinder schildert darin ihren inneren Kampf nach der Diagnose Hirntumor und nach der Operation die Rückkehr in den Alltag und ins Berufsleben. In einer direkten Sprache und einem offenen Umgang mit ihren Problemen spricht sie darin über ihre Ängste und Zweifel, aber auch Hoffnungen. Mittlerweile, ein Jahr nach der Operation, arbeitet Christiane Schaub wieder zu 90 Prozent in ihrem Beruf als Erzieherin im Oberkircher Käthe-Luther- Kindergarten.
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